Umwelt | Wasser & Boden, 20.12.2017
„Plastikpiraten" finden viel Müll an deutschen Flüssen
Ergebnisse der bundesweiten Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!"
Im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane untersuchten Jugendliche die Kunststoffbelastung deutscher Flüsse und Bäche. Das traurige Ergebnis der Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten": Es wurde mehr Müll gefunden als erwartet, darunter vor allem Plastikverpackungen und Zigarettenstummel.
Die Plastikmüllverschmutzung der Weltmeere stand 2017 immer wieder im öffentlichen Fokus – und war auch Schwerpunkt im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane. Mit der bundesweiten Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier!" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung haben Jugendliche die Müllbelastung ihrer heimischen Bäche und Flüsse erforscht. In Deutschland gibt es dazu erst wenige Untersuchungen, obwohl der Großteil des Plastikmülls im Meer auf dem Wasserweg dorthin gelangt. Die Kieler Forschungswerkstatt hat die Daten der Jungforscherinnen und -forscher in Zusammenarbeit mit der chilenischen Universität Católica del Norte nun ausgewertet. Die traurige Bilanz ist, dass an fast allen untersuchten Gewässern Müll gefunden wurde: im Durchschnitt 0,66 Müllteile pro Quadratmeter Flussufer, umgerechnet entspräche dies 33 Müllteilen pro 50 Quadratmeter Klassenzimmer. Am häufigsten gefunden wurde „Partymüll": Plastik und Zigarettenstummel.
Insgesamt 349 Schulklassen und Jugendgruppen gingen im Herbst 2016 und Frühjahr 2017 mit der Aktion „Plastikpiraten" auf Forschungsexpedition. Die Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren haben sich dabei aktiv mit der Müllproblematik auseinandergesetzt und gleichzeitig wichtige Daten für die Wissenschaft gesammelt.
Große Flüsse stärker verschmutzt
Die „Plastikpiraten" haben Daten im gesamten Bundesgebiet erhoben. Die meisten beteiligten Gruppen kamen aus den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen (88 Gruppen), Bayern (50 Gruppen) und Baden-Württemberg (43 Gruppen). Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland gingen jeweils fünf Gruppen dem Plastikmüll auf die Spur.Die Ergebnisse zeigen, dass die großen Flusssysteme am stärksten verschmutzt sind. Elbe und Rhein sowie ihre Zuflüsse liegen mit rund 0,80 und 0,75 Müllteilen pro Quadratmeter über dem bundesweiten Durchschnitt. In einem Ausnahmefall wurden an einem Nebenfluss des Rheins sogar bis zu 24,6 Müllteile pro Quadratmeter gefunden. Die Donau lag mit 0,63 Müllteilen pro Quadratmeter Uferfläche etwa im Bundesdurchschnitt. Das Flusssystem Weser und die Zuflüsse der Ostsee waren dagegen mit 0,34 Müllteilen pro Quadratmeter und 0,28 Müllteilen pro Quadratmeter deutlich sauberer.
Plastikverpackungen, Glasscherben und Fahrräder
Zu den häufigsten Fundstücken gehörten Plastikgegenstände wie Verpackungen und -Flaschen, sowie Zigarettenstummel. Auch gefährlicher Müll wie Glasscherben, verrottete Speisereste, benutzte Hygieneartikel und scharfes Metall wurden von fast allen Gruppen gefunden. Unter den teilweise skurrilen Funden waren aber auch alte Fahrräder, Fernseher und ein bemooster Gartenzwerg. Eine alte „Capri-Sonne" konnte eine Jugendgruppe mithilfe des Haltbarkeitsdatums ungefähr datieren: Seit fast 20 Jahren war die Verpackung demzufolge schon unterwegs und damit älter als deren Finder.Achtloses Liegenlassen ist Hauptursache des Mülls
Einzelne Müllteile und Müllansammlungen (mehr als drei Teile in unmittelbarer Nähe) führten die Jugendlichen in den meisten Fällen auf Flussbesucherinnen und -besucher zurück. Statt den Müll beispielsweise nach Partys oder Picknicks ordnungsgemäß zu entsorgen, wurde er wohl einfach liegengelassen. Aber auch Müllsäcke und anderer Haushaltsmüll wurden in einigen Fällen illegal am Flussufer entsorgt. Die Funde zeigen anschaulich, dass auch die Menschen im umweltbewussten Deutschland zur Plastikmüllverschmutzung der Meere beitragen, auch wenn sie weit im Binnenland wohnen. Bei den teilnehmenden Jugendlichen hat der persönliche Einsatz bereits in vielen Fällen zum Umdenken im Alltag geführt. „Beim Einkaufen mit den Eltern achten viele nun sehr darauf, Plastik soweit es geht zu vermeiden," berichtet Ellen Flemisch, Lehrerin an der Integrativen Montessori Schule an der Balanstraße München. Einen nachhaltigen Effekt konnte auch Lehrerin Karin Loritz von der Erich-Kästner-Realschule Offenburg bei ihren Schülerinnen und Schülern beobachten: „Aus eigenem Antrieb haben sie ein ‚Green Team‘ gegründet. Sie verabreden sich privat und sammeln Plastikmüll ein."
Weitere Informationen zu den „Plastikpiraten", den Gesamtergebnissen und den Funden der einzelnen Gruppen gibt es unter: www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/jugendaktion.Kontakt: Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane
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