„Klimaschutz und Massentourismus vertragen sich nicht“

Haben sich Tourismus-Politiker mit der DZT ihren eigenen staatlich subventionierten Lobbyverband geschaffen?

Die Tourismusbranche setzt auf ungebremstes Wachstum, wie die Internationale Tourismus Börse (ITB) in Berlin ab dem 7. März wieder zeigen wird. Doch „Klimaschutz und Massentourismus vertragen sich nicht", warnt Hans-Gerd Marian, Bundesgeschäftsführer des politischen Freizeitverbandes NaturFreunde Deutschlands. Marian kritisiert insbesondere den unreflektierten Wachstumskurs der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) sowie des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages.
 
Während die Tourismusbranche auf ungebremstes Wachstum setzt, kritisieren NaturFreunde die Bundesförderung der Deutschen Zentrale für Tourismus. © Sorbyphoto / pixabay.comLaut Welttourismusorganisation (UNWTO) wuchsen die weltweiten internationalen Tourismusankünfte im Jahr 2017 um sieben Prozent, in Europa um acht Prozent, in Südeuropa gar um 13 Prozent. Die UNWTO prognostiziert auch für das Jahr 2018 ein weltweites Wachstum von vier bis fünf Prozent. Zwar fragt mittlerweile selbst das ITB-Begleitprogramm, ob der Tourismus zum „Overtourism" und damit zum Opfer seines eigenen Erfolges werden könnte. Trotzdem werden Tourismus-Politiker und -Manager zur ITB weiter das Wachstum der Tourismusbranche beschwören.
 
Insbesondere die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) spielt hier eine besondere Rolle. Die Ziele dieser Organisation sind unter anderem die Steigerung des Reiseaufkommens und die Positionierung Deutschlands als attraktives Reiseland. Diese Positionierung fand in den letzten Jahren in erster Linie in China, Arabien, Indien und Südamerika statt. Je mehr Fernreisende nach Deutschland fliegen, desto erfolgreicher wähnt sich die DZT.
 
„Nichts ist klimaschädlicher im Verkehrssektor als Interkontinentalflüge", kritisiert Hans-Gerd Marian. „Natürlich darf eine Organisation, in deren Verwaltungsrat die Lufthansa und der Münchner Flughafen gewichtige Positionen einnehmen, solche Ziele haben. Warum aber werden diese Ziele Jahr für Jahr mit 30 Millionen Euro vom Steuerzahler gefördert? Es ist schon seltsam, dass die viel reisenden Mitglieder des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestages die an anderer Stelle beschworenen Klimaziele dem Tourismuswachstum unterordnen", so Marian.
 
Mit der DZT hätten sich Tourismus-Politiker ihren eigenen staatlich subventionierten Lobbyverband geschaffen. Dabei sei der Tourismus im Verfassungsgefüge der Bundesrepublik eigentlich Sache der Bundesländer. Hans-Gerd Marian: „Vielleicht sollte der Deutsche Bundestag auf den Tourismusausschuss ganz verzichten. Oder finden sich tatsächlich noch Abgeordnete, die trotz Lufthansa-Freiticket eine wachstumskritische Haltung einnehmen?"
 
Der NaturFreunde-Bundesgeschäftsführer schlägt vor, mit den jährlich 30 Millionen Euro besser einen alternativen Tourismus zu fördern, bei dem sich Bürger benachbarter Länder auch grenzübergreifend begegnen. Denn der Ferntourismus führe zu weniger Wertschöpfung im Land als der Tourismus durch Nachbarn. Lufthansa und TUI könnten die DZT schließlich auch selbst finanzieren, so Hans-Gerd Marian abschließend.
 
Über die NaturFreunde Deutschlands
Die NaturFreunde Deutschlands sind ein sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport & Kultur. Mehr als 70.000 Mitglieder in über 600 Ortsgruppen engagieren sich ehrenamtlich für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft.
 
In Eigenleistung und genossenschaftlicher Selbsthilfe haben die NaturFreunde Bildungs-, Freizeit- und Erholungshäuser gebaut. Mehr als 400 dieser Naturfreundehäuser liegen in Deutschland, rund 700 Naturfreundehäuser gibt es weltweit. Mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten und vielfach in Naturschutzgebieten gelegen, sind sie gute Beispiele für gelebten sanften Tourismus in Deutschland. Naturfreundehäuser stehen allen Menschen offen, Mitglieder erhalten Ermäßigungen. www.naturfreundehaus.de
 
Kontakt:
Hans-Gerd Marian, NaturFreunde Deutschlands

Lifestyle | Sport & Freizeit, Reisen, 05.03.2018

     
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