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Magdalena Krewitt
Umwelt | Klima, 01.06.2026

Klimafinanzierung neu denken

Unternehmen als Wegbereiter für globalen Klimaschutz

Die Klimakrise trifft den Globalen Süden mit voller Wucht, doch ausgerechnet dort fehlt das Geld für Schutz und Anpassung. Während Dürren und Fluten Existenzen zerstören, hält eine wachsende Schuldenlast viele Länder davon ab, in ihre Zukunft zu investieren. Öffentliche Klimafinanzierung reicht nicht aus, kreditbasierte Hilfe verschärft oft die Abhängigkeit. In dieser Lücke entstehen eine neue Verantwortung und eine Chance für Unternehmen, dort wirksam zu werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

© SAHAS Sindhuli, Brot für die WeltSeit der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 gilt das Ziel, ab 2020 weltweit jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und Anpassung in Ländern des Globalen Südens zu mobilisieren. Die deutsche Regierung hat zugesagt, zum internationalen Ziel beizutragen und dafür die eigenen Mittel schrittweise auf rund sechs Milliarden Euro jährlich zu erhöhen. Dieses Ziel hat Deutschland 2022 erstmals erreicht und sich für die Zeit nach 2025 zu einem neuen globalen Finanzierungsziel von mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2035 bekannt.

Das vereinbarte Ziel liegt jedoch weit unter dem tatsächlichen Bedarf. Gleichzeitig wird der Großteil der Mittel in Form von Krediten mit Zins und Rückzahlungsverpflichtungen vergeben, was einerseits die ohnehin prekäre Schuldenlage vieler Länder des Globalen Südens weiter verschärft und andererseits den Geberländern zusätzliche Profite sichert. Zudem hat der Bundestag im September 2025 Kürzungen in der Entwicklungsfinanzierung beschlossen, die auch die internationalen Klimahilfen betreffen, wodurch das deutsche Klimafinanzierungsziel deutlich unterschritten wird.
 
Unternehmen sind zunehmend gefragt, diese Lücke zu schließen, da sie eine Mitverantwortung am Klimawandel haben, gleichzeitig aber auch entscheidende Akteure bei der Lösung des Problems sind. Wie kann also unternehmerisches über reine Emissionskompensation hinausgehen?

Klimagerechtigkeit als Maßstab für Verantwortung
Historisch betrachtet tragen die Länder des Globalen Nordens den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen, während die Länder des Globalen Südens besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden. Klimagerechtigkeit bedeutet, diese Ungleichheit anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen. Dies geschieht nicht nur durch Emissionsreduktion im eigenen Land, sondern auch durch die Unterstützung von Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen dort, wo die Mittel fehlen. Freiwillige Beiträge können ein Ausdruck dieser Verantwortung sein und dazu beitragen, globale Ungleichheiten zu verringern.

Contribution Claim: unternehmerischer Klimaschutz außerhalb der Wertschöpfungskette
Das klassische Offsetting-Modell, also der Kauf von CO2-Zertifikaten zur Kompensation unvermeidbarer Emissionen, steht immer wieder in der Kritik. Greenwashing-Vorwürfe, rechtliche Unsicherheiten und neue EU-Richtlinien wie die kommende Green-Claims- und die EmpCO-Richtlinie (Directive on Empowering Consumers for the Green Transition) schränken die Nutzung des Begriffs „klimaneutral" und anderer Claims erheblich ein.

Das Contribution Claim-Modell eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, hochwertige Projekte im Globalen Süden finanziell zu unterstützen, ohne die erzielten Emissionsreduktionen auf ihre eigene Bilanz zu übertragen. Damit wird der Herausforderung der Doppelzählung von Emissionsgutschriften begegnet und ein glaubwürdiger Beitrag zum globalen Klimaschutz geleistet.
 
„Projekte müssen langfristige Klimawirkungen sicherstellen und Strategien zur Minimierung von Risiken implementieren.”

Das Modell setzt auf drei zentrale Säulen:
  • Ambitionierte Reduktion eigener Emissionen – Erstellung einer THG-Bilanz basierend auf Scope 1, 2 und 3 nach GHG-Protocol und Festlegung messbarer und wissenschaftlich fundierter Reduktionsziele z.B. nach Science Based Targets.
  • Interne CO2-Bepreisung – zur Ermittlung eines Budgets für externe Klimaschutzmaßnahmen.
  • Finanzierung von Projekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette – etwa durch Ankauf und Stilllegung von CO2-Zertifikaten, Unterstützung von Klimafonds oder Direktfinanzierung eigener Projekte im Globalen Süden.
Qualitätsanforderungen an Klimaschutzprojekte im Contribution Claim-Modell
Damit ein Contribution Claim glaubwürdig und wirkungsvoll ist, müssen die unterstützten Klimaschutzprojekte strenge Qualitätsanforderungen erfüllen. Insbesondere beim Ankauf und der Stilllegung von CO2-Zertifikaten dürfen nur solche Projekte gefördert werden, die nachweislich zusätzliche, dauerhaft wirksame und überprüfbare Emissionsminderungen erzielen. Voraussetzung dafür ist eine Zertifizierung nach anerkannten hochwertigen Standards wie dem Gold Standard oder dem zukünftigen Artikel 6.4 Mechanismus des Pariser Abkommens, die strenge Regeln zu Methodik, Monitoring und nachhaltiger Entwicklung vorgeben.

Ebenso wichtig ist die Permanenz der Emissionsminderungen: Projekte müssen langfristige Klimawirkungen sicherstellen und Strategien zur Minimierung von Risiken wie Reversibilität (z.B. durch Waldbrände oder Landnutzungsänderungen) oder Leckage implementieren. Zudem muss das Risiko jeglicher Doppelzählung ausgeschlossen werden, was bedeutet, dass die erzielten Emissionsreduktionen weder von der unterstützenden Organisation noch anderweitig international zur Zielerfüllung angerechnet werden dürfen.
 
Stattdessen sollen sie vollständig dem nationalen Klimabeitrag (NDC) des Gastlandes zugutekommen. Zusätzlich müssen die Projekte konkrete Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung leisten, etwa ökologische Verbesserungen, soziale und ökonomische Vorteile für lokale Gemeinschaften oder messbare Beiträge zu den Sustainable Development Goals (SDGs). Die tatsächliche Klimawirkung und die Entwicklungsbeiträge müssen durch unabhängige Prüfer validiert werden.

Durch diese hohen Anforderungen gewinnt der Contribution Claim an Transparenz, Integrität und Wirksamkeit und stellt eine echte Alternative zum klassischen Offsetting dar. In diesem Prozess fungiert unter anderem die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima als zentrale Ansprechpartnerin, die Akteur:innen bei der Qualitätssicherung unterstützt und die Einhaltung ambitionierter Standards fördert.

SAHAS Foundation: saubere Energie und nachhaltige Entwicklung in Nepal
Ein besonders wirkungsvolles Beispiel für hochwertige Klimaschutzprojekte im Globalen Süden ist ein Programm der SAHAS Foundation in Nepal. Das nach Gold Standard zertifizierte Projekt fördert saubere Energietechnologien und erzielte 2025 rund 61.947 Tonnen CO2-Einsparungen durch effiziente Kochherde und Lösungen für sauberes Trinkwasser. In besonders vom Klimawandel betroffenen Distrikten wie Udayapur, Makwanpur und Sindhuli unterstützt die Organisation Haushalte, die bisher auf Brennholz und unsichere Wasserquellen angewiesen waren. Mehr als 13.000 Familien profitieren von geringeren Brennholzkosten, besserer Luftqualität und sauberem Trinkwasser.

2025 wurden mehrere hundert Geräte verteilt, Wasserqualitätsanalysen durchgeführt und lokale Partnerschaften gestärkt. Die Wirkung ist deutlich: 100 Prozent der Haushalte berichten von besserer Innenraumluft, 99 Prozent von weniger wasserbedingten Krankheiten, zugleich entstanden neue lokale Arbeitsplätze, viele davon für Frauen. Das Projekt zeigt, wie Contribution Claim-Projekte Klimaschutz, Gesundheit und Entwicklung verbinden und eine sinnvolle Ergänzung zur staatlichen Klimafinanzierung sein können.

Klimafinanzierung als gemeinsame Verantwortung
Die globale Klimakrise stellt uns vor Herausforderungen, die weder allein durch staatliche Mittel noch durch individuelle Emissionsreduktion zu bewältigen sind. Klimafinanzierung ist eine gemeinsame Aufgabe und braucht das Zusammenspiel von öffentlichen Institutionen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen. Damit Unternehmen ihre Verantwortung im globalen Klimaschutz wahrnehmen können, sind starke Partner notwendig, die Qualität sichern, Transparenz fördern und Orientierung in einem komplexen Umfeld bieten.
 
Weiterführende Infos

Wichtige Akteure

Zentrale Akteure der Klimafinanzierung und Projektentwicklung
  • Adaptation Fund: spezialisiert auf konkrete Anpassungsmaßnahmen für besonders verletzliche Länder
  • Allianz für Entwicklung und Klima: deutsches Bündnis von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur Finanzierung hochwertiger Klimaprojekte
  • Atmosfair: fördert Energie- und Effizienzprojekte mit hohem Nutzen für lokale Gemeinschaften.
  • Bezos Earth Fund: philanthropischer Milliardenfonds für Klima-, Natur- und Transformationsprojekte weltweit
  • ClimateWorks Foundation: große Klimastiftung mit Fokus auf systemische Transformation von Politik, Industrie und Finanzmärkten
  • Global Environment Facility (GEF): multilateraler Umweltfonds für Klima, Biodiversität und nachhaltige Landnutzung
  • Gold Standard Foundation: setzt weltweit die Qualitätsmaßstäbe für Klimaschutz- und Entwicklungsprojekte.
  • Green Climate Fund (GCF): UN-Klimafonds für großskalige Klima- und Anpassungsprojekte im Globalen Süden
  • Klima-Kollekte: kirchlich getragene Klimaschutzorganisation, die hochwertige Projekte mit sozialer Wirkung im Globalen Süden finanziert und das Contribution Claim-Modell praktisch umsetzt.
  • Myclimate: internationale Klimaschutzstiftung für Emissionsreduktion und wirkungsorientierte Projektfinanzierung

Zahlen und Fakten zur internationalen Klimafinanzierung:

  • 100 Mrd. US-Dollar jährlich: Ziel seit 2020
  • 300 Mrd. US-Dollar jährlich bis 2035: neues globales Ziel ab 2025
  • Deutschland: erstmals 6 Mrd. Euro 2022 erreicht > 50 Prozent der deutschen Mittel fließen in Anpassungsmaßnahmen.
  • Großteil der internationalen Mittel wird als Kredit vergeben, oft mit Rückzahlungsverpflichtungen.
  • Finanzierungslücke: mehrere hundert Milliarden bis Billionen US-Dollar jährlich
Magdalena Krewitt ist bei der Klima-Kollekte zuständig für Emissionsbilanzierung und Kohlestoffmärkte und begleitet Klimaschutzprojekte konzeptionell. Die Klima-Kollekte verbindet Klimaschutz mit nachhaltiger Entwicklung und fördert Projekte, die ökologisch und sozial wirksam sind.

Katharina Bredigkeit ist bei der Klima-Kollekte Ansprechpartnerin für Partnerschaften, Wissenstransfer sowie Kommunikations- und Veranstaltungsformate.

Dieser Artikel ist in forum 03/2026 - Frau Reiche – es reicht! erschienen.



     
        
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