66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Wie sich Lebensmittelabfälle in Betrieben vermeiden lassen

Forscher veröffentlichen Leitfaden gegen Lebensmittelverluste, die durch technische Faktoren, Beschädigung, Verderb, Überproduktion, unvorteilhafte Rahmenbedingungen oder Anforderungen der Qualitätssicherung entstehen.

Laut einer Hochrechnung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen werden jährlich schätzungsweise nur zwei Drittel der global produzierten Lebensmittel tatsächlich verzehrt. Das übrige Drittel scheidet aus unterschiedlichen Gründen aus der Lebensmittelkette aus: Es fließt in die Futtermittelerzeugung, wird für energetische oder sonstige industrielle Zwecke verwendet oder schlichtweg entsorgt. Allein in Deutschland fallen jährlich schätzungsweise 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an. Damit das nicht so bleibt, hat das ZNU - Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums einen Leitfaden entwickelt, der Unternehmen der Ernährungsindustrie dabei unterstützen soll, diese Form der Ressourcenverschwendung in den Betrieben zu verhindern.

„Über Lebensmittelabfälle ist in den vergangenen Jahren zum Glück viel gesprochen und geschrieben worden", sagt Markus Laumann vom ZNU. „Allerdings standen dabei häufig Haushalte und Großküchen im Fokus. Lebensmittelabfälle stellen aber auch auf Produktionsebene eine Herausforderung dar." Im Rahmen der Studie „Lebensmittelabfalldaten für mehr Nachhaltigkeit in der Ernährungsbranche" (LeDaNa) erarbeitete das ZNU deshalb Möglichkeiten, Lebensmittelabfälle in den Betrieben zu identifizieren und zu vermeiden.

© StockSnap/pixabayZur näheren Einteilung der Ursachen für Lebensmittelverluste in der Ernährungsindustrie griffen die Forscher auf die Kategorien „Technische und technologische Faktoren", „Beschädigung und Verderb", „Qualitätssicherung", „Überproduktion" und „Rahmenbedingungen" zurück. Zu all diesen Faktoren enthält der Leitfaden praktische Handlungsbeispiele. Auf Basis internationaler und nationaler Studien sowie im Austausch mit Partnern aus der Lebensmittelbranche erarbeiteten die Verantwortlichen zudem eine Systematik, die Betrieben dabei helfen soll, sich vorausschauend und effektiv der Vermeidung von Lebensmittelabfällen zu widmen. Dabei gingen die Forscher speziell den Fragen nach, welche Abfalldefinitionen in der Praxis Anwendung finden können, welche Informationen zu Lebensmittelverlusten in Unternehmen vorhanden sind und welche Hindernisse bei der Ermittlung von Abfalldaten auftreten.

Allerdings machen die Autoren des Leitfadens auch klar: „Lebensmittelverluste stellen nicht allein die Akteure der Lebensmittelkette vor Herausforderungen, vielmehr sind Politik und Gesellschaft als Ganzes betroffen und in der Pflicht, Veränderungen mit anzustoßen. Denn letztlich lassen sich wirksame, zielführende Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten nur entlang der kompletten Lebensmittelkette unter gemeinsamer Kooperation der Akteure realisieren." So sei die massenhafte Entsorgung von Lebensmitteln ein Problem für alle Beteiligten: „Wenn verzehrfähige Lebensmittel weggeworfen werden, findet eine Verschwendung wertvoller Ressourcen statt – unter anderem menschlicher Arbeit, Wasser, landwirtschaftlicher Fläche. Die Folgen dieser Verschwendung betreffen sämtliche Sphären unserer Lebenswelt. Um einige Beispiele zu nennen: Ökologisch gesehen stellen Lebensmittelabfälle unnötige CO2-Emissionen sowie unnötigen Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch dar. Wirtschaftlich betrachtet handelt es sich um eine Form von vermeidbaren Fehlinvestitionen. Unter sozialen Gesichtspunkten stehen Lebensmittelabfälle in deutlichem Widerspruch zu globalen Zielsetzungen wie der Gewährleistung von Ernährungssicherheit und der Bekämpfung von Unterernährung."

Hier finden Sie den Leitfaden zum Umgang mit Lebensmittelverlusten in der Lebensmittelindustrie.
 
Kontakt: Universität Witten/Herdecke, Markus Laumann | markus.laumann@uni-wh.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy

forum 01/2026

  • Zukunft bauen
  • Frieden kultivieren
  • Moor rockt!
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
29
JAN
2026
Symposium Bau Innovativ 2026 - Zukunft gestalten, heute handeln!
Das Branchen-Event für alle, die Innovationen mitgestalten wollen.
92339 Beilngries
29
JAN
2026
VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SME)
Gerade jetzt so viel mehr als nur ein ESG-Bericht
Online
10
FEB
2026
E-world energy & water
Der Branchentreffpunkt der europäischen Energiewirtschaft
45131 Essen
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Das Recht des Stärkeren
Christoph Quarchs philosophische Analyse zum US-Angriff auf Venezuela
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Gute Nachrichten: Unternehmensnews aus der forum-Ausgabe 01/2026

PFAS-Regulierung in Frankreich für bestimmte Produktgruppen seit Januar in Kraft

„Wer die Nordsee für die europäische Energieversorgung nutzen will, muss sie schützen“

Klimaschutz ohne hohe Kosten – Contracting macht’s möglich

Circular Design Summit 2026, 25. März in Stuttgart

Growth Alliance Networking Summit 2026 (GANS26)

Starker Start 2026

Mehrweg beim Pflanzentransport ab 2030 verpflichtend

  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Engagement Global gGmbH
  • NOW Partners Foundation
  • TÜV SÜD Akademie
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • WWF Deutschland
  • circulee GmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • toom Baumarkt GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH