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Deutsche TOP-Banken bei Umwelt- und Klimaschutz mangelhaft

Investitionen in klimaschädliche Unternehmen sind nicht nur verantwortungslos, sondern bergen auch finanzielle Risiken

Vom 05. bis 13. Mai wird im Rahmen der Aktionswoche „Globale Divestment Mobilisierung" weltweit dazu aufgerufen, auf fossile Brennstoffe zu verzichten und die Investition in bzw. die Finanzierung von fossilen Unternehmen zu beenden. Vor diesem Hintergrund informiert eine neue Studie von Facing Finance VerbraucherInnen über die umwelt- und klimaschädlichen Praktiken deutscher Banken. „Alles im grünen Bereich? Klima- und Umweltschutz auf dem Abstellgleis deutscher Banken" analysiert anhand von Fallbeispielen, inwiefern die fünf größten deutschen Banken Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen pflegen, die für ihre Umwelt- und Klimaschäden in der Kritik stehen.
 
Demnach schneiden die größten deutschen Banken bei der Verankerung von Klimaschutz bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen mangelhaft ab. Während die Finanzierung von neuen Kohlekraftwerken und Kohleminen zwar zum Teil ausgeschlossen wird, bleibt die Förderung der fossilen Brennstoffe Öl und Gas nach wie vor unberücksichtigt. Auch andere Industrien, die stark zur Klimazerstörung beitragen, werden derzeit von deutschen Banken nicht ausreichend in der Risikobetrachtung berücksichtigt. Diese „business as usual"-Mentalität der Banken ignoriert zudem Warnungen zahlreicher Studien, die den Finanzdienstleistern ein erhebliches finanzielles Risiko voraussagen, sollten sie sich weiter an CO2-intensiven und damit klimaschädlichen Branchen beteiligen.
 
„Besonders große Banken versagen derzeit schlichtweg beim Umwelt- und Klimaschutz und werden ihrer Verantwortung nicht gerecht. Sie müssen unverzüglich eine radikale Neuausrichtung der alten, klimaschädigenden Geschäftsmodelle und Kreditrichtlinien einleiten," fordert Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance. „Nur mit unverbindlichen CSR-Hochglanzbroschüren oder der Mitgliedschaft beim UN Global Compact lässt sich das Klima nicht retten und schon gar nicht das Ziel des Pariser Klima-Abkommens erreichen", betont Küchenmeister.
 
Besonders auffällig ist die Beteiligung der deutschen genossenschaftlichen DZ Bank an der Finanzierung von Kohlekraftwerksprojekten in Vietnam. Um den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C zu begrenzen, wozu sich die internationale Staatengemeinschaft im Pariser Klimaabkommen verpflichtet hat, dürften ab 2017 keine Investitionen in den Bau neuer Kohlekraftwerke getätigt werden. Die DZ Bank torpediert daher mit derartigen Finanzierungen die internationalen Klimaschutzziele.
 
Andere deutsche Banken wie die Commerzbank und die Deutsche Bank haben bereits erste Schritte unternommen und zumindest einen teilweisen Ausstieg aus der Finanzierung von Kohle beschlossen. „Damit hinken die genossenschaftliche DZ Bank, die öffentlich-rechtliche Landesbank im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg sowie die HypoVereinsbank beim Thema Kohleausstieg deutlich hinter ihren Wettbewerbern her", kritisiert Sarah Guhr, Autorin der Studie und Projektleiterin bei Facing Finance.
 
„Auch Unternehmen, die ihre Umsätze nicht mit fossilen Brennstoffen erzielen, jedoch durch hohe CO2-Emissionen das Klima schädigen, stellen ein zusätzliches finanzielles Risiko für Banken dar", erklärt Jan Schulz von Facing Finance, Co-Autor der Studie. Die Zementindustrie ist nur ein Beispiel dafür: Sie ist für 5% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, die Produktion einer Tonne Zement verursacht allein 600 Kilogramm CO2. „Dennoch sind die größten deutschen Banken an Finanzierungen und Investments u.a. in den deutschen Zementhersteller HeidelbergCement beteiligt und tragen so zu Klimaschäden bei", beklagt Schulz.
 
Die vom Umweltbundesamt finanzierte Studie ruft auch Bankkundinnen und Bankkunden dazu auf, für ihre eigenen Geldanlagen Verantwortung zu übernehmen um zu verhindern, dass deutsche Banken direkt und indirekt Umweltzerstörung und Klimaschäden fördern. Die Studie hält hierzu Handlungsoptionen bereit.
 
Hier finden Sie die vollständige Publikation sowie weitere Hintergrundinformationen zum Download. Diese Studie wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie die schwedische Entwicklungsbehörde SIDA. 

Kontakt:
Thomas Küchenmeister, Facing Finance e.V.

Lifestyle | Geld & Investment, 05.05.2017

     
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