Wirtschaft | CSR & Strategie, 24.11.2025
Stimmungsbarometer Nachhaltigkeit
Nachhaltige geschäftliche Mobilität bleibt strategisches Thema – auch für kleinere Unternehmen
Nachhaltigkeit gewinnt weiter an Bedeutung – über die Hälfte erwartet steigende Relevanz im Travel Management. Ambitionierte Ziele, knappe Ressourcen – viele Unternehmen weiten Maßnahmen aus, doch Mittel bleiben oft unverändert. CO2-Bilanzierung etabliert sich – Transparenz wird zum Standard, besonders bei großen Unternehmen. Einkauf im Wandel – Nachhaltigkeitskriterien sind bereits bei fast der Hälfte fest verankert.
Die Ergebnisse der Umfrage ‚Stimmungsbarometer Nachhaltigkeit‘ (18. September bis 3. Oktober 2025) – eine indikative Erhebung unter VDR-Mitgliedsunternehmen – zeigen: Nachhaltigkeit in der geschäftlichen Mobilität ist längst kein reines Good-Will-Projekt mehr. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Wettbewerbs- und Zukunftsfaktor – nicht nur für Großunternehmen, sondern auch für kleinere Betriebe im VDR-Netzwerk. Trotz der angekündigten Entlastungen durch das EU-Omnibus-Paket, das CSRD-Berichtspflichten lockert, bleibt der Transformationsdruck hoch. Für viele Mitgliedsunternehmen ist Nachhaltigkeit heute strategische Chance und Qualitätsmerkmal zugleich.
Wachsende Relevanz nachhaltiger Mobilität – Ressourcen bleiben knapp
Besonders bemerkenswert ist die Erwartungshaltung hinsichtlich der zukünftigen Bedeutung nachhaltiger Mobilität: Über die Hälfte der befragten Unternehmen – konkret 56 Prozent – geht davon aus, dass Nachhaltigkeit im Travel Management in den kommenden Jahren weiter an Relevanz gewinnen wird. Lediglich 9 Prozent rechnen mit einem Bedeutungsverlust, während 33 Prozent keine Veränderung erwarten. Diese klare Mehrheit signalisiert: Wer nachhaltige Reiseprozesse nicht zügig in die Kernstrategie integriert, riskiert, bei Ausschreibungen, der Mitarbeitersuche und in Lieferketten den Anschluss zu verlieren. Nachhaltigkeit entwickelt sich so zur Währung für Innovationskraft und Marktpositionierung.
Auch bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Mehr als die Hälfte der Unternehmen gibt an, dass ihre Nachhaltigkeitsziele zugenommen haben (53 Prozent), und ebenso viele berichten von mehr Aktivitäten in diesem Bereich (58 Prozent). Gleichzeitig bleibt die Situation bei Budget und Personal schwierig: Fast jedes zweite Unternehmen sagt, dass die verfügbaren Mittel gleich geblieben sind, und nur knapp ein Viertel verfügt über mehr Ressourcen.
Diese Lücke zwischen ehrgeizigen Zielen und begrenzten Mitteln zeigt, dass viele Unternehmen ihre Strukturen noch nicht vollständig auf den Wandel vorbereitet haben. Ohne gezielte Investitionen – etwa in digitale Werkzeuge zur Erfassung von CO2-Emissionen, in nachhaltige Buchungssysteme oder in die Schulung der Mitarbeitenden im Travel Management – besteht die Gefahr, dass Nachhaltigkeitsziele nur Absichtserklärungen bleiben und keine echte Wirkung entfalten.
Emissionserhebung wird zum Standard
Beim Thema CO2-Bilanzierung zeigt sich deutlich: Viele Unternehmen machen ihre Reiseemissionen inzwischen transparent – das wird immer mehr zum Standard.
72 Prozent der befragten Firmen erfassen und berichten bereits heute, wie viele Emissionen durch Geschäftsreisen entstehen. Weitere 15 Prozent planen dies. Nur rund 13 Prozent wollen auch künftig gar keine Daten dazu erheben. Vor allem große Unternehmen mit mehr als 1.500 Mitarbeitenden gehen hier voran. Viele von ihnen müssen durch gesetzliche Vorgaben wie die CSRD ohnehin ihre Umweltauswirkungen dokumentieren. Auch internationale Zahlen zeigen den gleichen Trend: Die GBTA Foundation berichtet, dass 64 Prozent der Unternehmen weltweit ihre Reiseemissionen erfassen.
Nachhaltigkeit wird im Einkauf immer wichtiger
Auch im Einkauf gewinnt Nachhaltigkeit an Relevanz. 48 Prozent der Unternehmen berücksichtigen Umwelt- und Sozialkriterien bereits fest in ihren Einkaufsentscheidungen, weitere 21 Prozent planen dies. Rund ein Drittel tut das bisher nicht. Wie schon bei der Emissionserhebung sind große Unternehmen auch hier Vorreiter.
Die Ergebnisse machen außerdem deutlich, dass Unternehmen – egal ob groß oder klein – über ihre Lieferketten stark miteinander verbunden sind. Wenn große Unternehmen höhere Nachhaltigkeitsstandards einführen, wirkt das oft wie ein Anstoß für kleinere Betriebe: Sie passen ihre Prozesse an, weil dies im Einkauf verlangt wird oder weil gemeinsame Berichtswege eingeführt werden. So entsteht ein Netzwerk, in dem Nachhaltigkeit über Unternehmensgrenzen hinweg gestärkt wird.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Die Ergebnisse zeigen, dass sich für Unternehmen ganz praktische Chancen und Aufgaben ergeben:
- Nachhaltigkeit wird zum echten Vorteil – sie hilft, sich im Markt positiv abzuheben.
- Ziele und Ressourcen passen oft nicht zusammen – Investitionen in einfache Tools, Schulungen oder nachhaltige Buchungssysteme können helfen.
- Nachhaltige Strukturen zahlen sich langfristig aus – wer früh beginnt, schafft effizientere Abläufe, spart Kosten und wird attraktiver für Partner und KundInnen.
Fazit: Nachhaltigkeit als Zukunftsfaktor für Unternehmen jeder Größe
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Nachhaltigkeit ist längst kein Randthema mehr, sondern ein wichtiger Erfolgsfaktor für alle Unternehmen – vom kleinen Betrieb bis zum großen Konzern. Auch wenn kleinere Firmen nicht mehr denselben Berichtspflichten unterliegen wie große, bleibt das Thema für sie relevant.
Der Grund: Große Geschäftspartner erwarten zunehmend mehr Transparenz und nachhaltige Standards, und auch innerhalb von Lieferketten gewinnen umweltbewusste Entscheidungen an Bedeutung. Gleichzeitig werden Daten zu Emissionen immer wichtiger, etwa um Reisekosten, Umweltwirkungen oder Effizienz besser beurteilen zu können.
Kurz gesagt: Nachhaltige Mobilität und verantwortungsbewusstes Handeln entwickeln sich zu einem festen Bestandteil moderner Unternehmensführung. Wer sich frühzeitig darauf einstellt, schafft Vorteile – für die eigene Wettbewerbsfähigkeit und für ein zukunftsfähiges Reisemanagement.
Kontakt: Verband Deutsches Reisemanagement (VDR), Anne Dreesen | dreesen@vdr-service.de | www.vdr-service.de
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