Menschenrechtsverletzungen in nachgelagerten Lieferketten deutscher Maschinen- und Anlagenbauer

Studie zeigt, dass zum Teil Unternehmen und Staaten beliefert werden, denen schwere Menschenrechtsverletzungen und Umweltschutzverstöße vorgeworfen werden

Eine heute veröffentlichte Studie von Germanwatch, Misereor, Transparency Deutschland und GegenStrömung zeigt: Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau beliefert zum Teil Unternehmen und Staaten, denen schwere Menschenrechtsverletzungen und Umweltschutzverstöße vorgeworfen werden, oft begleitet von Korruption. Kurz vor der Abstimmung im Rechtsausschuss des EU-Parlaments fordern die Organisationen, das Lieferkettengesetz so zu gestalten, dass die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick genommen wird und somit ein gravierendes Schlupfloch verschwindet.

© Brumadinho, Minas Gerais; Wikipedia CommonsDeutsche Maschinen werden unter anderem für die Herstellung von Textilien oder bei der Energieproduktion weltweit genutzt. „Energieproduktionsanlagen stehen häufig im Zusammenhang mit Landraub, der Bedrohung von Menschenrechts- und Umweltverteidigerinnen sowie Landnutzungskonflikten mit indigenen Gemeinden. Dies gilt auch für Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie. Menschenrechte und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden", kritisiert Heike Drillisch, Koordinatorin von GegenStrömung. 

„Die Maschinenbau-Branche ist ein wichtiger globaler Player beispielsweise bei Textilmaschinen oder der Lieferung von Turbinen. Damit trägt der deutsche Maschinen- und Anlagenbau große Verantwortung. Dennoch hat der Branchenverband VDMA vor zwei Jahren einen Branchendialog mit der Zivilgesellschaft verweigert. Die Branche hat es verpasst, sich aktiv mit diesen Risiken zu beschäftigen", so Sarah Guhr, Koordinatorin für Branchendialoge bei der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. 

„Auf EU-Ebene muss das nachgeholt werden, was auf deutscher Ebene im Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz versäumt wurde: Die Regelung unternehmerischer Sorgfaltspflichten muss die gesamte Wertschöpfungskette umfassen. Dass der VDMA diese Sorgfaltspflichten mit Blick auf die Verwendung von Maschinen ablehnt, ist völlig inakzeptabel", so Armin Paasch, Referent für Verantwortliches Wirtschaften bei MISEREOR. 

„Korruption herrscht in vielen Ländern weltweit, in denen auch deutsche Maschinen- und Anlagenbaufirmen Geschäfte machen. Da viele Verletzungen von Menschenrechten und Umweltschutzvorgaben erst durch Korruption möglich werden, ist deren Bekämpfung auf allen Stufen der Wertschöpfungsketten eine Grundvoraussetzung für ein starkes europäisches Lieferkettengesetz", sagt Otto Geiß, Vertreter von Transparency Deutschland.

Hintergrund
Deutschland ist der drittgrößte Maschinen- und Anlagenproduzent der Welt. Die Studie „Unternehmensverantwortung im Maschinen- und Anlagenbau – warum die nachgelagerte Lieferkette nicht ausgelagert werden darf " beleuchtet insbesondere die Herstellung und Lieferung von deutschen Maschinen und Anlagen für den Bergbau, die Energieproduktion, den Textilsektor und die Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie sowie die damit verbunden potentiellen Risiken und tatsächlichen negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Es geht unter anderem um Konzerne wie Liebherr, Siemens und Voith.

Auf dieser Grundlage werden Empfehlungen formuliert, wie bestehende Regulierungslücken insbesondere in der EU Corporate Sustainability Due Diligence Directive in Bezug auf die nachgelagerte Wertschöpfungskette geschlossen werden sollten und wie Unternehmen der Verantwortung in ihren Sorgfaltsprozessen gerecht werden können.
 
Weiterführende Informationen
Kontakt: Transparency International Deutschland e.V., Adrian Nennich | presse@transparency.de | www.transparency.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MAI
2026
Bayerischer Batteriekongress 2026
Einblicke, Strategien, Innovationen
81671 München
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Dieser Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
16
JUN
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Hamburg
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

LOHAS & Ethischer Konsum

"All You Need is Love"
Christoph Quarch verteidigt den Valentinstag als Schutzzeit für die romantische Liebe
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft…

EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40

Rollen und Verantwortlichkeit in der PPWR: Wer ist wofür zuständig?

Pirelli als weltweiter Spitzenreiter in den Sektoren Automobilkomponenten und Automobile der S&P Dow Jones Best-in-Class (DJ BiC) Inzizes bestätigt

Neues SBTN Accelerator-Angebot hilft Unternehmen Biodiversität strategisch mitzudenken

Letzte Chance auf eine umfassende Förderung

With a little help of my friends…

Nicht in unserem Namen – Wirtschaft denkt weiter

  • WWF Deutschland
  • TÜV SÜD Akademie
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • circulee GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • 66 seconds for the future
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SUSTAYNR GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG