Umwelt | Klima, 14.09.2021

Copernicus: Ozonloch auf der Südhalbkugel bereits größer als Antarktis

Erster Statusbericht über den Zustand des Lochs in der Stratosphäre veröffentlicht

Der Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienst wirft momentan ein genaues Auge auf die Antarktis. Er beobachtet die Entwicklung des jährlich auftretenden Ozonlochs über dem Südpol, welches dieses Jahr schon die Größe des Kontinents überschritten hat. Nach einer relativ normalen Anfangsphase hat das Loch in der letzten Woche stark an Größe zugelegt und ist bereits größer als 75 % aller Ozonlöcher zu diesem Zeitpunkt im bis 1979 zurückgehenden Datensatz.

CAMS Vorhersagen für die Ausbreitung des Ozonlochs in der südlichen Hemisphäre in Millionen km2 für 14. September zeigen, wie das diesjährige Ozonloch lange durchschnittlich war und in den letzten Tagen jedoch deutlich größer geworden ist. © Copernicus Atmosphere Monitoring Service/ECMWFCAMS Vorhersagen für die Ausbreitung des Ozonlochs in der südlichen Hemisphäre in Millionen km2 für 14. September zeigen, wie das diesjährige Ozonloch lange durchschnittlich war und in den letzten Tagen jedoch deutlich größer geworden ist. © Copernicus Atmosphere Monitoring Service/ECMWF
Wissenschaftler:innen des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes (Copernicus Atmosphere Monitoring Service, CAMS) haben genau die Entstehung und weitere Entwicklung des antarktischen Ozonlochs beobachtet. Am Internationalen Tag zum Schutz der Ozonschicht gibt CAMS einen ersten Statusbericht über den Zustand des Lochs in der Stratosphäre, das jedes Jahr im Frühling auf der Südhalbkugel entsteht, sowie der Ozonschicht, die unsere Erde vor gefährlicher Sonneneinstrahlung schützt. CAMS wird vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) im Auftrag der Europäischen Kommission und mit Mitteln der EU implementiert.

"Das Ozonloch hat sich dieses Jahr zunächst wie erwartet entwickelt", kommentiert Vincent-Henri Peuch, Direktor des ECMWF Copernicus Atmosphere Monitoring Service. "Es verhielt sich ähnlich wie das Ozonloch letztes Jahr, das ebenfalls im September noch sehr normal war, sich jedoch später in der Saison zu einem der langlebigsten Ozonlöcher in unserem Datensatz entwickelt hat. Nun zeigen unsere Vorhersagen, dass das diesjährige Ozonloch in den letzten Tagen auf eine überdurchschnittliche Größe angewachsen ist. Der Polarwirbel ist relativ stabil und die Temperaturen in der Stratosphäre niedrig. Wir könnten es also dieses Jahr wieder mit einem sehr großen und potenziell sehr tiefen Ozonloch zu tun haben."

Das operative Monitoring der Ozonschicht von CAMS nutzt Computermodelle in Kombination mit Satellitenbeobachtungen, ähnlich wie es bei Wettervorhersagen gemacht wird, um ein möglichst ganzheitliches, dreidimensionales Bild über den Status des Ozonlochs zu bekommen. Dafür bedient sich CAMS verschiedener vorhandener Informationen und kombiniert diese. Ein Aspekt der Analyse besteht aus der Hinzunahme von Beobachtungen des Ozons in Säulen durch Messungen im sichtbaren und ultravioletten Bereich des Sonnenspektrums. Diese Beobachtungen sind von hoher Qualität, können jedoch keine Daten in Regionen aufzeichnen, die während der Polarnacht im Dunklen liegen. Darüber hinaus werden auch andere Beobachtungen genutzt, die wichtige Informationen über die vertikale Struktur der Ozonschicht liefern, jedoch im horizontalen Bereich nur begrenzt Informationen bieten. Durch die Kombination von insgesamt fünf unterschiedlichen Informationsquellen mit modernen Modellierungsprogrammen bekommt CAMS ein ganzheitliches, detailliertes Bild der Ozonverteilung mitsamt durchgängigen Werten im Querschnitt, im horizontalen Bereich sowie deren Dynamiken.

CAMS gleicht als operativer Service kontinuierlich die Qualität seiner Informationsprodukte mit tatsächlichen Beobachtungen ab. Bezüglich seiner Ozonvorhersagen überprüft CAMS seine Systemergebnisse mit Messungen von Ozonsonden, die in der Antarktis von verschiedenen internationalen Organisationen erhoben werden. Diese Maßnahmen zur Qualitätssteigerung ist ein wichtiger Bestandteil für die Weiterentwicklung der Computermodelle des EZMW.

Im Frühling der südlichen Hemisphäre entsteht jedes Jahr ein Ozonloch über der Antarktis. Es erreicht üblicherweise sein Maximum Mitte September bis Mitte Oktober. Wenn im späteren Verlauf der Saison die Temperaturen in der Stratosphäre zu steigen beginnen, lässt der Ozonabbau jedoch nach, der Polarwirbel wird erst schwächer bis er gänzlich zusammenbricht. Bis Dezember erholen sich normalerweise die Ozonwerte wieder auf ihr normales Niveau.

Der Internationale Tag zum Schutz der Ozonschicht wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um an den Vertragsabschluss des Montreal Protokolls 1987 durch 196 Staaten sowie der EU zu erinnern. Im Montreal Protokoll wurden die häufigsten Ozon-abbauenden Stoffe verboten.

Seit dem Verbot dieser Halogenkohlenwasserstoffe zeigt die Ozonschicht erste Anzeichen der Erholung. Allerdings ist es ein langsamer Prozess, der bis in die 2060er oder 2070er andauern wird, ehe die ozonschädigenden Substanzen vollständig abgebaut sein werden. Daher ist eine kontinuierliche Überwachung der Ozonschicht unverzichtbar, um sicherzustellen, dass das Montreal Protokoll weiter durchgesetzt wird.


Kontakt: Copernicus Atmosphere Monitoring Service | copernicus-press@ecmwf.int | climate.copernicus.eu/


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
28
APR
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Köln
21
MAI
2026
Munich Impact Night
Ein Abend ist für alle, die die Zukunft noch nicht aufgegeben haben
81379 München
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Gesundheit & Wellness

Krankheit und Gesundheit
Christoph Quarch empfiehlt die Stärkung der Resilienz als Weg zur Reduzierung der Krankenstände
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Neues Buch "Enkelfähigkeit® & ihre Perspektiven"

Earth Day 2026: Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft

Volvox by ecotec

Biodiversität und die Logik der Kreisläufe

Neue Umfrage zum Welttag des Buches: Nachhaltigkeit wird für Kochbuchfans zum Kaufkriterium

Pro Minute werden 100 Bäume gefällt

Earth Day 2026: 26% Rabatt auf nachhaltige Wirkung

3Q4U - 3 Questions for you

  • circulee GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SUSTAYNR GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • ZamWirken e.V.
  • 66 seconds for the future
  • NOW Partners Foundation
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • WWF Deutschland
  • TÜV SÜD Akademie
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH