Start in die Gartensaison

Warum Zurückhaltung im Frühjahr oft die klügere Gartenpraxis ist

Wenn Krokusse blühen und die ersten Insekten unterwegs sind, beginnt in vielen Gärten die Aufräum-Saison. Beete werden umgegraben, „sauber gemacht" und offen liegen gelassen. Aus Sicht der Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V. ist genau das häufig der falsche Start in das Gartenjahr. Wer Bodenfruchtbarkeit erhalten und die Bewässerung im Sommer reduzieren will, setzt im Frühjahr vor allem auf eines: Bodenschutz durch Bedeckung und so wenig Störung wie möglich.

Der Boden sollte möglichst ganzjährig bedeckt sein. © Andreas Göllner, pixabay.com Der Boden arbeitet das ganze Jahr
Im Boden war über den Winter keineswegs Stillstand. Regenwürmer, Asseln und Mikroorganismen zersetzen Pflanzenreste, bauen stabile Krümelstrukturen auf und machen Nährstoffe pflanzenverfügbar – sofern die Oberfläche geschützt ist. Offener, blanker Boden dagegen trocknet schneller aus, verschlämmt leichter und verliert an Struktur. Als Grundregel gilt: Der Boden sollte möglichst ganzjährig bedeckt sein. Mit Mulch, Pflanzenresten oder lebenden Bodendeckern.
 
Umgraben stört das Bodenleben und schadet der Bodenstruktur
Beim Umgraben werden Bodenschichten vermischt, Lebensräume gestört und die Bodenstruktur mechanisch aufgebrochen. Dadurch kann der Humusabbau beschleunigt werden und wertvolle Bodenfeuchte verloren gehen. In den meisten Gärten ist es daher sinnvoller, die Oberfläche zu schützen und organisches Material von oben einzubringen, also das Bodenleben für sich arbeiten zu lassen, statt mit dem Spaten einzugreifen. Nach Bauarbeiten oder bei starker Verdichtung kann eine gezielte, schonende Lockerung beispielsweise mit einer Grabegabel notwendig sein, das Grundprinzip bleibt jedoch: möglichst wenig Eingriff.
 
Beikraut wirkt oft als Schutzschirm
„Unkraut", oder besser Beikraut, kommt nicht von ungefähr. Es besiedelt offene Stellen, beschattet den Boden und trägt mit seinen Wurzeln zur Lockerung bei. Statt reflexhaft zu bekämpfen, lohnt sich ein Perspektivwechsel. Es stellt sich die Frage, welche Funktionen das Beikraut erfüllt und wie sie sich durch gewünschte Pflanzen, Mulch oder Bodendecker ersetzen lassen.
 
Tipps für den Frühjahrs-Einsatz
Wer Schnittgut, Laub oder anderes organisches Material hat, kann damit im Frühjahr die Bodenoberfläche schützen und das Bodenleben stärken. Als grober Richtwert eignet sich eine Mulch-Schicht von mehreren Zentimetern, wobei feines Material eher dicker aufgetragen werden sollte. Wichtig ist, dass junge Keimlinge nicht „ersticken" und ihre Entwicklung regelmäßig im Blick behalten wird. Auf offenen Flächen können Bodendecker neu eingepflanzt oder nachgesät werden. Außerdem kann der Kompost neu aktiviert oder von Grund auf neu angesetzt werden.
 
Stabilere Erträge bei weniger Arbeit
Ein bedeckter Boden bleibt länger feucht, verschlämmt weniger und unterstützt den kontinuierlichen Aufbau von organischer Substanz. Langfristig bedeutet das weniger Gießen, weniger Stress in Trockenphasen und eine robustere Pflanzenentwicklung. Matthias Hautmann, Gartenfachmann, zertifizierter Permakultur-Planer und Mitglied der IG gesunder Boden e.V.: „Gesunder Boden ist ein lebendiges Ökosystem. Wer ihn im Frühjahr schont und schützt, bekommt im Sommer mehr Stabilität bei weniger Aufwand zurück."

Über die IG gesunder Boden e.V.
Die Interessengemeinschaft gesunder Boden e.V. engagiert sich bundesweit für den Erhalt und die Wiederbelebung gesunder, humusreicher und lebendiger Böden. Mit Bildungsformaten, Netzwerken und Forschungspartnerschaften vermittelt der Verein Wissen über bodenschonende Landwirtschaft, regenerative Bewirtschaftung und natürliche Stoffkreisläufe. Ziel ist es, die Lebensgrundlage Boden zu erhalten. Für die Land- und Forstwirtschaft, die Ernährung und die Zukunft kommender Generationen.

Kontakt: Interessengemeinschaft gesunder Boden e.V., Josef Schönhammer | presse@ig-gesunder-boden.de | www.ig-gesunder-boden.de



     
        
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