Supply chain insights

5 Jahre Brand Performance Checking

Faire Arbeitsbedingungen in der textilen Lieferkette – die Mode-, Sport- und Outdoorbranche genauso wie Hersteller für Berufsbekleidung und B2B-Marken haben in den vergangenen fünf Jahren viel unternommen, um die Konditionen in ihren Lieferketten zu verbessern. 88% der Mitgliedsunternehmen der Fair Wear Foundation erzielen Ergebnisse der Kategorien „gut" und „Vorreiter". Die Motivation, etwas zu verbessern, ist offensichtlich gestiegen. Die Arbeitsbedingungen in der textilen Lieferkette effektiv zu verbessern, das haben sich die Mitglieder der Fair Wear Foundation (FWF) auf die Fahne geschrieben. Und zwar in dem sie ihre Geschäftspraktiken in der Zusammenarbeit mit ihren Herstellern genau hinterfragen und zum Positiven verändern.
 
Die Mitglieder der Fair Wear Foundation setzen sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der Textilbranche ein. © Fair Wear FoundationVon einer unabhängigen und gemeinnützigen NGO, der FWF, lassen sie ihre Arbeit überprüfen und berichten öffentlich darüber. Zum ersten Mal hat die unabhängige Non-Profit-Organisation aus den Niederlanden eine externes Beratungsunternehmen beauftragt, die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre zu analysieren. Die Erkenntnisse wurden am heutigen Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Ethical Fashion Show Berlin während der Berlin Fashion Week veröffentlicht. Datengrundlage sind 241 Brand Performance Checks in den Jahren von 2013 bis 2017. Sie basieren auf den Überprüfungen von 130 Mode-, Outdoor-, Berufsbekleidungs- und B2B-Marken, deren Produkte an über 20.000 Verkaufspunkten in mehr als 80 Ländern verkauft werden. 

Die Arbeitskonditionen in den Fabriken können nicht getrennt von den Geschäftspraktiken der Marken betrachtet werden. Die Entscheidungen des Managements haben einen enormen Einfluss auf gute oder schlechte Arbeitsbedingungen. Marken müssen den Willen haben, ihre Arbeitsweisen zu verändern, zum Beispiel durch eine bessere Produktionsplanung oder die Anpassung von Preisen. Das ebnet den Weg für einen wesentlichen Wandel’ ~ Lotte Schuurman, Communications Manager der FWF
 
Die Ergebnisse im Überblick 
China, Indien und die Türkei sind nach wie vor die wichtigsten Produktionsländer für Textilien und Bekleidung, hier ist das größte Produktionsvolumen der FWF Mitglieder verortet. Um in diesen Ländern von fairen Arbeitsbedingungen sprechen zu können, gibt es noch große Hürden zu überwinden:
  • CHINA China ist nach wie vor der größte Exporteur von Bekleidungsprodukten.
    Übermäßige Überstunden sind aufgrund von Arbeitskräftemangel und Termindruck für die Lieferungen weit verbreitet.
  • INDIEN Die Textil- und Bekleidungsindustrie spielt eine wichtige Rolle für das indische Wirtschaftswachstum. Dass Arbeiterinnen oftmals sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind, bleibt eine große Herausforderung.
  • TÜRKEI In den tieferen Bereichen der Lieferkette kann Kinderarbeit zum Einsatz kommen. Die Ankunft syrischer Flüchtlinge in der Türkei erhöht das Risiko von Kinderarbeit in den Bekleidungsfabriken.
Was FWF-Mitglieder erreicht haben 
Wissen was los ist – das ist der erste Schritt, um verantwortungsvolle Geschäftspraktiken und eine faire Lieferkette sicherzustellen. Die Mehrheit der FWF Mitglieder kennt ihre Lieferkette und weiß, was vor Ort vor sich geht. Sie unternehmen große Anstrengungen, um Risiken zu minimieren und Probleme mit ihren Zulieferern zu beseitigen. In den drei Kategorien „Vorreiter", „gut" und „verbesserungsdürftig " wurde per August 2017 ein Großteil der Marken
(61%) als „gut" eingestuft. Diese Marken tun mehr als ein durchschnittliches Bekleidungsunternehmen.

Die Motivation etwas zu verbessern, ist in den vergangenen Jahren größer geworden. So ist der Anteil an Marken in der Vorreiter-Kategorie in den vergangenen Jahren schrittweise auf 27% aller FWF-Marken im Jahr 2017 gestiegen, sie haben außergewöhnlich hohe Leistungen erbracht. Hier tun sich insbesondere Outdoor und Sportmarken hervor. Die Anzahl der Marken, die als „verbesserungsdürftig" bewertet wurden, sank zwischen 2013 und 2017 auf 6%. Die Mitgliedschaft von fünf Marken wurde während dieses Zeitraums ausgesetzt.

Auf dem Weg zu mehr Fairness haben die Vorreiter unter den FWF-Mitgliedsunternehmen in den vergangenen fünf Jahren vor allem eine oder mehrere der folgenden Maßnahmen ergriffen:
  • Das Produktionsvolumen pro Lieferant erhöhen, um Einfluss ausüben zu können (Hebelwirkung)
  • langfristige Partnerschaften aufbauen
  • ein leistungsfähiges Produktionsplanungssystem etablieren, um übermäßigen Überstunden entgegenzuwirken
  • fortschrittliche Ansätze in der Preispolitik entwickeln, z.B. erste Schritte in Richtung eines grundlegenden Ansatzes für existenzsichernde Löhne
Fazit
Die Entscheidungen der Bekleidungsmarken haben einen enormen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in den Lieferländern. Der Weg zu verantwortungsvollen Geschäftspraktiken und einer fairen Lieferkette braucht Zeit. Die Vorreiter-Unternehmen der FWF zeigen, dass ein nachhaltiger Wandel möglich ist und dass sie durch andere Geschäftspraktiken sehr viel bewirken können.
 


     
        
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