Wie integriertes Risikomanagement nachhaltige Bauprojekte vorantreibt

UBM und Aon steigern Akzeptanz für Holz-Hybrid-Bauweise

Mit integriertem Risikomanagement gebaut: Das Timber-Peak am Zollhafen in Mainz (Quelle: UBM)
Bei großen Bauprojekten werden die Vorteile der Holz-Hybrid-Bauweise im Vergleich zu Stahlbeton immer sichtbarer: drastisch verringerte CO2-Emissionen, verbesserte Kreislauffähigkeit, höhere Energieeffizienz. Doch Holz als Baustoff stößt bei manchen Investoren und Versicherern noch immer auf Vorbehalte – und ist daher viel zu selten erste Wahl. UBM, ein international führender Projektentwickler mit nachhaltiger Ausrichtung, und der Industrieversicherungsmakler Aon gehen einen intelligenten Weg, um nachhaltigen Bauvorhaben mehr Rückenwind zu verschaffen. Ihr Ansatz: integriertes Risikomanagement.

Ob Büroturm, Wohnquartier oder Philharmonie: Große Bauprojekte sind vielfach Leuchttürme urbaner Architektur. An ihrem Entstehen sind viele Akteure beteiligt: Planer, Statiker und zig ausführende Gewerke arbeiten Hand in Hand, häufig mit diversen Subunternehmern. Falls während oder nach der Bauphase Fehler oder Schäden sichtbar werden, ist es daher oft schwierig – und meist langwierig – den exakten Verursacher festzustellen: „Auch wenn jeder einzelne Beteiligte gegen Schadensfälle versichert ist, hat doch keiner von ihnen ein Interesse daran, die eigene Jahresumsatzpolice zu belasten", weiß Gökhan Tosun. Er ist Key Account Manager Construction und Experte für integriertes Risikomanagement bei Aon Deutschland. Seine Erfahrung: Im Schadensfall gibt es in den seltensten Fällen nur einen potenziellen Verursacher – das wissen auch die Projektbeteiligten. Daher ist nachvollziehbar, dass sie die Gesamtverantwortung für einen Schadensfall vorerst ablehnen. „Ein Schadensfall belastet natürlich die Bonität ihrer Jahresverträge und kann für steigende Versicherungsprämien sorgen. Ebenso sorgen sich einige Auftragnehmer um ihre Reputation."

Was dann folgt, ist wiederum keinesfalls im Interesse von Bauherrn und Investoren: Die Suche nach dem „Schuldigen" zieht sich hin, die Fertigstellung des Projekts verzögert sich, zusätzliche Kosten entstehen. Auch Günter Schnötzinger musste solche Erfahrungen schon machen: Er ist Head of Insurance bei UBM, einem der führenden Projektentwickler Europas im Immobilienbereich mit besonderem Fokus auf nachhaltiges Bauen. „In einzelnen Schadensfällen führten Fehler an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Versicherungen dazu, dass die Zuordnung der Schadenverursacher problematisch war. Dies hat uns deutlich gemacht, dass eine umfassende Lösung erforderlich ist."

Einzelversicherungen reichen oft nicht aus
Experten wie Gökhan Tosun von Aon konzipieren solche Lösungen maßgeschneidert – und sicherten mit einer integrierten Projektversicherung bereits die reibungslose Abwicklung namhafter Bauprojekte im Bereich der Pharma-, Halbleiter- und Stahlbauindustrie ab, sowie große und komplexe Holzhybrid- Bauvorhaben wie das Leopoldquartier in Wien und das Timber-Peak am Zollhafen in Mainz.

Die integrierte Projektversicherung basiert auf einer übergeordneten Risikobetrachtung und einer einheitlichen Schadensregulierung. Sie beinhaltet beispielsweise eine Planungshaftpflicht-, eine Betriebs- und Bauherrenhaftpflicht- sowie eine Umweltschadenversicherung. Für Bauträger mit mehreren Asset-Klassen in verschiedenen europäischen Ländern, wie den internationalen Projektentwickler UBM, können auch andere
Haftungsfragen, Cyberbedrohungen und politische Unsicherheiten in dem Land, in dem gebaut wird, integriert werden.

Das Entscheidende: Alle Projektbeteiligten sind automatisch mitversichert – und brauchen im Schadenfall daher ihre eigene Haftpflichtversicherung nicht in Anspruch zu nehmen. Das sorgt für hohe Transparenz und Kooperationsbereitschaft aller Akteure, wie Gökhan Tosun von Aon erfahren hat: „Wenn es nicht mehr um die Abwehr womöglich unberechtigter Ansprüche von Dritten geht, sondern der Schaden an sich im Zentrum der Betrachtung steht, wirken die Akteure viel kooperativer an der Lösung mit – und langwierige Streitigkeiten werden vermieden." Am Ende steht eine Regulierung, wie Bauherren sie sich wünschen: Schnell, reibungslos, ohne Verzögerungen.

Nachhaltiges Bauen braucht Fürsprecher
Damit dies möglich wird, müssen Experten wie Tosun viele Gespräche mit Versicherern führen. „Es braucht im Regelfall einen führenden Versicherer und weitere Beteiligte, die sich das jeweilige Projektrisiko teilen." Und hier war über viele Jahre hinweg enorme Überzeugungsarbeit gefragt. Denn nachhaltige Projekte mit dem Baustoff Holz stießen bei den Versicherern auf viele Vorbehalte: „Die Kalkulation von Risiken fußt in der Regel auf Vergleichsdaten aus der Vergangenheit. Für moderne Baukonzepte wie den Holz-Hybrid-Bau liegen aber noch kaum statistische Daten vor", so Tosun. Dazu kommen unbegründete Bedenken, etwa hinsichtlich Brandrisiken und Witterungsbeständigkeit. „Wir mussten am Anfang viel Aufklärungsarbeit leisten, anschaulich erklären, was hier genau versichert werden soll, aufzeigen, dass das technische Risiko beherrschbar ist." Diese Kernerarbeit hat dem nachhaltigen Bauen inzwischen viele Türen geöffnet.

Das Team im Geschäftsbereich Engineering und Construction bei Aon, zu dem Gökhan Tosun gehört, ist in den letzten Jahren entsprechend auf über 60 Fachleute angewachsen: Ingenieure, Juristen und Versicherungsexperten sorgen gemeinsam dafür, dass alle Perspektiven auf ein nachhaltiges Bauprojekt erfasst, verstanden und in ausführlichen Briefings für die Versicherer transparent dargelegt werden können. Das schafft Vertrauen auf allen Seiten: Aon hat seine integrierte Projektversicherung zwischenzeitlich mit mehr als 20 Versicherern verhandelt, die nun als Risikoträger in Frage kommen.

Kosten teilen, Nutzen maximieren
Wer aber zahlt am Ende für dieses bauherrenfreundliche und effiziente Risikomanagement? „Die Prämienverteilung wird zwischen den Beteiligten projektbezogen aufgeschlüsselt und transparent gemacht", erläutert Tosun von Aon. Die einzelnen Akteure auf der Baustelle können das Risiko dieses Projektes aus ihrer eigenen Haftpflichtversicherung herausrechnen – und die eingesparte Prämie als Umlage an den Projektinhaber abführen. „Die Regelung ist je Projekt verschieden, jeder Bauherr handhabt das anders", weiß Tosun. Dass es sich rechnet, steht beispielsweise für UBM jedoch fest: „Diese Lösung ist besonders für große Bauvorhaben ein echter Gewinn. Auch wenn messbare Ergebnisse meist erst nach Projektabschluss vorliegen, sehen wir bereits jetzt eine verbesserte Kommunikation, klarere Verantwortlichkeiten und eine höhere Akzeptanz der Versicherungsprämienverteilung", bilanziert UBM Projektentwickler Schnötzinger.

Sein Haus arbeitet bereits seit vielen Jahren mit dem Geschäftsbereich Construction von Aon zusammen. „Aon hat uns dabei geholfen, Vorbehalte abzubauen und den Fokus auf die Nachhaltigkeit der Gebäude zu lenken." Projektentwicklern wie UBM erleichtert die neue Herangehensweise, mehr Projekte in umweltfreundlicher Holz-Hybrid-Bauweise umzusetzen. Das Unternehmen plant bereits, die gemeinsame Lösung mit Aon über Deutschland und Österreich hinaus in anderen Ländern Europas einzusetzen.

„Grüne" Baukonzepte nachhaltig fördern
Das im Team von Gökhan Tosun aufgebaute, fundierte Wissen zum nachhaltigen Bauen sorgt aber nicht nur für Vertrauen und wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Baukonzepten in der Baubranche, sondern fließt auch in ein gesellschaftliches Engagement ein: So ist Aon Mitglied der KOALITION für HOLZBAU. Die Initiative mit Sitz in Berlin setzt sich für das nachhaltige und moderne Bauen mit Holz ein.

Das integrierte Risikomanagement, wie etwa UBM und Aon es praktizieren, hat in den letzten Jahren viel an Akzeptanz und Unterstützung aufgebaut, die nachhaltiges Bauen braucht und verdient, um vom Ausnahmeprojekt irgendwann zur Regel zu werden: Ein Ziel, das nicht nur der Bau- und Versicherungsbranche dient.


     
        
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