Wirtschaft | Recht & Normen, 09.06.2026
Die Macht der Allianzen – und weitere CPR-Erfolgsfaktoren
Nachbericht zum CPR-Forum 2026, das am 5. Juni in Berlin-Grunewald stattgefunden hat
Am Freitag den 5. Juni fand unser drittes CPR-Forum in der Europäischen Akademie Berlin statt. Gemeinsam mit 55 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten wir über „Die Macht der Allianzen – und weitere CPR-Erfolgsfaktoren".

Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr ein Begriff aus der Sicherheitspolitik: die Allianz. Warum gehen Staaten Bündnisse ein – und was können Unternehmen daraus lernen? Die Antwort, die sich durch den Tag zog: Allianzen entwickeln eine Eigendynamik. Sie bündeln Stärken und schützen den Einzelnen. Genau das macht sie auch für die Wirtschaft wertvoll, denn wer sich zusammenschließt, senkt das Risiko, als einzelnes Unternehmen politisch unter Druck zu geraten. Gemeinsam und zielgerichtet für gesellschaftspolitische Anliegen einzutreten ist allerdings alles andere als trivial: Die Organisation von Macht verlangt professionelle Koordination.
Wie nötig diese Koordination ist, zeigt der Blick in die USA. Dort werfen sich viele CEOs, die sonst gern von Leadership, Haltung und Werten sprechen, in vorauseilendem Gehorsam vor Trump in den Staub – selbst in der ältesten Demokratie der Welt gelingt es Führungskräften nicht, gemeinsam Widerstand zu leisten. Dahinter steht ein nüchterner Befund: Stabile demokratische Verhältnisse sind die Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften. Politisches Engagement ist deshalb kein Akt der Wohltätigkeit, sondern ein Business Case – einer, der demokratische Resilienz und den Wirtschaftsraum Europa zugleich stärkt. Im Panel wurde davor gewarnt, das Problem der ansteigenden Befürworter der AfD allein im Osten zu verorten und davor, sich von materiellem Wohlstand täuschen zu lassen: Auch wer gut situiert ist, kann sich abgehängt fühlen.
Damit Haltung wirkt, muss Handeln folgen. Engagement gehört auf die Führungsebene („tone from the top" / CEO Activism) ebenso wie in die Belegschaft („employee activism") und sollte die passenden Bereiche mobilisieren – von Strategie und Kommunikation über Public Affairs bis zu Aufsichts- und Betriebsrat. Dabei liegt eine unterschätzte Stärke der Unternehmen: In einer Zeit schwindenden Institutionenvertrauens gehören sie zu den wenigen Orten, denen Menschen noch vertrauen – und an denen ganz unterschiedliche Hintergründe tatsächlich aufeinandertreffen. Genau hier können Unternehmen Menschen ins Gespräch bringen, die sonst kaum in den Diskurs miteinander treten. So wird das Unternehmen zum Ort des Lernens, denn die beste Art des Lernens ist der Perspektivwechsel, wie einer der Panelteilnehmer unterstrich. Kommunikatoren, hieß es in einer der produktiven Kontroversen des Tages, sind dabei längst politisch und müssen dies angesichts der aktuellen Position auch zunehmend sein.
Was das praktisch bedeutet, machte das zweite Panel deutlich. Ein erster Schritt ist getan: Aufrufe und Kampagnen zu Europa- und Bundestagswahl, ganzseitige Anzeigen mit Logowänden. So begrüßenswert diese „Form der Allianzen" ist – sie bleibt zu oberflächlich und zu kurzfristig. Dauerhaft ergibt es keinen Sinn, dass Unternehmen sich hinter fremden Logos verstecken. Es braucht einen zweiten Schritt: die Verstetigung des Engagements, von der Haltung zur Handlung. In einem „Political Branding"-Prozess entwickeln Unternehmen ein politisches Leitbild, das zu ihren Stärken und Ressourcen passt, und füllen es dauerhaft mit belastbaren Formaten – Demokratie- und Debatten-Workshops, politischer Bildung, öffentlichen Statements, Beiträgen zur Daseinsvorsorge. Entscheidend ist, der Ankündigung Taten folgen zu lassen: „walk the talk".
Den Abschluss bildete – dem Geist des Hauses entsprechend – die europäische Dimension. Wie lassen sich europäische Politik und die Interessen der Unternehmen zusammendenken? Gerade multilaterale Zusammenarbeit hält Bündnisse wie die NATO zusammen; Europa muss sich auf Augenhöhe behaupten, „ohne weitere Brücken einzureißen". Die eigentliche Kunst liegt darin, Werte zu zeigen, „ohne jemanden in die Ecke zu drängen". Für die demokratische Selbstbehauptung Europas – unser „Schicksalsprojekt" – braucht es Unternehmen, die CPR nicht nur verstehen, sondern täglich leben.
Der Tag war wieder ein echter Mutmacher: ernsthafte und leidenschaftliche Beiträge, getragen von einem durchweg konstruktiven Geist. Die zentralen CPR-Erfolgsfaktoren haben wir in einer Folie zusammengefasst. Eines wurde besonders deutlich: Die Demokratie verteidigt sich nicht von selbst – und Unternehmen gehören zu ihren am meisten unterschätzten Verbündeten. Es ist Zeit, dass sie diese Rolle annehmen.
Unser herzlicher Dank gilt allen Panelisten und Teilnehmern für ihre klugen Beiträge, der Europäischen Akademie Berlin für ihre Gastfreundschaft sowie den Sponsoren Deloitte und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung für ihre Unterstützung!
Kontakt: BOHNEN Public Affairs, Dr. Johannes Bohnen | jb@bohnen-pa.com | www.bohnen-pa.com
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