Umwelt | Umweltschutz, 16.07.2006
MSC
Nachhaltiger Fischfang
| Fisch-Fakten |
Quelle: Food and Agriculture Organisation /www.msc.org (März 2005) |
Dennoch verlangen die Verbraucher weiter nach Fisch - und das immer mehr: Mit durchschnittlich 16,1 Kilo pro Kopf (in Deutschland: 14,4 Kilo) hat sich der Fischkonsum in den USA und Europa in den letzten dreißig Jahren verdoppelt. Mit knapp einem Drittel am Gesamtverbrauch (29,6 Prozent) zählt der Alaska-Seelachs hierzulande zu den beliebtesten Speisefischen
Der MSC: gemeinnützig und unabhängig
Nicht zuletzt der Zusammenbruch der Kabeljaufischerei vor Neufundland 1992 hat eindringlich vor Augen geführt, was passiert, wenn ökologische Notwendigkeiten aus politischen Gründen ignoriert werden. Der Lebensmittelkonzern Unilever - Mutterkonzern der Tiefkühlmarke iglo - hat sich schon frühzeitig der bestandserhaltenden Fischerei verschrieben. Schon vor neun Jahren hat der Konzern gemeinsam mit der internationalen Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) den Marine Stewardship Council (MSC) als, sinngemäß, Rat zur Bewahrung der Meere, ins Leben gerufen. Zielsetzung war und ist die Förderung verantwortungsbewusster, umweltgerechter und wirtschaftlich vertretbarer Fischfangmethoden, um der bedrohlichen Uberfischung der Meere entgegenzuwirken.
Der MSC war von vornherein als "all-in-plat-form", d. h. als Partnerschaftsorganisation für alle beteiligten Interessenverbände - Industrie, Umweltorganisationen, Wissenschaft, Regierungen, Verbraucherverbände etc. - konzipiert, um alle Beteiligten (explizit auch die Konkurrenz) mit ins Boot zu holen. Umso wichtiger war es, den MSC schnellstmöglich zu einer unabhängigen Institution zu machen.
Die Prinzipien des MSC-Standards
- Prinzip 1
Der Zustand der Fischbestände
Hier wird ermittelt, ob ausreichend Fisch für eine nachhaltige Fischerei vorhanden ist.
- Prinzip 2
Die Auswirkungen der Fischerei auf die maritime Umwelt. Hier wird untersucht, wie sich das Fischen auf die unmittelbare maritime Umgebung, andere Fischarten, Meeressäugetiere und Seevögel auswirkt.
- Prinzip 3
Die Managementsysteme der Fischerei
Hier wird bewertet, ob die implementierten Regeln und Verfahren sowie die Art ihrer Implementierung eine nachhaltige Fischerei und eine minimale Beeinträchtigung der maritimen Umwelt gewährleisten.
Quelle: www.msc.org
Seit 1999 ist der MSC als gemeinnützige, nichtstaatliche Non-Profit-Organisation mit Sitz in London tätig, die weltweit Fischereien nach Umweltverträglichkeitskritierien zertifiziert, die von Vertretern der Industrie, Umweltverbänden, Wissenschaft und Politik aus aller Welt gemeinsam erarbeitet wurden. Fischereien beantragen die Zertifizierung auf freiwilliger Basis und werden durch unabhängige, vom MSC akkreditierte Experten in professionellen Zertifizierungsunternehmen in einem transparenten Prozess nach einem mehrstufigen Bewertungssystem überprüft.
Inzwischen sind weltweit 14 Fischereien zertifiziert, weitere 18 sind aktuell Anwärter für das Zertifikat. Insgesamt 200 Produkte von über 60 Anbietern aus 20 Ländern tragen das begehrte blaue MSC-Siegel auf der Packung.
Beispiel iglo
2000 hat Unilever das erste MSC-zertifizierte Produkt auf den Markt gebracht. Einen Durchbruch hat das Unternehmen 2005 erreicht. Nachdem sich mit der Alaska-Pollock BSAI-USA die weltweit größte Weißfisch-Fischerei nachhaltigem, bestandserhaltendem Fischfang verpflichtet hat und durch das MSC zertifiziert wurde, ist iglo in Deutschland in der Lage, seine gesamte Fischstäbchen-Produktion aus MSC-zertifizierter Rohware - d. h. aus 100-prozentigem Filet des Nordpazifik-Fisches, das fangfrisch schon an Bord der Trawler filetiert und tiefgefroren wird - herzustellen. Damit stammt bereits 60 Prozent des iglo Fischsortiments in Deutschland und insgesamt ca. 60 Prozent des europäischen Unilever-Fischgeschäftes -, weltweit aus nachhaltigen, umweltschonenden Fängen.
Dr. Dierk Peters, International Marketing Manager (rechts), nimmt den Seafood Champion Award von Mike Boots, Gourmet Magazin, entgegen.
Copyright: 2006 Bethany Versoy/V2 Visuals Associates
Unilever sieht dies als eine grundlegende Investition in die Zukunft des Unternehmens: um die langfristige Versorgung mit Rohware sicherzustellen, Verbrauchererwartungen zu entsprechen bzw. zu antizipieren und dabei seinem Selbstverständnis als führendes Wirtschaftsunternehmen gerecht zu werden.
In Anerkennung seiner Vorreiterrolle für bestandserhaltende Fischerei ist Unilever mit dem Seafood Champion Award ausgezeichnet worden. Der Preis wird von der Seafood Choices Alliance - eine weltweit unabhängige Handelsorganisation mit Sitz in Washington, D.C., USA - in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen. Ihr Anliegen ist es, künftig das Bewusstsein aller am globalen Fischmarkt Beteiligten stärker für einen ressourcenschonenden Umgang mit dem Lebensraum Meer zu sensibilisieren.
Dr. Dierk Peters (International Marketing Manager Sustainability Initiatives Frozen Foods Europe), Unilever, Hamburg
Fotos: Unilever
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