Gesellschaft | Bildung, 19.09.2017
Let's go - Familien, Kids und Kitas
Schule fürs Leben bekommt UN-Auszeichnung
Wenn Kinder viel draußen sind, ist das nicht nur gesund, sondern auch die beste Schule fürs Leben. Das ist ein Ergebnis des Symposiums "Let's go - Familien, Kids und Kitas", das heute in Kassel endete. Ausgezeichnet wurde dort auch das gleichnamige Projekt des Deutschen Wanderverbands als "Anerkanntes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt".
In ihrer jährlichen Studie "Bildung auf einen Blick 2017", die die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gerade veröffentlicht hat, heißt es: "Die Teilnahme an qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung und Erziehung ist für die späteren Bildungsergebnisse besonders wichtig." Spätere Maßnahmen seien "weniger effizient", weil sich dann ein "Entwicklungsfenster" der Kinder bereits geschlossen habe, so die OECD. Wie eine qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung und Erziehung aussehen sollte, umrissen die Referenten des vom Deutschen Wanderverband (DWV) in Kassel organisierten Symposiums "Let's go - Familien, Kids und Kitas". Dr. Christiane Richard-Elsner, Projektleiterin Draußenkinder im ABA Fachverband für handlungsorientierte Pädagogik, beschrieb, wie wertvoll Naturerfahrungen für die Persönlichkeitsbildung von Kindern sind, wenn der Aufenthalt in der Natur Platz für eigenständige Entdeckungen lässt. Warum es zugleich auch sehr gesund ist, wenn Kinder draußen sind, erläuterte Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich, Professorin i.R. der Universiät Bayreuth und Vorstandsvorsitzende der Plattform Ernährung und Bewegung.
Maria Becker, Leiterin der Unterabteilung Prävention im Bundesministerium für Gesundheit, betonte in ihrem Grußwort, wie wichtig es sei, Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten wie Kita und Schule zu stärken. Genau das beabsichtige auch das Präventionsgesetz, das 2015 in Kraft getreten ist. Kitas und Schulen seien längst nicht mehr nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch Sozial- und Lebensräume, in denen Gesundheitsförderung eine zunehmend wichtige Rolle spiele.
Neben Theoretischem bekamen die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums Beispiel aus der Praxis geboten. So stellte der DWV sein Modellprojekt "Let's go - Familien, Kids und Kitas" vor, das die Bewegung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren und Familien fördert. Dafür arbeiten seit Oktober 2016 Familien und Ortsgruppen von Wandervereinen mit Kindergärten und Kindertagesstätten (Kitas) in vier Modell-Tandems zusammen. Einmal wöchentlich finden gemeinsame Wanderungen in den Kitas statt, einmal im Monat gibt es Wanderungen für alle am Projekt beteiligten Familien.
In Kassel bekam das Modellprojekt nun die Auszeichnung als "Anerkanntes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt". Diese Ehrung wird nur Projekten zuteil, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen. Ab sofort wird das Projekt auch auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter www.undekade-biologischevielfalt.de vorgestellt.
Für die Auszeichnung musste das Projekt am Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt teilnehmen und sich der Bewertung durch eine namhafte Jury stellen. Der fortlaufende Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt mit Sitz in Hürth ausgerichtet. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel und macht den Beteiligten bewusst, dass ihr Einsatz für die lebendige Vielfalt Teil einer weltweiten Strategie ist.
DWV-Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß sieht in der Förderung von Projekten, die Kinder raus in die Natur bringen eine der Kernaufgaben seines Verbandes. "Sensibilisierung für unsere Umwelt, Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheitsprävention - all das fördern wir, wenn wir Kindern und Jugendlichen helfen, Spaß am draußen sein zu entwickeln", so der Präsident.
Das Modellprojekt des Deutschen Wanderverbands wird durch das Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen von INFORM, Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, gefördert. Das Symposium wird zudem von der Wilhelm-Münker-Stiftung unterstützt.
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