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Auf dem Weg zur nachhaltigen Produktion

Rechtliche Hürden meistern bei der Additiven Fertigung von Ersatzteilen

Die Nutzung von AM für Ersatzteile wirft auch rechtliche Fragen auf © Robin Kabelitz-Bock
Die Additive Fertigung (englisch Additive Manufacturing, kurz AM) entwickelt sich zu einem wichtigen Werkzeug im After-Sales-Markt, insbesondere bei der Herstellung von Ersatzteilen. AM ermöglicht eine bedarfsgerechte, lokale Produktion, wodurch große Lagerbestände und lange Transportwege reduziert werden können. Dies unterstützt nachhaltiges Wirtschaften und verlängert die Lebensdauer von Produkten. Allerdings sind bei der Integration von AM rechtliche Herausforderungen zu beachten, die wir anhand von drei Szenarien beleuchten.

Szenario 1: Qualitätskontrolle und Haftung in B2C-Transaktionen
Der Einsatz von AM für Konsumgüter-Ersatzteile wirft Bedenken hinsichtlich der Qualität und Haftung auf. Ein zentrales Problem ist das Fehlen standardisierter Zertifizierungen für 3D-gedruckte Teile, insbesondere bei kritischen Verbraucherprodukten.

Beispiel: Ein Unternehmen produziert Waschmaschinentürgriffe mittels AM, um Kosten zu sparen. Ein Kunde ersetzt einen defekten Griff durch eine 3D-gedruckte Version, die bei Gebrauch bricht und eine Verletzung sowie Maschinenschäden verursacht.

Analyse: Dieses Szenario unterstreicht die Bedeutung strenger Qualitätskontrollen im AM-Prozess. Die Einhaltung von Industriestandards wie DIN SPEC 17071 kann helfen, Haftungsrisiken zu minimieren. Unternehmen müssen sich auf strengere Prüfungen und rechtliche Verpflichtungen einstellen, um sichere und zuverlässige Reparaturlösungen zu gewährleisten.

Lösung: Die erste Anlaufstelle für Unternehmen ist die DIN SPEC 17071. Diese Norm wurde von AM-Experten verfasst, deckt alle relevanten Qualitätssicherungsverfahren für den gesamten AM-Produktionsprozess ab, und ist speziell auf die Anforderungen der Serienproduktion zugeschnitten. 

Szenario 2: Dezentrale Produktion und Management von Geistigem Eigentum (englisch Intellectual Property, kurz IP)
Die dezentrale Produktion über lokale AM-Dienstleister bietet Nachhaltigkeitsvorteile, bringt jedoch komplexe Fragen im Zusammenhang mit IP-Management und der Haftung für Dritte mit sich.

Beispiel: Ein Unternehmen lagert die Produktion der Waschmaschinentürgriffen an einen lokalen AM-Dienstleister aus und macht sich Sorgen über die unautorisierte Nutzung der geschützten Designs oder über die Produktion minderwertiger Teile.

Analyse: Unternehmen müssen ihr geistiges Eigentum sorgfältig schützen und strenge Qualitätskontrollen implementieren, um die Produktion durch Dritte zu überwachen. Robuste vertragliche Vereinbarungen sind entscheidend, um die Vorteile der dezentralen Produktion zu nutzen und gleichzeitig IP-Schutz und Haftungsmanagement zu gewährleisten.

Lösung: Unternehmen sollten sich umfassend über die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich des IP-Rechts informieren, um sicherzustellen, dass ihre Designs rechtlich geschützt sind (siehe Lösungen zu Szenario 3). Zudem ist es wichtig, technische Überwachungssysteme zu nutzen, um die Einhaltung von Qualitätsstandards und Rechten bei externen Dienstleistern kontinuierlich zu überwachen (z. B. bei AM Experten für Ersatzteile wie 3D Sparks oder Service Providern wie Replique.

Szenario 3: Das Recht auf Reparatur und Verletzung des Geistigen Eigentums
Das Recht auf Reparatur ist ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Geschäftspraktiken, stellt jedoch Herausforderungen dar, wenn AM mit IP-Gesetzen kollidiert.

Beispiel: Ein Unternehmen möchte ein abgenutztes Teil eines patentierten Laserschneiders durch ein lokal gedrucktes Ersatzteil ersetzen, um Kosten zu sparen. Der Hersteller des Laserschneiders hält aber ein Patent an der Technologie und verlangt eine weitere Lizenzgebühr.

Analyse: Die Rechtmäßigkeit der Verwendung von AM für Reparaturen hängt davon ab, ob dies als legitime Reparatur oder als Verletzung des ursprünglichen Patents betrachtet wird. Das ist immer eine Frage des Einzelfalls, auf die im Zweifel spezialisierte Rechts- oder Patentanwälte eine Antwort geben sollten.

Lösung: Um sicherzustellen, dass ihre Reparaturpraktiken nicht gegen IP-Rechte verstoßen, ist es wichtig, dass Unternehmen sich über rechtliche Entwicklungen informieren. Erste Informationen dazu sind häufig schon im Internet zu finden, z.B. bei spezialisierten Kanzleien, Verbänden, oder Handelskammern (z. B. das Innovations- und Patent-Centrum der IHK Hamburg). Wer verlässlichere Informationen sucht, sollte sich unmittelbar an diese Stellen wenden.

Fazit
Die Additive Fertigung bietet erhebliche Chancen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im After-Sales-Markt. Unternehmen müssen jedoch die rechtlichen Herausforderungen in Bezug auf Qualitätskontrolle, IP-Management und das Recht auf Reparatur sorgfältig navigieren. Durch die Annahme von Industriestandards und den Schutz von geistigem Eigentum können Unternehmen AM nutzen, um nachhaltige Geschäftspraktiken zu fördern und Risiken zu minimieren.

Diese Forschung ist Teil des dtec.bw-Projektes Fab City.

Kontakt: Kühne Logistics University, Robin Kabelitz-Bock | robin.kabelitz-bock@klu.org | www.linkedin.com/in/robin-kabelitz-bock-24911a161



     
        
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