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Die Kraft der Filme

Filmfestival für den Klimaschutz

Vor zehn Jahren sieht Kai Pulfer „An Inconvenient Truth". Al Gores Film über den Klimawandel ist wie ein Weckruf. Um möglichst viele Menschen für das Thema zu sensibilisieren, gründet Pulfer den Verein Filme für die Erde. Mittlerweile organisiert er das größte Umweltfilm-Festival in der Schweiz – und hat noch größere Pläne.
 
Eine Bürogemeinschaft mitten in der Winterthurer Altstadt. Fünf Zimmer im zweiten Obergeschoss, an den Wänden aus Kalendern ausgeschnittene Landschaftsbilder, am Ende des Flurs eine kleine Küche, Regale voller DVDs. Das ist das Zuhause des Vereins Filme für die Erde. Zusammen mit einem Gamedesigner und zwei Therapeuten teilen sie sich die Bürowohnung und leben damit im Kleinen, was sie im Großen propagieren: gemeinsam Nachhaltigkeit und Bewusstsein schaffen. Das Team ist überschaubar: vier Festangestellte, zwei davon für das Fundraising zuständig, sowie der Geschäftsleiter und die Verantwortliche für Kommunikation und Administration. Unterstützt werden sie von Praktikantinnen und einer Arbeitsintegrationsstelle. Das Engagement ist groß; wer hier arbeitet, erledigt nicht einfach einen Job, sondern brennt für das Thema Nachhaltigkeit und will die Welt jeden Tag ein kleines Stück besser machen. 
Über 150 Freiwillige unterstützen das größte Umweltfilm-Festival der Schweiz. © Filme für die Erde
Mit einer unbequemen Wahrheit hat alles angefangen
Als Kai Pulfer, heutiger Geschäftsführer von Filme für die Erde, vor zehn Jahren den Film „An Inconvenient Truth" sah, war für ihn klar, dass er nicht mehr untätig zusehen konnte. Er realisierte, dass der Klimawandel alle Lebewesen auf der Erde betrifft und unterstützte sodann ein lokales Klimaschutzprojekt. Doch Pulfer wollte noch mehr Menschen über das Thema Nachhaltigkeit informieren und sie dazu bewegen, anzupacken und gemeinsam die Welt zu verändern. Bei der Frage, wie das möglich ist, landete er beim Thema Film. Die Idee ließ ihn nicht mehr los und so gründete er den Verein Filme für die Erde, um mit packenden Dokumentarfilmen Menschen aufzurütteln und aufzuklären. Was als kleiner Verein begann, wurde mit den Jahren immer größer – die Gemeinschaft wuchs und konnte immer mehr Menschen erreichen und zum Umdenken bewegen. So ist Kai Pulfer seit zehn Jahren jeden Tag „voll motiviert, das Bewusstsein zu schaffen, was auf unserem Planeten passiert". Und er ergänzt: „Ich möchte dazu beitragen, dass wir das Leben auf der Erde und damit natürlich auch die Menschheit erhalten können". Aber warum Filme? Filme sprechen die Emotionen an, wie es Kai Pulfer selbst mit „An Inconvenient Truth" erlebt hat: „Emotionen helfen, Zusammenhänge zu verstehen und sie motivieren zu handeln. Deshalb sind Filme eine ideale Form, um Menschen zu informieren und zu bewegen."

Das größte Umweltfilm-Festival der Schweiz
Neben den Filmen informieren auf dem Filme für die Erde-Festival NGOs über Möglichkeiten zum nachhaltigen Leben. © Filme für die ErdeUm möglichst viele Menschen auch außerhalb der Wohnzimmer zu erreichen, führt Filme für die Erde bereits seit sieben Jahren ein jährliches Festival durch. Immer an einem Freitag Ende September, immer sechs Filme, immer in über 17 Städten in der Schweiz – das macht das Filme für die Erde-Festival zum größten Umweltfilm-Festival der Schweiz. 

Ein wichtiger Teil des Festivals ist das Schulkino am Vormittag, an dem drei Filme eigens für Schulklassen ausgewählt und aufgeführt werden. 2016 wurde es von 10.000 Schülerinnen und Schülern besucht, Tendenz steigend. „Die Lehrpersonen schätzen das Angebot sehr und wir bekommen viel positives Feedback", sagt Alina Glückstadt, die bei Filme für die Erde für die Kommunikation verantwortlich ist. „Wir zeigen den Schulklassen nicht nur die Filme, sondern stellen ihnen auch Unterrichtsmaterial zur Verfügung und kommen auf Wunsch zusammen mit unserem Partner myclimate für Impulslektionen in die Klasse, um so die Themen der Filme aufzugreifen und zu vertiefen." 

Über das Medium Film hinaus Bewusstsein schaffen
Auch im Abendprogramm des Festivals begnügt sich Filme für die Erde nicht damit, einfach zwei Filme zu zeigen. Am Hauptaustragungsort in Winterthur gibt es ein Podiumsgespräch mit Expertinnen und Experten zum Hauptthema des Festivals. Das Gespräch wird live an die anderen Standorte des Filmfestivals übertragen. Zudem wird das Festival von den Ausstellungen lokaler Nachhaltigkeits-Pioniere umrahmt: Über 60 NGOs der Schweiz kommen zusammen und informieren über Handlungsoptionen, mit denen jeder Einzelne im Publikum ein nachhaltigeres Leben führen kann. Während des Apéros, einer guten Gelegenheit zum Netzwerken, verteilt Filme für die Erde Weitergabe-DVDs. Die Idee ist, dass die Besuchenden des Festivals die DVDs der Filme mitnehmen, die sie besonders berührt haben und an ihre Freunde weitergeben. So sollen die Filme weitere Kreise ziehen und noch mehr Menschen erreichen. 

Die Reichweite des für die Besucher kostenlosen Festivals lässt sich sehen: Bis jetzt wurde es in den sieben Jahren von rund 50.000 Personen besucht. „Und wenn man die Weitergabe-DVDs dazuzählt, erreichen wir pro Festival jeweils nochmals tausende von Menschen", betont Alina Glückstadt. Bei der Durchführung des Festivals wird das Kernteam von Filme für die Erde von etwa 150 freiwilligen Helfern unterstützt. Diese führen das Festival in den jeweiligen Städten selbständig durch, nachdem sie in einem eintägigen Kurs auf ihre Aufgaben vorbereitet wurden. Zudem ist der Verein Filme für die Erde auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen – zum Beispiel die Swisscom, die seit 2008 als Hauptsponsorin die Arbeit von Filme für die Erde wesentlich unterstützt. Dieses Jahr findet das Festival am Freitag, den 22. September statt, erneut mit einer Auswahl hochkarätiger und topaktueller Filme. 

Botschafter in der Schweiz und Deutschland
Rund 50.000 Menschen besuchten in sieben Jahren das Filme für die Erde-Festival. Und viele mehr wurden durch Übergabe-DVDs erreicht. © Filme für die Erde
Filme für die Erde hat den Bekanntheitsgrad mittlerweile weit über Winterthur hinaus ausgeweitet. In der ganzen Schweiz und auch in Deutschland hat der Verein mittlerweile über 400 Mitglieder, die jedes Jahr zwei bis vier Weitergabe-DVDs zugeschickt bekommen und somit die Botschaft in ihrem Umkreis verbreiten. Filmabende zu organisieren ist groß im Trend und so finden über das Jahr um die 50-60 kleinere Filmevents schweizweit statt. Am jährlichen Earth Day, dem 22. April, schenkt der Verein allen Mitgliedern eine Filmlizenz und so kommen allein an diesem Tag über 30 Filmevents zustande. Der Verein ist sehr dankbar, dass so viele Menschen ihren Teil zu der Verbreitung des Wissens beisteuern. 

Zum Jubiläum ein neues Ziel
2017 feiert Filme für die Erde das zehnjährige Jubiläum. Ein Grund zum Feiern, doch sich auf den Lorbeeren auszuruhen ist nichts für den dynamischen Verein. Das nächste Ziel steht bereits fest: die Internationalisierung. Die Kompetenz von Filme für die Erde ist nicht nur in der Schweiz und dem deutschsprachigen Raum, sondern international relevant. Denn Filme für die Erde ist die umfangreichste Website zum Thema Film und Nachhaltigkeit weltweit. Bereits jetzt können über 100 der besten Umweltdokumentarfilme gratis oder als Video on Demand direkt auf der Website angeschaut werden. Um die Wirkung von Filme für die Erde auch außerhalb der Schweiz zu entfalten, arbeitet der Verein an einer international zugänglichen Datenbank. Das Ziel ist, dass Organisationen auf der ganzen Welt auf die Datenbank zugreifen und mit ihr arbeiten können. 
 
von Barbara Naegeli

Umwelt | Umweltschutz, 18.09.2017
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2017 - Tierische Geschäfte erschienen.
     
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