B.A.U.M.-Jahrbuch: Jetzt kostenlos reinlesen!

Rohstoffwende Deutschland 2049

Agenda für die Umsetzung

In diesem Moment wird irgendwo in Lateinamerika mit Hilfe von Quecksilber Gold gewonnen – mit gravierenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt. Irgendwo in Afrika kämpfen Warlords mit Kindersoldaten um das Mineral Coltan, das in unseren Mobiltelefonen verbaut ist. In China werden Seltene Erden gefördert, bei deren Aufbereitung radioaktive Schlämme zurückbleiben – häufig ohne sicheres Abfallkonzept. Dies geschieht auch, um den Rohstoffhunger in Deutschland zu befriedigen.

Wie der "Rohstoffabdruck" Deutschlands verringert werden kann, zeigt das Öko-Institut in seinem Projekt „Rohstoffwende Deutschland 2049". Jetzt liegt der Abschlussbericht vor, in dem das Expertenteam des Instituts eine Agenda für die Umsetzung der Rohstoffwende bis zum Jahr 2049 aufstellt. Das Ziel: negative ökologische und soziale Auswirkungen der primären Rohstoffnachfrage 
in Deutschland und weltweit minimieren.

Schritte zur Rohstoffwende
Das Projekt „Rohstoffwende 2049" hat bereits Ende 2016 im 3. Policy Paper und auf der Jahrestagung 2016 des Öko-Instituts gezeigt, dass dafür sehr spezifische Ziele und Maßnahmen ergriffen werden müssen. Diese unterscheiden sich nach den Rohstoffgruppen und ihren Einsatzfeldern. Für erste Rohstoffe wie Kies, Neodym oder Stahl hat das Forschungsteam ambitionierte Maßnahmen und Instrumente entwickelt, mit denen der Rohstoffbedarf in den kommenden Jahrzehnten signifikant sinken kann. Dazu gehört unter anderem ein umfassender Gebäude-Check und eine Primärbaustoffsteuer, die den Bedarf nach heimischen Baurohstoffen reduzieren soll, ebenso wie Recyclingfortschritte und Nachhaltigkeitszertifikate, die eine verantwortungsvolle Förderung von Metallen im Ausland nachweisen und sicherstellen.

Das Öko-Institut fordert nun, solche spezifischen Ziele, Maßnahmen und Instrumente für alle relevanten Rohstoffgruppen zu formulieren. Bis zum Jahr 2020 sollen konkrete und nachprüfbare Meilensteine für die Rohstoffwende entstehen. Diese sollen alle vier Jahre kontrolliert und wenn nötig nachgeschärft werden. Ein regelmäßiges Monitoring legt dafür die Basis: Es überprüft die Entwicklung des Rohstoffbedarfs und weitere Indikatoren wie das Bevölkerungswachstum, Fortschritte bei der Energie- und Verkehrswende, Entwicklung des Recyclings und Technologieschritte. Zwei „große Inventuren" in den Jahren 2025 und 2037 prüfen umfassend, wie sich die rohstoffspezifischen HotSpots sowie die Wirkung der definierten Ziele und ergriffenen Maßnahmen entwickeln.

Akteure der Agenda für die „Rohstoffwende 2049"
Gefragt für die Umsetzung dieser Agenda sind vor allem Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Dabei sind verschiedene politische Ebenen verantwortlich für den Erfolg der Rohstoffwende: Kommunen und Bundesländer müssen eine rohstoffsparende Infrastruktur schaffen und erhalten; der Bund sollte übergreifende Impulse für mehr Rohstoffeffizienz setzen. Dabei können verschiedene politische Instrumente zum Einsatz kommen: von Steueranpassungen etwa der Grunderwerbssteuer zu einer Flächenverbrauchssteuer für das kompaktere Bauen bis hin zu Vorgaben für den Einsatz von Recyclingbaustoffen.

Aber auch die Europäische Union ist gefragt: Sie kann unter anderem mit internationalen Abkommen dafür sorgen, dass die negativen sozialen Auswirkungen der primären Rohstoffgewinnung sinken. Zudem kann sie mit europaweiten Maßnahmen dazu beitragen, Kreislaufwirtschaft und Recycling zu verbessern und Ressourcenaspekte im Produktdesign in der Ökodesign-Richtlinie zu stärken.
Nicht zuletzt sieht das Öko-Institut Unternehmen in der Pflicht, das Recycling etwa von Baurohstoffen wie Beton, Gips und auch von Metallen weiter zu verbessern. Sie sind zudem Motor für Innovationen bei Technologien und Prozessen, die künftig Rohstoffe effizienter einsetzen.

Das Öko-Institut selbst wird die Rohstoffwende 2049 aktiv begleiten und vorantreiben und neue Impulse und Vorschläge in die Debatte einbringen.
 

 
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Kontakt: Dr. Matthias Buchert, Öko Insitut | www.oeko.dem.buchert@oeko.de  

Umwelt | Ressourcen, 23.05.2017
     
Cover des aktuellen Hefts

Digitalisierung und Marketing 4 Future

forum 03/2020 ist erschienen

  • Digitalisierung
  • VerANTWORTung
  • Green Money
  • Marketing 4 Future
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
03
DEZ
2020
13. Deutscher Nachhaltigkeitstag
Die Krise als Chance zum ökologischen und sozialen Umbau
online
18
JAN
2021
18. Internationaler Fachkongress für erneuerbare Mobilität
Early Bird bis 30. November 2021 – 24% Nachlass bei Anmeldung!
online
Alle Veranstaltungen...
Tierisch gut gedruckt! Wir drucken VEGAN. premium green by oeding-print.de

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Pioniere & Visionen

Countdown für Planet B. Leila Dreggers Plädoyer für einen Aufbruch ins utopische Denken
3 - Der Systemwechsel der Ernährung heißt Kontakt. "Ich hab dich zum Fressen gern!"
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Die Krise: Chance zum ökologischen und sozialen Umbau

BLG: Erster deutscher Logistiker mit wissenschaftlich anerkannten Klimaschutzzielen

Aus Ziegelsand ohne Brand

Apinima - Ökologische Alternativen: Durch Konsum die Weltmeere retten

Bienenstrom – mit dem Grüner Strom-Label zertifiziert

Mehr als 60 Prozent der Unternehmen suchen eine digitale Arbeitsplatzlösung für ihre gewerblichen Mitarbeitenden

Changemaker in Sachen Nachhaltigkeit

Agentur Bloom ist klimaneutral

  • Global Nature Fund (GNF)
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • TourCert gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • PEFC Deutschland e. V.