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Umwelt | Klima, 09.06.2026

Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe

Fast eine Million Bäume aus deutschen Städten verschwunden

  • DUH deckt auf: Städte verlieren massiv Bäume und Grünflächen, Versiegelung schreitet voran, Hitzebetroffenheit der Menschen sogar gestiegen
  • Hitze-Hotspots sind Offenburg und Mannheim, Positivbeispiele sind Kiel und Wuppertal
  • DUH fordert von Bauministerin Hubertz und Gesundheitsministerin Warken sofort wirksamen Hitzeschutz-Masterplan mit verbindlichen Standards für Stadtgrün
© Sam ruder, unsplash.comIn fast allen deutschen Städten finden Bürgerinnen und Bürger immer weniger Schutz vor den Folgen der Klimakrise. Das zeigt der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf den Baum- und Grünflächenbestand sowie die Entwicklung in den Städten legt. Mehr als 900.000 Bäume sind demnach zwischen 2018 und 2025 aus den untersuchten 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verschwunden. In der Gesamtauswertung schneiden die Städte Offenburg, Lahr und Mannheim besonders schlecht ab. Positiv stechen Kiel und Wuppertal hervor.

Im Unterschied zum Vorjahr hat die DUH nicht nur die Hitzebetroffenheit der Menschen untersucht, sondern erstmals auch die Baumüberschirmung (Grad der Bodenbedeckung mit Vegetation von mehr als 2,5 Metern Höhe) sowie den prozentualen Zuwachs der Flächenversiegelung in den vergangenen sieben Jahren. Nur sieben Städte erreichen den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Da in allen untersuchten Städten neue Flächen versiegelt wurden, konnte die DUH beim Versiegelungstrend keine einzige grüne Karte verteilen. Beim Hitzebetroffenheitsindex, der sich aus den Indikatoren Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte zusammensetzt, verschlechtert sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr sogar: Obwohl insgesamt fünf Städte mehr untersucht wurden als noch 2025, ist die Zahl der grünen Karten von 28 auf 21 gesunken.

Die DUH sieht in den Ergebnissen einen Weckruf insbesondere für Bauministerin Verena Hubertz und Gesundheitsministerin Nina Warken, wirksame Hitzeschutzmaßnahmen in den Städten durchzusetzen. Dazu gehört die Umsetzung der 3-30-300 Regel: Bürgerinnen und Bürger sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbeschirmung leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Während wir in diesem Jahr bereits im Mai die ersten extremen Hitzetage erlebt haben, schaut die Bundesregierung dieser Entwicklung tatenlos zu. Wir machen den Hitze-Check inzwischen zum dritten Mal, weil wir Politikerinnen und Politiker wachrütteln müssen. Die Bauministerin treibt mit ihrer Politik des Neubau-Wahns die Flächenversiegelung massiv voran. Besonders alarmierend ist, dass in den untersuchten Städten in den vergangenen sieben Jahren nahezu eine Million Bäume verschwunden sind. Diese Tatsache lässt sich nicht schnell wieder umkehren, denn Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten. Bäume sind unsere grünen Lungen. Wir fordern von der Bauministerin verbindliche Vorgaben für die Entsiegelung, mehr Stadtgrün und damit mehr Schatten – bei jeder Sanierung, jedem Straßenumbau und jedem Bauprojekt. Es ist erschreckend, mit welcher Ignoranz gegenüber der Realität von Hitzetoten, überhitzten Innenstädten und gesundheitlichen Risiken noch immer Politik gemacht wird. Das muss sich sofort ändern."

Annett Frick, Bereichsleitung Fernerkundung bei der LUP – Luftbild Umwelt Planung GmbH: „Dank hochaufgelöster Satellitendaten können wir den Baumbestand in Städten flächendeckend abschätzen. Der daraus berechnete Beschirmungsgrad liefert wichtige Rückschlüsse, wie das Wohnumfeld der Menschen durch Baumkronen verschattet wird. Diese Informationen zeigen, wo Bäume bereits wirksam zur Kühlung und zum thermischen Komfort beitragen und wo besonders hitzebelastete Bereiche noch zu wenig beschattet sind. Durch die wiederholte Auswertung über die Zeit lässt sich zudem nachvollziehen, wie sich das städtische Grün entwickelt und welchen Beitrag es zur Wärmeentlastung der Bevölkerung leistet. Damit erhalten Städte und Gemeinden eine wichtige Datengrundlage und Unterstützung, um Defizite und besonders betroffene Stadtteile zu identifizieren."

Unter dem Motto „Bäume retten Leben" startet die DUH eine Petition für den Erhalt schattenspendender Bäume unter www.mitmachen.duh.de/stadtgruen. Außerdem ruft die DUH Bürgerinnen und Bürger auf, deutschlandweit fällungsbedrohte Bäume zu melden und nach dem Beispiel des Berliner Baumentscheids aktiv zu werden für mehr Grün in ihren Städten.

Heinrich Strößenreuther, Gründer und Vorstand BaumEntscheid e.V.: „Der Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe macht sichtbar, was wir in Berlin täglich erleben: Der grüne Hitzeschutz durch Bäume schwindet, Städte ohne ausreichend Baumschatten werden ungesunde bis unerträgliche Städte. In Berlin haben wir mit unserem erfolgreichen Volksentscheid bewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger das ändern können: Parteiübergreifend und einstimmig wurde unser Gesetz beschlossen – das erste per Volksentscheid erkämpfte Klimaanpassungsgesetz Deutschlands, das die 3-30-300-Regel gesetzlich umsetzt und für eine Million Straßenbäume und 4.000 Miniparks sorgt. Jetzt wollen wir in weiteren deutschen Städten BaumEntscheide starten: Wir rufen die Menschen auf, sich mit ihrer Stadt zu bewerben und vor Ort einen Bürgerentscheid für mehr Bäume, mehr Schatten und mehr Lebensqualität zu starten."

Hintergrund:
Für den diesjährigen Hitze-Check hat die DUH aus den neuen Indikatoren Baumüberschirmung und Versiegelungstrend sowie dem bereits im Vorjahr eingeführten Hitzebetroffenheitsindex eine Gesamtwertung gebildet. Durch die Hochrechnung des Beschirmungsgrades anhand einer durchschnittlichen Baumkronengröße konnte die absolute Zahl an Bäumen berechnet werden, die zwischen 2018 und 2025 verloren gegangen ist.

Die DUH entwickelt den Hitze-Check jährlich weiter. Beim ersten Hitze-Check 2024 wurden die Versiegelung und das Grünflächenvolumen betrachtet. Im zweiten Hitze-Check stand der Hitzebetroffenheitsindex im Mittelpunkt. Für dessen Berechnung werden bewohnte Flächen einer Stadt in 100 Quadratmeter große Raster unterteilt und anhand von vier Indikatoren ausgewertet: Neben der Versiegelung und dem Grünflächenvolumen sind hierfür die Oberflächentemperatur und die Bevölkerungsdichte hinzugekommen.

Links:

Kontakt: DUH, Barbara Metz | metz@duh.de | www.duh.e



     
        
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