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Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie verliehen

Die Preisträger heißen in diesem Jahr Anaj Humburg und Gerolf Hanke

München - Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ist am 21. September 2012 in Freiburg/Breisgau vergeben worden. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der Jahrestagung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) zum Thema "Geld und Wachstum". Der mit 5.000 Euro dotierte Forschungspreis dient der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung. Aus den 25 eingereichten Studien wurden zwei für einen Preis ausgewählt.

Der Ökonom Karl William Kapp machte Anfang der 50er Jahre in seinem Buch "The Social Costs of Business Enterprise" auf die sozialen und ökologischen externen Kosten der Marktwirtschaft aufmerksam.
Foto: © www.voeoe.de
Der Soziologe Gerolf Hanke erhielt 2.500 Euro für seine an der Universität Freiburg geschriebene Magisterarbeit zum Thema "Regionalisierung als Abkehr vom Fortschrittsdenken?". Ausgangspunkt der Studie ist die sich abzeichnende Verknappung des Erdöls als billigem und leicht verfügbarem Treibstoff der bisherigen Industriemoderne ("Peak Oil"). Der Steigerungslogik dieser Moderne und ihrem Verständnis von "Fortschritt" sind durch Ressourcenverknappung und Klimawandel naturgegebene Grenzen gesetzt. Als Alternative bietet sich die Orientierung auf eine stärker regional ausgerichtete Wirtschafts- und Lebensform an.

Als deren Bausteine werden vom Autor Ernährungssouveränität, Energieautonomie, Währungsautonomie und die Selbstverwaltung von Allmendegütern skizziert. Die Arbeit zeigt auf, dass der Umbau zu einer Regionalökonomie weniger mit technischen als mit sozialen Innovationen einhergeht; und dass solche Regionalisierungsprozesse das Potenzial haben, die Steigerungslogik und Fortschrittsideologie der Moderne, die sich als nicht-zukunftsfähig erweist, zu überwinden. - Die Jury sieht in der Arbeit von Gerolf Hanke einen wichtigen Impuls dafür, die Regionalisierung der Wirtschaft mit ihren neuen Lebensstilen und Praxisformen stärker ins Zentrum der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte zu stellen.

Eine Zusammenfassung seiner Arbeit unter www.voeoe.de/wp-content/uploads/2012/09/Hanke-Summary_dt..pdf

Ebenfalls 2.500 Euro Preisgeld erhielt die Umweltwissenschaftlerin Anja Humburg für ihre an der Universität Lund, Schweden, eingereichte Masterarbeit "Post-Growth on the Move: The Environmental Movement as Agent of Change for the Transition to a Post-Growth Economy - Evidence from Germany". Ausgehend von den beiden Thesen, dass Postwachstum ein plausibler Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung ist und den sozialen Bewegungen bei der Umsetzung dieses neuen gesellschaftlichen Leitbildes eine Schlüsselfunktion zukommt, untersucht die Arbeit am Beispiel der Umweltbewegung in Deutschland, warum es dennoch bislang kaum gelungen ist, eine Postwachstumsökonomie auf die politische Agenda dieser Bewegung zu setzen. Die Autorin diagnostiziert ein "Dialogvakuum" zwischen Wissenschaft und sozialer Bewegung und macht konkrete Vorschläge, wie dieses in Zukunft überwunden werden könnte. -

Die Arbeit von Anja Humburg wurde mit dem Kapp-Forschungspreis ausgezeichnet, weil sie die wichtigsten Bedingungen herausgearbeitet hat, unter denen der erforderliche Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Umweltbewegung für eine Postwachstumsökonomie in Zukunft gelingen kann.

Eine Zusammenfassung ihrer Arbeit unter: www.voeoe.de/wp-content/uploads/2012/09/Humburg-Summary_dt.pdf

Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie wird im zweijährigen Turnus gemeinsam von der VÖÖ, der Kapp-Stiftung, der Hatzfeldt-Stiftung, der Selbach-Umwelt-Stiftung sowie der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis vergeben. Der Name des Preises erinnert an den bedeutenden Ökonomen Karl William Kapp (1910-1976), der bereits Anfang der 1950er-Jahre als einer der ersten Ökonomen die sozialen und ökologischen externen Kosten der Marktwirtschaft aufgezeigt und analysiert hat. Die Jury des Preises ist interdisziplinär besetzt und besteht aus Wissenschaftler/-innen der Ökonomie, Soziologie, Wissenschaftstheorie sowie der Natur- und Kulturwissenschaften.

Quelle:



     
        
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