Technik | Mobilität & Transport, 09.11.2020
Neue Studie: Sojaöl im Diesel deutlich klimaschädlicher als bisher bekannt
Sojaöl im Tank ist eine der größten Bedrohungen für Arten- und Klimaschutz in Südamerika
Eine neue Kurzstudie, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und ROBIN WOOD gemeinsam mit dem europäischen Dachverband Transport & Environment in Deutschland veröffentlichen, bewertet Sojaöl im Agro-Diesel als deutlich klimaschädlicher als bisher bekannt. Die Zerstörung von Wäldern und anderen Kohlenstoffsenken aufgrund der jüngsten Ausdehnung des Sojaanbaus sei größer als von der EU-Kommission bislang angenommen. Insbesondere sind die artenreichen Tropenwälder Südamerikas stark von Entwaldung bedroht. Die DUH und ROBIN WOOD fordern deshalb von der EU-Kommission, Sojaöl als extrem klimaschädigend einzustufen und es somit als Rohstoff für Agro-Kraftstoffe auszuschließen.
Darüber hinaus prognostiziert die Studie, dass sich die Nachfrage nach Sojaöl für Diesel durch den Palmöl-Ausstieg je nach Szenario verdoppeln bis vervierfachen könnte. Bis 2030 läuft die Beimischung von Palmöl zum Diesel in der EU aus. Die dadurch entstehende Lücke sollte nun aber auf keinen Fall durch Soja-Diesel oder andere Anbaukraftstoffe geschlossen werden. Die Treibhausgas-Emissionen von Diesel aus Sojaöl sind die höchsten nach Diesel aus Palmöl."Sojaöl ist als Rohstoff für Diesel genauso ungeeignet wie Palmöl. Wertvolle Lebensmittel aus den Tropen in Deutschland im Straßenverkehr zu verbrennen, ist schlicht Wahnsinn. Dem Klima- und Artenschutz ist durch einen Umstieg von Palmöl auf Sojaöl nicht geholfen. Die Bundesregierung muss Sojaöl und Palmöl schnellstmöglich aus dem Verkehrssektor verbannen", so Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer.
Die neue Kurzstudie belegt, dass 10,5 Prozent der Ausweitung des Sojaanbaus auf kohlenstoffreichen Flächen, das heißt zum Beispiel in Feuchtgebieten und Wäldern stattfindet und damit stärker zum Klimawandel beiträgt als bisher angenommen. Ab 10 Prozent wird ein Rohstoff von der EU-Kommission als Rohstoff mit hohem Risiko für Landnutzungsänderungen eingestuft. Da die EU-Kommission basierend auf Erkenntnissen von Anfang 2019 einen niedrigeren Wert von 8 Prozent annimmt, wird Sojaöl in der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie der EU momentan nicht dementsprechend eingestuft.
"Sojaöl muss basierend auf den neuen Erkenntnissen als Rohstoff mit hohem Risiko für Landnutzungsänderungen eingestuft werden und dessen Förderung durch die EU muss enden. Fest steht: Soja im Agro-Diesel ist ein starker Treiber der Waldzerstörung, weil für die gewaltigen Sojafelder Südamerikas die dortigen einzigartigen Ökosysteme zerstört werden. Bislang unterschätzt die EU die Gefahr für das Klima, die vom steigenden Sojaanbau ausgeht", so Cristina Mestre, Biofuels Manager bei Transport & Environment.
Fenna Otten, Tropenwaldreferentin bei ROBIN WOOD ergänzt: "Wir dürfen nicht das eine Übel durch ein anderes ersetzen und anstelle von Palmöl nun Sojaöl dem Diesel beimischen. Auf diese Weise wird Klimaschutz bloß vorgetäuscht, tatsächlich aber verschleppt. Die steigende Nachfrage nach Sojaöl im Tank würde wertvolle Waldfläche zerstören, die insgesamt fast so groß ist wie das Saarland. Wenn wir jetzt handeln und die Beimischung von Sojaöl stoppen, dann können wir den enormen Druck auf die Tropenwälder mindern und weiteren Kahlschlag verhindern!"
Hintergrund:
Agro-Diesel wird fossilem Dieselkraftstoff beigemischt, um ihn vermeintlich klimafreundlicher zu machen. Der in Deutschland am meisten für Agro-Diesel eingesetzte Rohstoff ist Raps. Doch auch Raps im Tank sorgt für 20 Prozent höhere Treibhausgas-Emissionen verglichen mit fossilem Diesel. Die DUH und ROBIN WOOD lehnen Anbaukraftstoffe daher grundsätzlich ab - sie stehen in Konkurrenz mit dem Anbau von Nahrungsmitteln und verursachen bei Berücksichtigung der indirekten Landnutzungseffekte höhere Treibhausgas-Emissionen als fossiler Diesel. Die drei Umweltorganisationen sehen den Vorstoß im Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums, die Beimischung von Agro-Kraftstoffen aus Palmöl schon vor 2030 zu beenden, als wichtigen Schritt in Richtung Klimaschutz. Weitere Schritte müssen folgen - mit dem Ziel eines schnellstmöglichen, vollständigen Ausstiegs aus Agro-Kraftstoffen verbunden mit einer tiefgreifenden Mobilitätswende.
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