Technik | Energie, 31.01.2017
Kohleausstieg der Deutschen Bank?
Leider noch nicht!
Wie zahlreiche Medien berichten, plant die Deutsche Bank einen teilweisen Ausstieg aus Kohle. Spiegel Online titelt aktuell: „Deutsche Bank will aus Kohlefinanzierung aussteigen". Auf Bild.de heißt es: „Deutsche Bank gibt keinen Kredit mehr für Kohlestrom". Die Bewertung von urgewald fällt deutlich anders aus.
„Es ist zu begrüßen, dass die Deutsche Bank bei Kohle endlich kürzer treten will. Bislang gehört sie weltweit zu den zehn größten Finanzierern der globalen Kohleindustrie. Doch die Ankündigung ist sehr unkonkret und geht am eigentlichen Problem weit vorbei", sagt urgewald-Geschäftsführerin Heffa Schücking und ergänzt: „Die jetzt veröffentlichte Richtlinie bezieht sich vor allem auf die direkte Finanzierung von Kohleprojekten. Die meisten Projekte werden jedoch indirekt über Firmenkredite und –anleihen finanziert. Hier spielt die Deutsche Bank eine zentrale Rolle als Geldgeber der Kohleindustrie. Durch die neue Richtlinie wird sich an dieser Form der Kohlefinanzierung nichts ändern." Ein Blick ins Portfolio der Deutschen Bank verdeutlicht das Problem: So sind beispielsweise der südkoreanische Konzern KEPCO und der indische Konzern NTPC wichtige Kunden der Deutschen Bank. Beide planen und bauen weltweit Kohlekraftwerke mit einer Kapazität, die höher liegt als die des gesamten deutschen Kohlekraftwerksparks (rund 48 Gigawatt). „Allein NTPC ist für den Bau von Kohlekraftwerken mit mehr als 37.000 Megawatt Leistung verantwortlich und liegt damit weltweit an 7. Stelle. KEPCO baut Kraftwerke auch in Ländern wie Vietnam oder den Philippinen, die derzeit einen regelrechten Kohle-Boom erleben. Dadurch wird dort eine jahrzehntelange Kohleabhängigkeit festgeschrieben", so Schücking.
Andere europäische Banken sind hier schon viel weiter. So schließt die französische Bank Natixis bereits jetzt Unternehmenskredite für Firmen aus, die mehr als 50 Prozent ihres Geschäfts im Kohlekraftwerksbereich oder mit Kohlebergbau machen. Die Banken KBC, ING, Crédit Agricole und HSBC haben ähnliche Ausschlusskriterien eingeführt.
Schückings Fazit: „Trotz dieses Schritts bleibt die Deutsche Bank ein klarer Nachzügler beim Divestment. Will die Deutsche Bank tatsächlich ‚Klimaschutz in Taten umsetzen‘, muss sie viel größere Schritte machen."
Weitere Informationen:
Im Interview mit forum können Sie lesen, wie Heffa Schücking den Banken die Stirn bietet.
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