Transformation as a Service. Engegie | KI | Cyber | ESG - aus einer Hand | Zum Festpreis.
Umwelt | Klima, 13.07.2026

Klimafinanzierung: Zwei Drittel sind schöngerechnet

Geberländer wie Deutschland blähen ihre Klima-Hilfen auf dem Papier auf, ärmere Länder müssen sich weiter verschulden

Neue Berechnungen von Oxfam zeigen, dass die tatsächliche geleistete Unterstützung der reichen Industrieländer für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in einkommensschwachen Ländern 2024 weit unter dem lag, was die gerade offiziell berichteten Zahlen suggerieren. Tatsächlich entspricht sie nur einem Drittel (32,6 Prozent) der von den Geberländern ausgewiesenen Klimafinanzierung.

© Markus Spiske, unsplash.comIm Juni hatten die Geberländer für 2024 Klima-Hilfen für einkommensschwache Länder in Höhe von 136,7 Milliarden US-Dollar, davon 106,2 Milliarden US-Dollar über öffentliche Mittel, gemeldet. Auf den ersten Blick liegt das über den versprochenen jährlich mindestens 100 Milliarden US-Dollar. Die tatsächlich erbrachte Unterstützung war jedoch viel niedriger: Nach Abzug überhöhter Anrechnungen und unter Berücksichtigung der Konditionen von Klima-Krediten betrug die tatsächliche Unterstützungsleistung lediglich zwischen rund 33 und 45 Milliarden US-Dollar. Auch für Deutschland beträgt die tatsächliche Unterstützungsleistung nur rund die Hälfte der offiziell berichteten 9,5 Milliarden Euro.

Dass die tatsächliche Unterstützung so deutlich unter den offiziellen Zahlen liegt, hängt an dem hohen Anteil von Krediten. Weltweit waren 2024 zwei Drittel (rund 65 Prozent) der öffentlichen Mittel für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in einkommensschwachen Ländern in Form von Krediten gestaltet. Oft profitieren Geberländer davon finanziell, während die Schuldenlast der ärmeren Länder wächst. Dabei haben jene am wenigsten zur Klimakrise beigetragen und sind bereits jetzt massiv von ihren Folgen betroffen. Echte Unterstützung bieten vor allem Zuschüsse und stark vergünstigte Darlehen.

Finanzierungslücke wird verschleiert
Jan Kowalzig, Referent für Klimapolitik bei Oxfam, sagt: „Reiche Länder rechnen ihre Klimafinanzierung systematisch schön. Die Diskrepanz zwischen den ausgewiesenen Beträgen und der tatsächlich geleisteten Unterstützung verschleiert, wie groß die Finanzierungslücke wirklich ist. Gleichzeitig kürzen Geber bei der Entwicklungszusammenarbeit drastisch und entziehen sich damit ihrer Verantwortung für die Bewältigung der globalen Klimakrise.”

Kowalzig weiter: „Die Länder des Globalen Südens tragen die Hauptlast von Dürren, Überschwemmungen und anderen Klimakatastrophen. Während Geberländer ihre Finanzierungszusagen auf dem Papier aufblähen und gleichzeitig die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zusammenstreichen, müssen ärmere Länder nicht nur die Folgen der Klimakrise bewältigen, sondern oftmals auch noch Schulden aufnehmen.”

Reiche Länder müssen mehr Unterstützung leisten
Die Klimakrise kann nur durch internationale Zusammenarbeit angegangen werden. Oxfam fordert, dass Länder mit hoher Verantwortung für Treibhausgase und hoher Finanz- und Wirtschaftskraft deutlich mehr Unterstützung für einkommensschwache Länder leisten müssen, vor allem in Form von Zuschüssen. Dies entspricht den etablierten Gerechtigkeitsprinzipien des Pariser Abkommens. „Die unklugen Kürzungen der Bundesregierung bei der Entwicklungszusammenarbeit stehen dazu in krassem Widerspruch", so Kowalzig.
 
Redaktionelle Hinweise
  • Die methodischen Erläuterungen und die Ergebnisse unserer Abschätzung finden Sie hier. Die zentralen Ergebnisse sind in Abbildung 1 zusammengefasst, die detaillierten Zahlen finden sich in den Tabellen A1 bis A4. Die Berechnungen wurden ausgeführt von INKA Consult mit Unterstützung durch Steve Cutts unter Verwendung der OECD-Datensätze zur klimarelevanten Entwicklungszusammenarbeit für die Jahre 2023 und 2024. Um die tatsächlich erbrachte Unterstützungsleistung zu ermitteln, wurden Zuschussäquivalente klimabezogener Kredite und anderer Instrumente berechnet und eine Abschätzung der Klimarelevanz der bereitgestellten Mittel vorgenommen.

  • Auch für Deutschland ist die Diskrepanz zwischen offiziell berichteten Zahlen und der tatsächlichen Unterstützungsleistung Deutschlands erheblich: Für 2024 berichtet die Bundesregierung insgesamt 11,8 Milliarden Euro an Klimafinanzierung, davon rund 9,5 Milliarden Euro an bilateralen Mitteln. Nach unserer Abschätzung betrug die tatsächliche Unterstützungsleistung der bilateralen Mittel 2024 aber lediglich 2,8-4,7 Milliarden Euro (3,0-5,1 Milliarden US-Dollar, vgl. Tabelle A4 der methodischen Erläuterungen).

  • Laut OECD geben die reichen Länder an, im Jahr 2024 136,7 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierungen für Länder des Globalen Südens mobilisiert zu haben. 106,2 Milliarden US-Dollar des gemeldeten Betrags wurden als öffentliche Finanzmittel bereitgestellt. 64,5 Prozent der öffentlichen Finanzmittel wurden im Jahr 2024 in Form von Darlehen bereitgestellt. Weitere Details hier.
Über Oxfam Deutschland e.V. 
Als internationale gemeinnützige Organisation setzt sich Oxfam gemeinsam mit Menschen in aller Welt gegen Armut, Unterdrückung und soziale Ungleichheit ein. Seite an Seite mit fast 2.250 lokalen Partnerorganisationen in 77 Ländern arbeiten wir für eine gerechte und nachhaltige Welt. 

Kontakt: Oxfam Deutschland e.V., Lena Enders | lenders@oxfam.de | www.oxfam.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
23
SEP
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Berlin
Alle Veranstaltungen...
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Hinaus in die Wildnis!
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Bio & Regional: Mehr Nachhaltigkeit in Kantinen und Mensen

ÖKOWORLD GLOBAL TRANSITION erhält FNG-Siegel Transition mit Höchstbewertung von drei Sternen

Gebr. Heinemann schafft mit Hilfe von ClimatePartner belastbare Emissionsdaten in der Lieferkette

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen

Klimaschutz und wirtschaftliche Perspektiven für eine vielfältige resiliente Landwirtschaft

Hitzegipfel jetzt!

Welche Speichergröße benötigt eine Balkon-Solaranlage?

Tabak als Agrarrohstoff

B.A.U.M. Insights
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • TÜV SÜD Akademie
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • ZamWirken e.V.
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Engagement Global gGmbH
  • WWF Deutschland
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • SUSTAYNR GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • 66 seconds for the future