Investmentfonds ausgezeichnet

45 nachhaltige Investmentfonds erhalten Qualitätsssiegel

Nachhaltiges Investment gehört zu den Wachstumsfeldern der Finanzbranche. Nicht nur die Anlagevolumina steigen von Jahr zu Jahr zweistellig. Zum Jahresultimo 2016 im DACH-Raum auf ein Allzeithoch von fast einer halben Billion €, die unter Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien investiert waren. Auch die Qualität der Produkte nimmt zu. Die Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen (GNG) zeichnete in Berlin 45 Investmentfonds von 21 Fondsgesellschaften mit dem FNG-Siegel aus. Unter den Bewerbern befanden sich sechs Häuser, die sich erstmals dem Audit unterzogen. Unter den ausgezeichneten Fonds befanden sich nicht nur traditionelle Investmentsfonds sondern auch "innovative" Produkte wie Wandelanleihenfonds, Green Bonds-Fonds oder Emerging Market-Produkte. Obwohl das FNG-Siegel erst seit drei Jahren am Markt ist, gilt es als das in Deutschland verbreitetste Gütezeichen für nachhaltige Investments.

Die Kriterien für das FNG-Siegel basieren auf der Erfüllung von Mindeststandards und darauf aufbauend drei Qualitätsstufen, wobei der Anspruch der Kriterien in diesem Jahr angehoben wurde. 2017 erreichten 9 Fonds die höchste Qualitätsstufe, darunter Produkte der Fondsgesellschaften Erste Sparinvest (Österreich), Raiffeisen KAG (Österreich) sowie Triodos Invest Management (Holland). Georg Schürmann, Geschäftsleiter der deutschen Niederlassung der Triodos Bank, bestätigt, dass das Siegel die Bedeutung nachhaltiger Geschäftsmodelle für Finanzinstitute stärkt, einen Impuls für den Markt bedeutet und - nicht zuletzt - die Aufmerksamkeit (privater) Anleger auf die jeweiligen Produkte lenkt.
 
Mehr zum Thema "Nachhaltiges Investment" lesen Sie in der Ausgabe 4/2017 von forum Nachhaltig Wirtschaften.
Dass ein Gütezeichen, etwa das FNG-Siegel, nicht nur bei Anbietern etwas bewegt, zeigt der Markt. In den letzten drei Jahren hat sich ihre Zahl auf 13 mehr als verdoppelt - mit weiter steigender Tendenz. Zunehmend setzt sich in der Branche die Erkenntnis durch, dass die Komplexität nachhaltiger Anlageprodukte und ihre Qualität besser durch Gütezeichen wie Zertifikate, Siegel, Label oder Marken vermittelt werden können. Dies gilt vor allem im Geschäft mit privaten Kunden. Denn während institutionelle Investoren,  Stiftungen oder Pensionskassen derzeit Impulse für die Marktdynamik setzten, beläuft sich der Anteil der "Privaten" an den nachhaltigen Anlagen nur noch auf etwa 10%. Allerdings warnen Brancheninsider davor, eine Inflation von Gütezeichen könne mehr Verwirrung schaffen als Orientierung geben. Warnende Beispiele hierzu liefert die Nahrungsmittelindustrie ebenso wie der Vertrieb von Ökostrom. Um Fehler anderer Branchen nicht zu übernehmen, wird daher konzeptionelle Stärke für Gütezeichen im Finanzsektor gefordert.

Das FNG-Siegel findet in diesem Umfeld zunehmend Anerkennung. Sowohl als Gütezeichen für Retailprodukte als auch als Orientierungsmaßstab institutioneller Investoren. Der nordrhein-westfälische Pensionsfonds, immerhin € 10,4 Mrd. schwer, richtet zum Beispiel seine Anlagepolitik auf die Kriterien des FNG-Siegels aus. Auch reichweitenstarke Finanzportale integrieren das Siegel zunehmend in ihre Daten. Dass Gütezeichen am Markt zum Teil (noch) kritisch diskutiert werden, darüber ist sich auch die GNG bewusst. Auch die Zahl politischer Initiativen zur Sustainable Finance wächst. Damit das FNG-Siegel in dieser Pluralität nicht untergeht, verfolgt die FNG als Zeichengeber gemeinsam mit dem französischen Ratingsdienstleister Novethic eine Strategie, die auf Transparenz und kontinuierliche Verbesserung setzt.
 
"Wir setzen bei der Weiterentwicklung des Siegels auf die Breite des Bewertungsansatzes und die Stärke der Kriterien, um die Akzeptanz des Siegels und seine Visibilität am Markt zu stärken", so der Geschäftsführer der GNG, Roland Kölsch. Aktuelle Überlegungen, die Bewertungsmethodik zukünftig stärker an den 17 Zielen der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) auszurichten, werden sich 2018 konkretisieren. Eine strategisch kluger Ansatz, denn die SDG werden bis zum Jahr 2030 auch das Handeln von Finanzinstituten entscheidend mitbestimmen. Erst vor wenigen Wochen verdeutlichten dies Referenten auf der Euro Finance Week in Frankfurt. Und letztlich - trotz aller Erfolgsmeldungen führt Nachhaltigkeit im Kapitalanlagegeschäft immer noch ein Nischendasein. Die Entzauberung dieser Nische bietet für Anbieter und Investoren spannende Perspektiven.
 
Hier finden Sie weitere Beiträge von Markus Scholand.
Dr. Markus Scholand


     
        
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