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"Es gibt keinen Königsweg"

HOWOGE-Geschäftsführer Ulrich Schiller und Thomas Felgenhauer im forum-Interview

Klimaneutralität gehört aktuell zu den größten Herausforderungen der Wohnungswirtschaft. Als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft mit mehr als 73.500 Wohnungen ist nachhaltiges Handeln fest im Geschäftsmodell der HOWOGE verankert. Wie sie ihre Ziele umsetzen, erläutern die HOWOGE-Geschäftsführer Ulrich Schiller und Thomas Felgenhauer.

Das Motto Ihres aktuellen Nachhaltigkeitsberichts heißt „Mit Verantwortung in die Zukunft". Was steht dahinter?
HOWOGE-Geschäftsführung Thomas Felgenhauer und Ulrich Schiller © HOWOGE / Alexander Rentsch Ulrich Schiller: Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur ökologische Aspekte mitzudenken, sondern auch sozial und wirtschaftlich zu agieren. Daher folgen wir nicht einfach Trends, sondern treffen unsere Entscheidungen fundiert mit Blick in die Zukunft. Verantwortung heißt aber auch, die eigenen Entscheidungen bewusst zu hinterfragen und zu revidieren, wenn es nötig ist.

Thomas Felgenhauer: Wichtig ist, mit Bedacht zu agieren. Wir bewegen uns alle gemeinsam auf ein Ziel hin: die Klimaneutralität. Es gibt keinen Königsweg. Daher sind Pilotprojekte und das Ausprobieren entscheidend. Wir müssen jetzt handeln, und zwar mit der nötigen Offenheit und Konsequenz.

Wie kommen Sie mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie voran?
US: Die HOWOGE befindet sich auf einem sehr guten Weg. Wir konnten fast alle Neubauprojekte von KfW55 auf KfW40 heben. Gleichzeitig haben wir im letzten Jahr begonnen, neben den Neubauten auch unsere Bestandsgebäude mit PV-Anlagen für Mieterstrom vom eigenen Dach auszustatten.

TF: Allein im vergangenen Jahr ist unser Bestand durch Ankauf und Neubau um 15 Prozent gewachsen. Damit sichern wir nicht nur bezahlbaren Wohnraum, sondern mehr als 900 Arbeitsplätze. Unsere Rolle als guter Arbeitgeber gehört ebenso zu unserem Nachhaltigkeitsverständnis wie unser sozialer Auftrag.

Das 18-geschossige HOWOGE-Hochhaus an der Frankfurter Allee in Berlin-Lichtenberg wurde im April mit dem DGNB Zertifikat in Platin ausgezeichnet. © Lydia HesseSie nannten Klimaneutralität als großes Ziel.
TF: Die HOWOGE ist zwar nur ein Teil des Räderwerks, aber wir können ein Antrieb sein, der viel bewegt. Dabei setzen wir vor allem auf die alternative Energiegewinnung. Für eine Siedlung wird derzeit beispielsweise die Wärmerückgewinnung aus Abwasser geprüft, aber auch der Einsatz von Windkraftanlagen oder Wärmepumpen in Nullenergiehäusern, die ausschließlich mit grünem Strom versorgt werden, stehen auf der Agenda.

US: Wenn wir Klimaneutralität im Bestand erreichen wollen, müssen wir aber auch den größeren Zusammenhang betrachten, denn das Gebäude erzeugt die CO?-Einsparung nicht allein. Die Menschen, die in unseren Quartieren wohnen, sind der größte Einflussfaktor beim Klimaschutz. Denn auf das Verbrauchsverhalten unserer Mieter:innen haben wir keinen Einfluss. Wir setzen uns aber auch verstärkt mit der Energiewirtschaft auseinander.

Wie sind diese Ziele angesichts der steigenden Preise erreichbar?
US: Die Bau- und Energiekosten werden auf absehbare Zeit nicht sinken. Dass sich diese Entwicklung auf die Betriebskosten niederschlägt, ist selbstredend. Allerdings glaube ich nicht, dass dadurch die Akzeptanz der Mieter:innen für Modernisierungen steigt. Wir werden hier eine gesellschaftliche Debatte führen müssen. Denn neben der Verantwortung müssen auch die Kosten für die Klimaneutralität gemeinschaftlich getragen werden. Auch wenn es vielleicht trivial klingt. Klimaneutralität werden wir nur gemeinsam erreichen.

Weitere Informationen unter: nachhaltigkeitsbericht.howoge.de


Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2022 mit dem Schwerpunkt: Wirtschaft im Wandel - Habeck Superstar? erschienen.



     
        
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