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Der steinige Weg zum verantwortlichen Handeln

Stimmen aus dem Fachbeirat Nachhaltigkeit der Rewe Group

Georg Abel: Verbraucher haben Macht!
© VerbraucherinitiativeSie entscheiden über Erfolg beziehungsweise Misserfolg von Unternehmen, Produkten und Einkaufsorten. Diese Verbrauchermacht wächst – aufgrund von Einkaufserfahrung, Informationsoptionen und Netzwerken. Für einen individuellen Lebens- und Konsumstil braucht es Orientierung in einem sich ständig verändernden Markt. Herausforderungen bei der Einkaufsentscheidung sind unter anderem die Vielzahl von Produkten mit komplexen Lieferketten. Hier sollte der Handel helfen.

Verbraucher sind heute einkaufserfahren, multioptional, aber auch reizüberflutet und widersprüchlich in ihrem Verhalten. Mit einem persönlichen Wertigkeitsranking setzen sie in ihrem Haushaltsbudget Prioritäten, durchaus auch für nachhaltig(er)e Produkte und Dienstleistungen, wie die steigende Nachfrage nach Bio, Fair Trade oder regionalen Produkten zeigt. Weniger Verpackung und mehr Tierwohl liegen im Trend. Nachhaltiges Engagement in einem gesättigten Markt ist zukünftig also das unternehmerische Differenzierungsinstrument für Hersteller und Händler.

Verbraucher formulieren in Umfragen ihre Erwartungen. Doch sie erzeugen kein Fleisch, bauen keine Baumwolle an und fabrizieren auch keine Autos. Sie delegieren vielmehr diese Aufgaben an die „Profis" und erwarten, dass diese ihre Ansprüche im Produkt und in der Lieferkette umsetzen. Konsumenten wollen auch erfahren, wer was mit welchem Erfolg in Sachen Nachhaltigkeit unternommen hat – und greifen dann (eventuell) zu diesem Produkt.

Verbraucher wollen dazu Informationen – schnell und individuell. Glaubwürdige Labels sind hier der gute Rat. Hersteller können damit gegenüber den Konsumenten ihre Qualitätsunterschiede herausstellen. Händler können diese Produkte listen oder ihre Eigenmarken entsprechend aufwerten.
 
Verbraucher haben über Jahrzehnte „gelernt", dass der Regalpreis entscheidender als die Lebenszykluskosten oder Herstellungsbedingungen ist. Jahrelang wurde ihnen mit medialer Wucht „Geiz" als Wert verkauft. Zukünftig braucht es andere Werte. Nachhaltigkeit hat das Potenzial dazu. „Nachhaltiger, wertiger" muss an die Stelle von „billiger" treten!

Georg Abel ist Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative e. V., einem Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher. Der gemeinnützig anerkannte Verband engagiert sich in der ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Verbraucherarbeit und verfolgt die Vision eines mündigen, verantwortlichen und informierten Konsumenten. Abel berät die Rewe Group seit zehn Jahren im Rahmen des Pro Planet-Prozesses. Er ist zusammen mit vier anderen NGO-Vertretern Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat der Rewe Group.
 
Bernward Geier: Die Probleme des Massenmarkts müssen auch da gelöst werden
© ColaboraDas Pro Planet-Label hat als Orientierungs- und Motivationszeichen für nachhaltigere Produkte auch noch nach 10 Jahren Innnovationscharakter. In dieser Zeit sind aber global die Probleme oder korrekter die Katastrophen wie etwa Klima und Artenvielfalt leider viel größer geworden. Viele Ursachen hierfür liegen im Massenmarkt bzw. im Massenwahn des Massenkonsums. Und so wie die von Menschen gemachten Probleme auch nur von uns gelöst werden können, müssen die im Massenmarkt entstandenen Probleme auch dort gelöst werden.

Als ich vor 10 Jahren mithalf, das Pro Planet-Projekt auf den Weg zu bringen und als Vorsitzender den Beirat zu konstituieren, bekam ich etliche Reaktionen aus „meiner" Biobewegung, wie ich es als „Hardcore-Öko" verantworten könne, bei einem Projekt eines großen Konzerns mitzuarbeiten. Nun ist die Rewe Group kein typischer Konzern, sondern nach wie vor genossenschaftlich geprägt. Mir war mit und nach über 40 Jahren in der Biobewegung auch bewusst, dass wir viel mehr Nachhaltigkeit in unseren Konsum und somit auch in den konventionellen Handel bringen müssen. Dabei war mir klar, dass Veränderungen zu mehr Nachhaltigkeit im Massenmarkt das Drehen an kleinen Rädchen sind. Über die Skalierung erzielen kleine Änderungen, jedoch große Wirkungen.

Wir haben in den 10 Jahren Erfolge gehabt und Fortschritte erzielt, die auch entsprechend anerkannt wurden. So bekam Pro Planet schon nach einem Jahr den deutschen Nachhaltigkeitspreis für das innovativste Projekt im Lande. Rewe verdient mit seinem Engagement immer wieder den Titel „Frontrunner". Ein beindruckendes Beispiel ist etwa die komplette Abschaffung von Plastiktüten. Dies hat mittlerweile die ganze Branche bewegt oder auch genötigt, nachzuziehen.

Der Blick auf Erfolge heißt aber für uns im Beirat und natürlich auch für die Rewe Group keineswegs Ausruhen auf Lorbeeren. Da alle globalen Krisen immer noch größer werden, muss unsere Konsequenz sein, noch mutiger und im wahrsten Sinne des Wortes „radikaler" zu werden, Hotspots aufzulösen, die Nachhaltigkeit verhindern. Profite zu machen, kann in Zukunft nur akzeptabel sein, wenn dadurch die Umwelt selbst nicht nur nicht leidet, sondern nachhaltig profitiert.
 
Bernward Geier, Präsident von Colabora, war 18 Jahre lang Direktor des Weltdachverbandes IFOAM - Organics International und ist ebenfalls Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat der Rewe Group

Dieser Artikel ist in forum 04/2019 - Food for Future erschienen.



     
        
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