82 Leistungen. Ein Vertrag. Ein Preis. Transformation as a Service - Planungssicherheit statt Projekte

Europa größter Importeur und Konsument globaler pflanzlicher Rohstoffe

Baumwolle und Palmöl an vorderster Stelle

Egal ob Kosmetik, Treibstoff oder die künftigen Bioplastik-Strohhalme – für alle diese Güter wird heute auf Palmöl, Soja, Ethanol und andere Rohstoffe zurückgegriffen. Laut einer aktuellen Studie von WU-Wissenschaftler Martin Bruckner und internationalen KollegInnen bezieht Europa heute rund 65 Prozent der pflanzlichen Rohstoffe für Produkte, die nicht der Ernährung dienen, aus dem Ausland. Pflanzenöle – zum Beispiel Palmöl – sind dabei besonders gefragt: 6,3 Millionen Hektar (ca. ¾ der Fläche Österreichs) werden hauptsächlich in Asien rein für den europäischen Bedarf bewirtschaftet. Die hohe Nachfrage nach Palmöl macht vor allem tropische Regionen zu den stärksten Lieferanten. Und der Bedarf steigt weiter.
 
Insbesondere Palmöl bezieht Europa aus dem Ausland. © tristantan, pixabay.com935.000 Tonnen an pflanzlichen Rohstoffen (111 kg pro Kopf) aus dem Ackerbau konsumiert Österreich jährlich alleine für die Produktion von Nicht-Ernährungsprodukten. Zum Vergleich: In Europa liegt der Wert bei 52 Millionen Tonnen oder durchschnittlich 103 kg pro Kopf. Eine aktuelle Studie von Martin Bruckner, Stefan Giljum und Victor Maus vom Institute for Ecological Economics der Wirtschaftsuniversität Wien gemeinsam mit KollegInnen des International Institute for Applied System Analysis (IIASA), der Stockholm University und der Universität Bonn untersuchte die Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe für in Europa konsumierte Produkte. Dabei zeigte sich: Europa benötigt Ressourcen weit über seine Grenzen hinaus. Rund 65 Prozent der benötigten pflanzlichen Rohstoffe stammen von anderen Kontinenten – vielfach aus tropischen Regionen. Im Ernährungsbereich ist der Bedarf Europas an ausländischen Rohstoffen zwar tendenziell ebenfalls steigend, aber mit 15 Prozent deutlich niedriger.
 
Konsumreduktion ist effektiver Umweltschutz
Die meisten pflanzlichen Rohstoffe für Europas Nutzung werden aus Asien bezogen, nach Baumwolle (1,7 Millionen Hektar v.a. aus Indien, China und Pakistan) steht Palmöl hier an zweiter Stelle: Etwa 6,4 Milliarden Liter – geerntet auf einer Fläche von rund 1,6 Millionen Hektar jährlich – werden entweder unverarbeitet oder bereits in Form von verarbeiteten Gütern meist aus Indonesien oder Malaysia nach Europa gebracht. Hier wird es zum Beispiel für Biodiesel, Reinigungsmittel, Seifen, kosmetische Produkte oder Kerzen verwendet. Zudem liefert Asien Kautschuk von rund 1,3 Millionen Hektar Anbaufläche und Kokosöl von 0,7 Millionen Hektar. 1,2 Millionen Hektar der Ackerflächen Asiens werden für die Viehzucht zur Herstellung von Leder und Wolle für den Konsum in Europa genutzt. Der Umstieg von Palmöl auf heimischen Raps ist allerdings keine globale Lösung, sagt Martin Bruckner: „Für die gleiche Menge an Öl bräuchten wir in Europa dreimal so viel Fläche, die Folge wären erhöhte Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverluste. Nur durch eine starke Reduktion unseres Konsums können die Ökosysteme unseres Planeten effektiv geschützt werden."
 
Aus den USA holt Europa maisbasiertes Ethanol, vorwiegend zur Beimengung zu Benzin.
 
Massive Entwaldung, globale Problemverlagerung
Die massive Ausweitung an Ölpalmplantagen fordert eine zunehmende Abholzung natürlicher tropischer Wälder. Studienautor Martin Bruckner erklärt: „Die starke Entwaldung führt zu einer hohen Freisetzung an Treibhausgasen – wir sehen, dass die Rodungen südostasiatischer Wälder bis zum Jahr 2002 sogar mehr Emissionen als chinesische Kohlekraftwerke im selben Zeitraum verursachten. Zudem zeigen sich erschreckende Verluste an Biodiversität".
 
Die derzeit von der Politik gesetzten Schritte greifen für Bruckner und seine KollegInnen zu kurz: „Wir sehen, dass einige umweltpolitische Maßnahmen eher Probleme verlagern, als sie zu lösen. Beispielsweise führte die Biokraftstoffverordnung zwar einerseits zu verringerten CO2-Emissionen im heimischen Verkehr, verursachte aber ein ungeahntes Ausmaß an globaler Entwaldung und somit die Zerstörung wertvoller Ökosysteme. Die derzeitige Richtlinie zum Verbot von Einweg-Plastik lässt Ähnliches befürchten. Zwar könnte dadurch Plastik in den Weltmeeren reduziert werden, doch auch das Geschäftsmodell hinter Bioplastik ist sehr ressourcenintensiv", so Bruckner.
 
Über die Studie
Zur Berechnung des Flächenfußabdrucks nutzten die AutorInnen einerseits ein globales Handelsmodell, welches Produktflüsse in physischen Einheiten abbildet und es erlaubt, landwirtschaftliche Produkte entlang internationaler Handelsrouten zu verfolgen. Andererseits wurde ein globales ökonomisches Modell (EXIOBASE) in komplementärer Form integriert, um industrielle Wertschöpfungsketten abzubilden. Die Studie wurde mit Unterstützung des Deutschen Umweltbundesamts erstellt und ist Teil des mit 2 Millionen Euro dotierten Forschungsprogramms FINEPRINT des Institute for Ecological Economics der WU Wien, das globale Rohstoffflüsse und die damit einhergehenden Umweltfolgen untersucht.
 
Zitation: Bruckner, M., Häyhä, T., Maus, V., Giljum, S., Fischer, G., Tramberend, S., Börner, J., 2019. Global land use driven by the EU non-food bioeconomy. Environmental Research Letters 14, 045011. 
 
Kontakt: Mag. Anna Maria Schwendinger, Wirtschaftuniversität Wien | anna.schwendinger@wu.ac.at


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Kreislaufwirtschaft
  • Biodiversität
  • Bildung
  • Wasserweisheiten
  • Altöl im Kreislauf
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
23
NOV
2026
Energie- & Umweltgipfel 2026: Produzierende Industrie
Where Industrial Transformation Creates Competitive Advantage
10623 Berlin
23
NOV
2026
European Sustainability Week
Built on Trust. Driven by Insight. Focused on Impact. - Ticketrabatt für forum-Leser*innen
53639 Königswinter
Alle Veranstaltungen...
Energie- & Umweltgipfel 2026
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Naturschutz

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen
Christoph Quarchs Überlegungen zur Sonnenfinsternis am 12. August
Munich Climate Week 2026
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Alle sind aufgerufen, einen Atomkrieg zu verhindern

BN-Donauschifffahrt zeigt den Wert der frei fließenden Donau auf

Konkrete Gefahren für Betriebe

Ein Wochenende voller Musik, Kunst und Begegnung

11. Internationaler Bodentag zum Thema "Gesunder Boden: vom Acker zum Teller" am 18,/19. November 2026 in Neunburg v. Wald

EthioTrees ist das Leuchtturm-Projekt 2026

PLAN-B NET ZERO gewinnt zweiten PaaS-Kunden

Regenwald-Konferenz erhält den "Making a Difference" Award 2026 des Jane Goodall Instituts Deutschland

B.A.U.M. Insights
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • SUSTAYNR GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • WWF Deutschland
  • Zendure DE GmbH
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • 66 seconds for the future
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Engagement Global gGmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen