Garten-PV - Grüner Strom aus eigenem Anbau.

Biosphärenreservate und ihr wirtschaftlicher Nutzen

Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Wo übernachten Sie? Wie viel Geld geben Sie hier aus? So mancher Tourist in der Rhön und im Vessertal in Thüringen hat diese Fragen schon gehört - von Studierenden der Universität Würzburg. Die jungen Leute arbeiten an einer Studie mit, die den regionalökonomischen Nutzen von Biosphärenreservaten ergründen will. Bald sollen Befragungen auch im Pfälzerwald, im Spreewald und auf der Insel Rügen laufen.

Abend über der Rhön
Foto: © Ernst Reisig / Pixelio.de
Biosphärenreservate besitzen nach Definition der UNESCO eine schützenswerte Landschaft, Flora und Fauna. Wirtschaftlich sollen sie mit nachhaltigen und schonenden Maßnahmen vorbildhaft entwickelt werden. Was bringen solche Schutzgebiete der jeweiligen Region? Diese Frage untersucht Geographie-Professor Hubert Job mit seinem Team von der Universität Würzburg.

Für die deutschen Nationalparks kennen die Geographen die Antwort schon. Im Bayerischen Wald zum Beispiel geben die jährlich 760.000 Gäste doppelt so viel Geld aus, wie der Staat in den Park investiert: Sie sorgen für einen Jahresumsatz von 27,8 Millionen Euro. Und im Nationalpark Sächsische Schweiz lassen die jährlich 1,7 Millionen Besucher so viel Geld, dass damit - rein rechnerisch - der Lebensunterhalt von 1.880 Personen gesichert ist.

Die ökonomischen Effekte, die ein Schutzgebiet für die umliegenden Regionen hat, erfassen die Würzburger Forscher mit einer standardisierten Methode. Sie haben sie selbst entwickelt und in den vergangenen Jahren bei mehreren Nationalpark-Studien eingesetzt. Seit August 2010 ist das Team von Hubert Job nun in den Biosphärenreservaten Rhön und Vessertal-Thüringer Wald aktiv.

Vessertal: Schutzgebiet soll erweitert werden

Das Biosphärenreservat Vessertal östlich der Stadt Suhl gibt es seit 1979. Nun soll es erweitert werden, aber in der Bevölkerung stößt dieser Plan nicht nur auf Gegenliebe: Unter anderem befürchten die Bürger finanzielle Einbußen, etwa durch Einschränkungen in der forst- und landwirtschaftlichen Nutzung.

Das Thüringer Umweltministerium hat darum einen moderierten Diskussionsprozess gestartet. In diesem Zusammenhang hat es Professor Job damit beauftragt, die regionalökonomischen Effekte des Reservats zu ermitteln. Die Geographen erarbeiten zudem ein Szenario, das die Effekte bei einer Ausweitung des Reservats beschreiben soll.

Bis Juni 2011 zählen und befragen Mitarbeiter und Studierende der Universität Würzburg die Besucher an verschiedenen Standorten im Vessertal. Wie viele Gäste kommen dorthin, wie viele extra wegen des Biosphärenreservats? Wie viele übernachten in der Region und wo? Wie viel Geld geben sie durchschnittlich am Tag aus? Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher Ende 2011.

Rhön: Wertschöpfung und Dachmarke

Touristen befragt Jobs Team auch in der Rhön, doch dort stehen noch andere Aspekte im Mittelpunkt: Die Geographen untersuchen eine Stichprobe von rund 230 Firmen daraufhin, wie stark diese vom Tourismus profitieren und wie die Wertschöpfungsquoten für die Region ausfallen. Beispiel: Woher bekommen Hotels und Pensionen ihre Frühstücksbrötchen und Backwaren? Von einem Betrieb aus der Region oder von weiter her? Sprich: Wie viel "Brötchengeld" bleibt in der Rhön, wie viel fließt in andere Regionen ab?

Zur Stärkung der Region hat sich in der Rhön eine Initiative gebildet. Eine ihrer Aktivitäten: Sie vergibt unter der Dachmarke "Die Rhön" verschiedene Qualitätslabels zur Vermarktung regionaler Produkte. Fördert diese Strategie eine höhere regionale Wertschöpfung? Auch das wollen die Geographen herausfinden. Ihr Projekt führen sie im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durch; Ergebnisse werden für Ende 2011 erwartet.

Pfälzerwald, Spreewald, Südost-Rügen, Schaalsee

Um die ökonomischen Effekte des Tourismus in den deutschen Biosphärenreservaten noch besser beurteilen zu können, hat sich das Team von Professor Job weitere Studienobjekte vorgenommen: Im März 2011 starten Befragungen im Pfälzerwald, im Mai kommen der Spreewald und Südost-Rügen dazu. Diese Untersuchungen laufen im Auftrag des Bundesumweltministeriums. Erste Resultate gibt es voraussichtlich im Herbst 2012.

Warum gerade diese Biosphärenreservate? "Wir haben vier Typen von Reservaten definiert und wollen jeweils einen davon genauer untersuchen", sagt Doktorand Felix Kraus. Die Reservat-Typen unterscheiden sich in ihrem Bekanntheitsgrad und in dem Ausmaß, in dem sie das Siegel "Biosphärenreservat" für Werbezwecke einsetzen.

Südost-Rügen zum Beispiel vertritt den Typ, der traditionell als Ferienregion sehr bekannt ist, viele Touristen anzieht und sich nicht besonders als Biosphärenreservat darstellt. Rhön und Pfälzerwald gelten als große, Spreewald und Vessertal als mittelgroße Regionen mit jeweils durchschnittlicher Orientierung am Status als Reservat. Als kleine Tourismusregion, die sehr stark mit dem Siegel "Biosphärenreservat" für sich wirbt, möchten die Geographen schließlich die Region Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern in ihre Studie einbeziehen.

Quelle:



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Megatrends

Erfolgreicher Kinostart von "The Odyssee" in USA
Der Philosoph und Mythologie-Experte Christoph Quarch analysiert, was uns der Anti-Held heute sagen kann
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Neue Hitzewelle: Intakte Natur schützt vor Hitze und Trockenheit

Earth Overshoot Day: Ab 30. Juli lebt die Weltbevölkerung auf Pump

„Fossile Konzerne machen Milliardenprofite während Menschen weltweit den Preis dafür zahlen".

Mit diesen 5 Besonderheiten wird die Tagung zum Event

Intakte Natur schützt Menschen in Baden-Württemberg

Vernichtungsverbot für Neuware

Auszeichnung der Deutschen UNESCO-Kommission für innovative Bildungsprojekte

Langjährige Partnerschaft für nachhaltige Schul-IT

  • ZamWirken e.V.
  • NOW Partners Foundation
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • SUSTAYNR GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • WWF Deutschland
  • 66 seconds for the future
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • TÜV SÜD Akademie
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG