82 Leistungen. Ein Vertrag. Ein Preis. Transformation as a Service - Planungssicherheit statt Projekte
Technik | Energie, 24.04.2022

Photovoltaik Boom und Lieferengpässe 2022

Der Preis für Strom steigt konstant an, im Jahr 2022 sind die Preise aber regelrecht explodiert. Der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde stieg von 30,73 Cent im Jahr 2021 auf 39,7 Cent Anfang 2022. Gründe dafür sind schon Anfang des Jahres teurer werdende Energieträger wie Kohle und Gas, zusätzlich kommen auch noch höhere Kosten aufgrund der CO2 Zertifikate auf die Energieunternehmen zu. Deutschlands Gasspeicher sind dazu nur zu ca. einem Viertel gefüllt, sollte nun der Gashahn aus Russland abgedreht werden, was 40 % der Gasimporte ausmachen würde, führt dies zu einer starken Knappheit an Gas und würde Stromkosten noch weiter steigen lassen.

Photovoltaik Boom
© Giorgio Trovato, unsplash.comGerade die steigenden Energiepreise und die größer werdende Versorgungsunsicherheit mit Gas lässt viele Hausbesitzer zu Photovoltaikanlagen greifen. Dabei ist mittlerweile immer bedeutender, dass der erzeugte Strom gar nicht erst in das Stromnetz geleitet wird, sondern von den Erzeugern selbst verbraucht wird. Dazu wird der Strom direkt in das Hausnetz eingespeist und überflüssiger Strom dann in das Stromnetz, besser noch in Energiespeicher. Genau zu diesen Energiespeichern wird jetzt vermehrt gegriffen, wodurch der eigene Haushalt auch nach Sonnenuntergang noch mit Strom aus den eigenen Photovoltaikanlagen versorgt werden kann. Nach einer Umfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Appino geht hervor, dass sich ca. 25 % der deutschen Hausbesitzer vornehmen noch in diesem Jahr in eigene Photovoltaikanlagen zu investieren.

Für wen lohnt sich Photovoltaik
Die Anschaffung, Installation und die Wartung sind oft sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden. Laut Haus und Grund lohnt sich die Anschaffung einer Photovoltaikanlage zum Selbstverbrauch, wenn man besonders viel Strom verbraucht. Legt man einen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr fest, was einem Vierpersonenhaushalt entspricht, investiert man in der Regel 15.000 Euro in eine Photovoltaikanlage und entsprechende Energiespeicher, die sich dann nach 15 Jahren amortisieren. Verbraucht man mehr Strom, weil man in ein Elektroauto und eine Wärmepumpe investiert, werden sich die Kosten dementsprechend schneller amortisieren. Beispielsweise erklären Experten von Optivolt, wie eine Photovoltaikanlage für die entsprechenden Bedürfnisse ausgelegt werden müssen und geben auch weitere Informationen zur energetischen Sanierung. 

Handwerker haben volle Auftragsbücher
Für Unternehmen, die mit Photovoltaikanlagen und der energetischen Sanierung arbeiten, bedeutet dies volle Auftragsbücher. Teilweise können nur 20 % der Aufträge angenommen werden, dazu fehlt auch noch das Fachpersonal. Nicht nur Experten, die die Module auf den Dächern installieren, sondern auch Ingenieure und Finanzexperten. Gerade für die Planung und Umsetzung von großen Solarparks, um die angestrebten Klimaziele zu erreichen und sich nun auch von russischem Gas unabhängig zu machen, benötigen die Unternehmen viele hoch qualifizierte Fachkräfte.

Lieferengpässe bei Photovoltaikmodulen und Energiespeichern
Die große Nachfrage sorgt nicht nur aufgrund der vollen Auftragsbücher für lange Wartezeiten, auch sind entsprechende Module immer schwieriger zu bekommen und die Preise dafür sind inzwischen schon um 10 % innerhalb eines Jahres angestiegen. In der Corona-Krise haben viele Hausbesitzer entschieden, das Eigenheim zu sanieren und auch in Photovoltaik zu investieren, was bereits vor dem Ukrainekrieg zu Lieferengpässen geführt hat. Steigende Produktionskapazitäten bei den Modulen soll aber in der zweiten Jahreshälfte 2022 für eine größere Verfügbarkeit sorgen, trotzdem bleiben Handwerker auf Monate ausgebucht. Bei Energiespeichern ist die Situation ähnlich, gerade bei Batteriespeichern rechnen Experten momentan mit Wartezeiten von durchschnittlich sechs Monaten. Hybridwechselrichter lassen eine Wartezeit von mehr als sechs Monaten erwarten, was vor allem für Installationen neuer Photovoltaikanlagen mit dieser Technologie ein Problem ist. Für die Betriebe ist damit eine große Herausforderung Lieferanten zu finden und alternative Techniken zu nutzen, um Kunden trotzdem einen modernen Energiespeicher zu liefern.

Photovoltaikboom in China
Auch international wird vermehrt auf Photovoltaikanlagen gesetzt, vor allem China ist hier sehr aktiv. Im Jahr 2021 wurde allein in China Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von knapp 55 Gigawatt installiert, das entspricht ungefähr der Leistung, die in ganz Deutschland insgesamt installiert war. China prognostiziert für das Jahr 2022 ein Zubau von bis zu 90 weiteren Gigawatt Leistung. Im Jahr 2021 wurde dazu eine Leistung von ca. 100 Gigawatt exportiert, ein Großteil davon nach Europa.

Ausblick
Trotz des aktuellen Booms in Deutschland wird bisher nur knapp 5 Gigawatt pro Jahr neu installiert, um aber die Klimaziele zu erreichen, müsste dies auf bis zu 20 Gigawatt pro Jahr gesteigert werden. Dazu ist es jetzt in verschiedenen Bundesländern bei Neubauten Pflicht eine Photovoltaikanlage zu installieren und auch bei Dachsanierungen diese mit auszubauen. Die Nachfrage wird sich also in Zukunft nicht abflachen, sondern eher steigern. Dazu ist es dringend notwendig, bürokratische Hürden abzubauen und Anlagen auch in Zukunft zu fördern, damit der Hausbesitzer dies nicht als Ärgernis, sondern als Chance sieht, sich unabhängig von steigenden Strompreisen zu machen. Solar und Windenergie werden die Träger der erneuerbaren Energien sein und uns auch von Energieimporten aus anderen Ländern unabhängig machen. 


     
        
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