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Technik | Energie, 08.09.2017

Erneuerbare überflügeln Atomkraft auch in der Europäischen Union

Anteil der Erneuerbaren am Strommix legt zu, während Kernkraft an Bedeutung verliert

In der Europäischen Union wächst der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix, während die Atomkraft weiter an Bedeutung verliert. Wie aus Daten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) hervorgeht, sank die Produktion von Atomstrom im immer älter werdenden EU-Kraftwerkspark 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf rund 800 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Im Gegenzug erhöhte sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien um rund 2 Prozent auf mehr als 950 Mrd. kWh. Dabei konnten laut Daten von Agora Energiewende alle wichtigen Erneuerbaren-Technologien leicht zulegen. „Der Trend geht klar in Richtung Erneuerbare Energien, auch wenn der Ausbau noch zügiger voranschreiten kann. Damit die Atomkraft europaweit endlich an ihren wahren horrenden Kosten gemessen wird und ins Museum kommt, braucht es faire Regeln in der EU", erklärt der stellvertretende Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Nils Boenigk.
 
Quelle: AG EnergiebilanzenIn den kommenden Jahren werden die Erneuerbaren weiter zulegen. Denn die installierte Leistung Erneuerbarer Energien zur Stromproduktion ist im ver-gangenen und in diesem Jahr in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten spürbar gestiegen. In Frankreich erhöhte sich 2016 die installierte Leistung in den Technologiesparten Windkraft und Bioenergie gegenüber dem Vorjahr jeweils zweistellig. Insgesamt stieg die installierte Anlagenleistung Erneuerbarer Energien zur Stromproduktion um 2.200 Megawatt (MW) auf knapp 46.000 MW. Die neue französische Regierung hat das Ziel bekräftigt den dominierenden Anteil der Atomenergie bis 2025 auf 50 Prozent abzusenken und dazu bis zu 17 Atomreaktoren stillzulegen. Knapp die Hälfte aller EU-Atomreaktoren steht in Frankreich. In Deutschland geht Ende dieses Jahres Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen vom Netz. Dann verbleiben noch sieben Reaktoren, darunter Brokdorf, wo es in diesem Jahr zu einer langen Produktionspause gekommen war. Trotz Atomausstiegsbeschluss ist Deutschland bislang vor Großbritannien und Schweden immer noch der zweitgrößte EU-Atomstromproduzent. 
 
Trotz des Aufstiegs der Erneuerbaren Energien halten einzelne EU-Mitglied-staaten an der Kernkraft fest, darunter Großbritannien und Finnland, wo geplante oder in Bau befindliche Neubauprojekte mit großen Schwierigkeiten und Verzögerungen behaftet sind. Die EU-Kommission hat hohe Subventionen der britischen Regierung für das Kernkraftwerk an der englischen Westküste genehmigt, das knapp 20 Mrd. britische Pfund (21,4 Mrd. Euro) kosten und in zehn Jahren erstmals Strom produzieren soll. Die EU-Kommission hat in diesem Sommer auch ihre Unterstützung für den sogenannten Keltischen Interkonnektor gegeben, eine 600 km lange Stromtrasse von Frankreich nach Irland, die eine direkte Verbindung der Iren zum europäischen Festland bieten soll. „In der EU gilt es sicherzustellen, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht durch Atomstromexporte zu Dumpingpreisen gefährdet wird", erklärt Boenigk mit Blick auf die Marktmechanismen. „Bei der aktuellen Reform der Erneuerbaren Energien-Richtlinie (RED II) muss die EU die Gelegenheit ergreifen, mit Ausbauzielen und Marktzugangsregeln einen fairen Wettbewerb für die Erneuerbaren Energien zu gewährleisten."
 
Atomausstieg auch in Fernost
Der Atomausstieg findet im Übrigen auch außerhalb Europas immer mehr Anhänger. So hat Südkorea unter seiner neuen Regierung das Ende der Kernkraft beschlossen. Ähnlich wie Deutschland vor dem Atomausstieg sind in Südkorea bislang Kohle und Atomkraft die dominierenden Stromproduzenten. Auch Taiwan hat den Atomausstieg beschlossen. „Nur noch wenige große Staaten treiben aktiv den Ausbau der Kernkraft voran, während immer mehr Länder sich aktiv von der Risikotechnologie verabschieden", bilanziert Boenigk.
 
Die Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (AEE) leistet Überzeugungsarbeit für die Energiewende. Ihre Aufgabe ist es, über die Chancen und Vorteile einer Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien aufzuklären - vom Klimaschutz über eine sichere Energieversorgung bis hin zur regionalen Wertschöpfung. Die AEE wird getragen von Unternehmen und Verbänden der Erneuerbaren Energien. Sie arbeitet partei- und gesellschaftsübergreifend. Mehrere ihrer Kommunikationsprojekte werden von den Bundesministerien für Wirtschaft und für Landwirtschaft gefördert.
 
Kontakt:
Alexander Knebel, Agentur für Erneuerbare Energien


     
        
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