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Alex Melzer
Technik | Energie, 08.06.2020

Impfstoff für die Klimakrise

Warum wir mehr denn je saubere Energie und eine starke Solarbranche brauchen

Der 52 GW-Deckel für die Förderung von Solaranlagen ist endlich Geschichte. Tausende Beschäftigte der Solarbranche können aufatmen, Kunden erhalten Planungssicherheit. Was es jetzt braucht, ist ein konkreter Plan für den Ausbau der Erneuerbaren. Die Klimakrise ist die größte Bedrohung für uns und den Planeten, einen Impfstoff zur Bekämpfung wird es hier nicht geben. Saubere Energie ist ein Teil der Lösung. Sie muss ein fester Bestandteil einer Wirtschaft sein, die auf nachhaltigen Prinzipien beruht.
 
Alex Melzer, Gründer des Greentech Start-ups Zolar. © Zolar
Nach zähen Verhandlungen und langem Warten gibt es einen Grund zum Aufatmen. Der im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankerte 52-Gigawatt-Deckel für die Förderung von Solaranlagen soll "unverzüglich” aufgehoben werden, verkündeten Carsten Linnemann (CDU) und Matthias Miersch (SPD) am Montag, 18. Mai 2020. Dass die Förderung von Photovoltaikanlagen auch weitergehen kann, wenn der Ausbau von 52 Gigawatt erreicht ist, verschafft Kunden Planungs- und Investitionssicherheit und lässt die vielen tausend Beschäftigten in der Branche, die um ihren Arbeitsplatz bangten, aufatmen. Der befürchtete Einbruch der Nachfrage nach Solaranlagen bis zu 750 Kilowatt scheint abgewendet. Niedrigschwellige, unbürokratische und digitale Zugangsmöglichkeiten könnten die Photovoltaik weiter ankurbeln. 

Den Worten der Politik müssen schnelle Taten folgen
Aber es ist zu früh, um in bloße Euphorie zu verfallen. Was die Politik schuldig bleibt, ist ein konkretes Datum für das Ende des Solardeckels. Schließlich wird prognostiziert, dass bereits im Juli die 52 Gigawatt Solarstromleistung installiert sein wird. So bleibt also trotz der guten Nachricht ein wenig Unbehagen, ob die Regierungsparteien Wort halten und rechtzeitig den Deckel aufheben. Fest steht: Das Gerangel um die Aufhebung des Solardeckels sät nicht den ersten Zweifel am klimapolitischen Willen der Bundesregierung. Tief Aufatmen können wir erst, wenn der Kurs ganz klar Richtung 100 Prozent Erneuerbare Energien geht. Schließlich ist die Klimakrise die größte globale Bedrohung, vor der wir und die nachfolgenden Generationen stehen. Um unseren Planeten und Menschenleben zu schützen, müssen wir jetzt konkret und diszipliniert handeln. Wir haben nach der Corona-Krise die Chance, durch grundlegende Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem auf Neustart zu drücken. Die Folgen der nach wie vor drohenden Klimakrise bestmöglich einzudämmen, muss oberste Priorität sein.

Energiewende und Verkehrswende zusammen denken
Unsere Wirtschaft nachhaltig und zukunftsfähig gestalten, heißt: schnellstmöglich aus der Kohle aussteigen, am besten noch vor 2030 sowie das Ausbauziel der Erneuerbaren Energien auf 100 Prozent hochschrauben. Wir brauchen Investitionen, um den Ausbau der Energieinfrastruktur für die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität zu gewährleisten.

Dabei muss bei der Energiewende auch die Verkehrswende stärker mitgedacht werden als bisher. Eine Verzahnung bietet sich bei der E-Mobilität. Viele Menschen pendeln täglich weniger als 20 Kilometer zur Arbeit und zurück, was in der Regel bedeutet, dass das E-Auto für die allermeisten Arbeitnehmer bereits heute die Möglichkeit bietet, den Verbrennungsmotor gesellschaftlich und finanziell unattraktiv werden zu lassen. Dazu gehört, dass Elektroladesäulen in Kombination mit regenerativen Energiequellen und dezentralen Einspeisesmöglichkeiten gefördert werden. Dies ermöglicht gegenwärtig bereits die an die heimische Solaranlage angeschlossene Wallbox.

Klimaschutz als unanfechtbares Leitprinzip 
Aus dem "es wäre schön-wenn”- Ziel, dass Deutschland 2050 weitestgehend klimaneutral ist, muss ein unanfechtbares Leitprinzip für alle wirtschaftlichen Maßnahmen werden. Alle Konjunkturmaßnahmen sollten EU-weit, aber auch national strikt an nachhaltige und CO2-arme Wirtschaftsformen geknüpft sein. Die Herausforderung besteht darin, die Klimaschutzziele nicht in Frage zu stellen, aufzuschieben oder sie kurzfristigen CO2-intensiven Wirtschaftsinteressen zu opfern. Während das Warten auf die Klimaschutz konformen Weichenstellungen der Politik häufig einer Geduldsprobe gleicht, können wir selber handeln. Verbraucher und Unternehmer können ein Zeichen setzen und die Erneuerbaren stark machen. Solaranlagen nutzen, heißt nicht nur stets über eine CO2-freie Energiequelle zu verfügen, sondern es garantiert auch Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit. Wer sich für eine eigene Photovoltaik-Anlage entscheidet, symbolisiert Weitsicht für eine lebenswerte Zukunft. 

Alex Melzer hat seine berufliche Laufbahn der Solarindustrie gewidmet: Zunächst arbeitete er als Produktmanager bei der deutschen Solarwatt AG, anschließend in Kanada als Geschäftsführer bei der Soventix Canada Inc., einem globalen Solarprojektentwickler. 2016 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er zusammen mit Gregor Loukidis das Greentech Startup Zolar gründete. Seine Vision: Die Energieerzeugung der Welt auf 100 Prozent erneuerbar umstellen.


     
        
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