Regeneration ist möglich
Ein neues Wirtschaften ist möglich – lokal, regional, national und global.
Der Stopp der Klimakrise und die Regeneration der planetarischen Ökosysteme binnen weniger Jahrzehnte ist möglich – einfacher und schneller, als die meisten annehmen. Das Grundrezept:
Ersatz der Agroindustrie durch regenerative Agrikultur, Ersatz der Fossilenergie durch regenerative Energien.
Die Lösung liegt uns also buchstäblich zu Füßen. Die Natur hilft uns mit dem Wunder der Photosynthese, den Kohlenstoff aus dem atmosphärischen Kohlendioxid dorthin zu bringen, wo er herstammt und nun dramatisch fehlt: in den Boden. Humusaufbau entzieht der Atmosphäre Treibhausgase, macht den Boden fruchtbar, sichert die Ernährung, erneuert das Grund- und Trinkwasser, sorgt für gesunde Pflanzen, Tiere, Menschen, regeneriert ganze Landschaften, drängt Versteppung und Verwüstung zurück, schafft Millionen sinnvoller Arbeitsstellen. Eine Win-Win-Win-Lösung. Viele Beispielprojekte im In- und Ausland zeigen, wie es geht. Wir brauchen dafür keine High-Tech, kein gefährliches Geo-Engineering, keinen globalen CO2-Handel, keine Gentechnik, keine chemischen oder bioökonomischen Mixturen aus den Labors der Agrokonzerne. Eine rein biologische Ernährung der Weltbevölkerung ist möglich, und sie ist nötig, denn sie hilft bei der Heilung der Ökosysteme. Mehr noch: In einer Welt voller Gewaltkonflikte um Ressourcen und Millionen von Umweltflüchtlingen ist regenerative Agrikultur ein Schlüssel zum Frieden. Den Schlüssel zu kennen reicht allerdings nicht. Das Tor zur Regeneration der Erde wird von Agrokonzernen, Großgrundbesitzern und Wirtschaftslobbyisten blockiert. Wichtiger als CO2-Handel wäre eine Landreform zugunsten von (klein)bäuerlichen Höfen, die agrarökologisch produzieren, und eine Streichung aller direkten und indirekten Subventionen für umweltzerstörende Produktion von Lebensmittel und ihren Export. Wir brauchen wahre Preise, die den ökosozialen Schaden oder Nutzen eines Produkts ausweisen.
Die global verflochtene Agroindustrie mit Konzernen wie Monsanto und Co. gefährdet das Überleben der Menschheit genauso wie die Energiekonzerne. Sie muss zurückgedrängt werden zugunsten von gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen, die in die vernachlässigte agrarökologische Forschung investieren und die Kleinbauern und vor allem Kleinbäuerinnen weltweit unterstützen. Mit Wissen über regenerative Methoden, das alte Traditionen mit neuen Erkenntnissen verbindet, kann auf weit kleineren Flächen als bisher mehr und intensiver geerntet werden. Permakultur, Biointensivkulturen, pfluglose Bodenbearbeitung, Terra Preta, Holistisches Weidemanagement, Agroforstsysteme und weitere Praktiken weisen den Weg. Eine Region, die so wirtschaftet, kann Flächen an die Wildnis zurückgeben und gefährdeten Arten ein Refugium bieten. Denn das Artensterben gefährdet das Überleben der Menschheit inzwischen mehr als die Klimakrise.
Alle Lösungen sind vorhanden. Wir brauchen nur eine entschlossene Zivilgesellschaft, die sie durchsetzt, und Politiker, die nicht länger die Agroindustrie strukturell bevorzugen. Eine solche Agrarwende würde in Deutschland laut Umfragen von einer großen Bevölkerungsmehrheit unterstützt. Wir brauchen einen nationalen und internationalen Zusammenschluss von Kleinbauern-, Umwelt-, Klima- und Ernährungsbewegungen. Oder um Ronnie Cummins als Mitbegründer des globalen Bündnisses „Regeneration International" zu zitieren: Es bedarf einer „massiven Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden – assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen."
Wie kaputt ist der globale Kapitalismus?
Henrik Müller schreibt in seinem Kommentar zum Wirtschaftsgipfel in Davos, dass die Wirtschaftselite laut einer Umfrage inzwischen erkennt, dass es nicht weitergeht wie bisher. Die Weltwirtschaft steckt demnach in einer Sackgasse. Vier Faktoren spielen zusammen: Wirtschaft, Sicherheit, Umwelt und Demographie.
• Die Weltwirtschaft produziert nicht mehr die gewohnten Wohlstandszuwächse vergangener Jahrzehnte. Deshalb werden die Verteilungskämpfe schärfer – innerhalb von Gesellschaften, zwischen Kulturen und Religionen, zwischen Staaten.
• Die weltweite Sicherheitslage spitzt sich zu, die internationale Sicherheitsarchitektur gerät ins Wanken.
• Das Weltklima verändert sich spürbar; ein Prozess, bei dem viele auf der Verliererseite enden werden.
• Die Weltbevölkerung wächst weiter und wird immer mobiler. Migrationsströme und die damit verbundenen kulturellen Reibungen nehmen deshalb zu.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2017 - And the winner is... erschienen.
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'Bringt den Kohlenstoff zurück in die Erde!'
Das ist das Motto der so genannten regenerativen Agrikultur. Dieser neue Begriff kommt aus den USA, in Europa ist er noch weitgehend unbekannt. Die Grundidee: Beim Aufbau humusreicher Böden kann Kohlenstoff langfristig unterirdisch gebunden werden, also dort, wo er in Form von Öl, Gas und Kohle entnommen wurde und bei der Verbrennung als Kohlendioxid in die Atmosphäre ging.
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