Gesellschaft | Politik, 31.05.2017
Je gerechter, desto grüner
Forscher finden Zusammenhang zwischen der Ungleichheit von Einkommen und dem ökonomischen Wert der Natur.
Forscher der Universitäten Freiburg, Kiel und Berlin haben herausgefunden, dass der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft unter anderem von der Einkommensungleichheit in der Gesellschaft bestimmt wird. „Soziale Gerechtigkeit und Naturschutz stehen nicht unbedingt in einem Konflikt zueinander, anders als häufig behauptet wird. Vielmehr können Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit in einer gesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Betrachtung auch den Naturschutz stärken", betont Stefan Baumgärtner, Professor für Umweltökonomie und Ressourcenmanagement an der Universität Freiburg und Leiter der Studie. Die Wissenschaftler haben ihre Theorie im „Journal of Environmental Economics and Management", der führenden Fachzeitschrift der Umweltökonomie, vorgestellt und anhand eines umfangreichen empirischen Datensatzes zu Naturbewertungen in 22 Ländern weltweit quantifiziert.
Natürliche Ökosysteme sind für Menschen aus vielen Gründen nützlich. Sie stellen Wasser, Nahrungsmittel, Baustoffe, Energie und Medikamente bereit; sie regulieren das Klima und die Ausbreitung von Krankheiten; und sie haben wichtige kulturelle Bedeutung. Aus all diesen Gründen hat Natur einen ökonomischen Wert für Menschen. „Auch wenn dieser Wert nicht offensichtlich ist, da die meisten und wichtigsten Leistungen der Natur nicht auf Märkten gehandelt werden, sollte er bei Entscheidungen über den Umgang mit Natur, zum Beispiel bei der Planung neuer Verkehrswege, Wohn- oder Gewerbegebiete, berücksichtigt werden", betont Baumgärtner. Dass der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft umso höher ist, je höher das durchschnittliche Einkommen in der Gesellschaft ist, war schon länger bekannt. Das liegt daran, dass bei der ökonomischen Naturbewertung die Leistungen der Natur mit dem Nutzen von Konsumgütern verglichen werden. Wer über ein höheres Einkommen verfügt, kann mehr konsumieren und wird damit normalerweise auch der Natur einen höheren Wert zusprechen.
Unklar war bislang, welchen Einfluss die Ungleichheit der Einkommensverteilung auf den ökonomischen Wert der Natur hat. Diese Frage ist nun beantwortet: Wenn die Leistungen der Natur für das menschliche Wohlbefinden gut durch von Menschen produzierte Güter und Dienstleistungen ersetzt werden können, ist der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft umso höher, je gleichmäßiger die Einkommen in dieser Gesellschaft verteilt sind. In diesem Fall gilt umgekehrt auch: Je ungleicher die Einkommen verteilt sind, desto geringer ist der ökonomische Wert der Natur für die Gesellschaft. Die empirischen Daten deuten darauf hin, dass die Bedingung der guten Ersetzbarkeit für viele Leistungen der Natur auf dem derzeitigen Konsumniveau erfüllt ist.
„Dieses Ergebnis ist wichtig, weil es einen klaren Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und Naturschutz herstellt", sagt Baumgärtner. Einkommensungleichheit führe nach diesem Ergebnis nämlich zu einer Unterbewertung von Natur. Eine Verringerung von Einkommensungleichheit hätte demnach eine Höherbewertung von Natur zur Folge. Damit würde die Natur in Entscheidungen über wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen auch einen höheren Stellenwert erhalten
Kontakt: Prof. Dr. Stefan Baumgärtner, Universität Freiburg | stefan.baumgaertner@ere.uni-freiburg.de
www.ere.uni-freiburg.de
www.ere.uni-freiburg.de
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026
- Militär & Märkte
- Grüner Wasserstoff
- Moorschutz als Invest
- ESG loves KI
Kaufen...
Abonnieren...
18
APR
2026
APR
2026
Erneuerbare Energien verteidigen
Großdemonstrationen in mehreren Großstädten
Berlin, Hamburg, Köln, München
Großdemonstrationen in mehreren Großstädten
Berlin, Hamburg, Köln, München
21
APR
2026
APR
2026
20
JUN
2026
JUN
2026
Anzeige
Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.
Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.
Naturschutz
Der Mensch als Herr und Meister über die Natur?Christoph Quarch weist auf das Schöpferische und Kreative im wilden Leben hin
Jetzt auf forum:
Strukturelle Änderungen statt nur Brände löschen
Norman Foster: Architektur als Vision einer nachhaltigen Zukunft
Software DataCross digitalisiert Nachhaltigkeit und Compliance in der Lieferkette
Das Ende der Deutungshoheit. Oder ihr Neuanfang.
Meereswettbewerb „Forschen auf See“




















