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Paula Mertens

Circular Cities

Kreislaufwirtschaft – das neue urbane Paradigma

75 Prozent der europäischen Bevöl­kerung lebt in urbanen Gebieten. Damit tragen Städte erheblich zur Belastung der Umwelt bei. Doch nun entwickeln sich zirkuläre Städte als lebendige Organismen, die Abfall eliminieren, Güter und Materialien in Gebrauch halten, natürliche Systeme regenerieren und die Lebensqualität erhöhen.

Kopenhagen: Ein Kohlekraftwerk verwandelt sich in ein modernes Heizkraftwerk. Gleichzeitig dient es nun als städtisches Naherholungsgebiet, das zum Skifahren, Klettern und Wandern einlädt. © CopenhillEin Leitfaden für diese Entwicklung ist das Circular Economy-Centric Quintuple-Helix-Modell. Es fördert die Zusammenarbeit von Industrie, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Dies stärkt die Innovationskraft und ermöglicht die gemeinsame Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Die Europäische Kommission schätzt, dass eine Anwendung von Circular Economy-Prinzipien das EU-Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 0,5 Prozent steigern und etwa 700.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnte.

Es gibt viele Chancen für den Kreislauf
Die erste europäische Stadt, die bereits im Jahr 2015 den Weg Richtung zirkuläre Wirtschaft eingeschlagen hat, war Amsterdam. Mittlerweile haben bereits 20 von 27 EU-Mitgliedstaaten eigene Strategien im Sinne der Circular Economy entwickelt und viele Städte arbeiten an innovativen Lösungen.

Mailand engagiert sich gegen „Foodwaste". Die Stadt will durch Co-Creation- und Co-Design-Prozesse Lieferwege verkürzen, Haltbarkeitszyklen optimal nutzen und damit Bioabfall vermeiden und den Lebensmittelverbrauch verringern. In Prag setzt man vor allem auf die Wiederverwendung von Produkten. Dies erfolgt durch flächendeckende Sammelstellen, in denen Bürger Gegenstände abgeben können, die sie nicht mehr benötigen. Die spanische Stadt Valladolid setzt auf ein großes Subventionsprogramm, das mehr als hundert innovative Projekte unterstützt, die lokale, kreislauforientierte Multi-Stakeholder-Gemeinschaften aufbauen, die Bürgerteilnahme verstärken und Arbeitsplätze schaffen.

Auch in Kopenhagen gibt es ein faszinierendes Beispiel für die kreislauforientierte Stadtentwicklung: Das Amager-Copenhill-Projekt. Hier wurde ein ehemaliges Kohlekraftwerk in ein innovatives Biomasse- und Waste-to-Energy-Heizkraftwerk umgewandelt, das nicht nur saubere Energie liefert, sondern auch als öffentliches Naherholungsgebiet dient. Die Bürger können das Gelände für städtische Freizeitaktivitäten wie Skifahren, Wandern entlang malerischer Wege und Klettern an spektakulären Wänden nutzen. Diese ungewöhnliche Kombination aus Umweltschutz und Freizeitspaß zeigt, wie Städte unterschiedlichste, kreative Lösungen finden, um die Lebensqualität ihrer Bewohner zu verbessern und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

München baut im Kreislauf und mobilisiert die Bürger
München: Im EU-geförderten Projekt URBACT verwandelt die Stadt das ehemalige Militärgebiet 'Bayernkaserne' in eine nachhaltige, bezahlbare Wohngegend. © Circular Munich – BayernkaserneMünchen will bis 2035 klimaneutral werden, die Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Stadt strebt zum Beispiel an, den Abfall aus Abrissmaterialien wiederzuverwerten, denn der Bausektor ist für über 35 Prozent der Gesamt-Abfallproduktion der EU verantwortlich. Unter dem von der EU geförderten Projekt URBACT verwandelt München das ehemalige Militärgebiet Bayernkaserne in die nachhaltige, bezahlbare Wohngegend Neufreimann. Und auch hier gilt: Die zirkuläre Stadtentwicklung steht und fällt immer mit der Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Organisationen wie rehab republic, Circular Munich und circular republic versuchen durch Bildungs- und Stellvertreterarbeit das Bewusstsein der Menschen vor Ort zu schärfen und Bürger für den Wandel zu mobilisieren.

Politik und Bürger Hand in Hand
Die Stadt- und Landesverwaltungen können derartige Prozesse mit geeigneten Gesetzen, Vorschriften oder Förderprogrammen unterstützen. Ein niederschwelliger Zugang der Bürgerbeteiligung am städtischen Planungsprozess erleichtert den Wissenstransfer von interessierten Menschen in die Projekte und vergrößert damit signifikant den Pool an kreativen Ideen, aus dem geschöpft werden kann. Mobilität, Wohnen und Ernährung machen fast 70 Prozent der globalen Emissionen aus. Das sind Bereiche, in denen die Bürger selbst viel beitragen können. Da sie oft nicht über die Vorteile und Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft informiert sind, wird in diesen Bereichen bisher viel Potenzial verspielt. Hier haben angehende zirkuläre Städte die Möglichkeit, das Bewusstsein zu schärfen, Bewohner an Aktivitäten wie Einsparung, Wiederverwendung, Reparatur und Sharing zu beteiligen.

Technologien wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz können zusätzlich helfen, das Leben in der Stadt zu verbessern, wenn sie mit einem menschenzentrierten Design gekoppelt sind, das auf Lebensqualität, Naturschutz und Gemeinschaftssinn beruht. Alles was es für diese systemische Transformation braucht, ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion und zur Zusammenarbeit.
 

Städte als Vorreiter für den Wandel

Es gibt eine Vielzahl von Initiativen und Organisationen, die Städte in Europa in Sachen Kreislauffähigkeit unterstützen. Anbei ein kleiner Auszug:
Städte können Impulsgeberinnen für eine globale Entwicklung sein, die die Menschheit auf eine neue Bewusstseinsebene hebt und grundlegende Veränderungen in der Gemeinschaft hervorbringt. forum Nachhaltig Wirtschaften berichtet deshalb laufend über diesen Prozess und zeigt Best Practice aus der ganzen Welt.

Paula Mertens ist Teil des Organisationsteams der Circular City Challenge und hat bei Circular Munich die Digitale Plattform „Knowledge Hub" gebaut.

Margarita Cejudo-Perdomo ist Mitbegründerin von Circular Munich und hat u.a. den Education & Outreach Circle sowie das Pioneer Circle Project initiiert.

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