Lifestyle | LOHAS & Ethischer Konsum, 18.05.2017
Coffee-to-go: Alternativen gegen die Becherflut
Straubinger Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe berät Privatpersonen und Gastronomie.
Nach durchschnittlich 15 Minuten Gebrauch landet ein Coffee-to-go-Becher im Müll. In Deutschland sind es circa 320.000 solcher Wegwerf-Becher – pro Stunde! Aufs Jahr gerechnet sind das 2,8 Milliarden Becher. Diese Situation stellt ein großes Problem für die Umwelt dar, da kunststoffbeschichtete Becher aus Papierfasern – wie man sie auch in Straubing tagtäglich sieht – so gut wie nicht recycelt werden. Ein Einwegbecher besteht zwar zum Großteil aus Papier und somit aus dem Nachwachsenden Rohstoff Holz, das Problem liegt aber in der dünnen Kunststoffbeschichtung. Diese besitzen alle Becher, um nicht durch den Kaffee aufzuweichen. Die meisten Becher werden in den städtischen Abfallbehältern als Restmüll entsorgt, sofern sie nicht achtlos am Straßenrand oder in Grünstreifen landen. Nur wenige Becher finden den Weg in das duale System und kommen so in die Verwertung.
Aber nicht nur die Entsorgung von Einwegbechern stellt ein Umweltproblem dar. Zur Herstellung der in Deutschland genutzten Coffee-to-go-Becher müssen jährlich 43.000 Bäume gefällt werden. Zudem benötigt man für die Herstellung von einem Kilogramm Papier rund 50 Liter Wasser. Ganz zu schweigen von der Energie, die über die gesamte Wertschöpfungskette benötigt wird.Aber was kann man dagegen tun? Viele Akteure haben das Müllproblem und die Ressourcenverschwendung durch die Verwendung von Coffee-to-go-Bechern erkannt: In einigen deutschen Städten haben sich Initiativen gebildet.
In Freiburg beispielsweise hat die Abfall- und Stadtreinigung (ASF) die Federführung über ein Pfandsystem. Das Prinzip ist denkbar einfach: Jeder, der seinen Kaffee lieber in einem Mehrwegbecher als in einem Einwegbecher trinken möchte, kann gegen 1 € Pfand einen sogenannten „FreiburgCup" erwerben. Nach dem Kaffeegenuss kann der wiederverwendbare Becher in allen teilnehmenden Geschäften abgegeben werden und der Kunde bekommt sein Pfand zurück. Der Becher wird anschließend gespült und an den nächsten Kunden weitergegeben. Die Koordination des Projekts liegt bei der ASF. Nach anfänglich nur 14 Cafés machen in der 200.000-Einwohner-Stadt mittlerweile 72 Cafés, Bäckereien und Geschäfte bei dem Projekt mit. Ein weiterer Anreiz, umweltfreundlich zu handeln: Die Café-Betreiber geben auf den Kaffee im FreiburgCup meist noch zwischen 5 ct und 30 ct Rabatt. Seit Start der Aktion im November 2016 ziehen die Freiburger ein durchweg positives Fazit. Es wird aber natürlich weiterhin an der Verbesserung des Projekts gearbeitet, beispielsweise durch die Entwicklung einer App, in der alle teilnehmenden Geschäfte zu sehen sein sollen.
Aber auch die Straubinger Bürger und Besucher der Stadt können etwas gegen das Müllproblem aus Einwegbechern unternehmen. An folgenden zwei Grundsätzen kann man sich orientieren: Erstens schmeckt der Kaffee doch viel besser, wenn man ihn gemütlich im Café oder auf der Arbeit genießt – warum sich also nicht mal auch wirklich fünf Minuten Zeit dafür nehmen und statt aus dem Pappbecher aus der Porzellantasse trinken? Und zweitens: wenn’s doch mal ein Kaffee für unterwegs sein muss, dann lieber im Mehrwegbecher.
Es gibt sie in vielen verschiedenen Größen und ganz unterschiedlichen Materialien. Erhältlich sind Thermobecher aus Edelstahl, Becher aus Glas oder Porzellan sowie leichtere und ressourcenschonendere Varianten aus Biokunststoffen oder Verbundwerkstoffen, d. h. einer Mischung aus Pflanzenfasern und einem Kunststoff bzw. Biokunststoff. Gastronomen dürfen die eigens mitgebrachten Becher lebensmittelhygienisch problemlos befüllen.
Das Landesamt für Umwelt bietet im Internet unter www.abfallratgeber.bayern.de eine interessante Plattform für Verbraucher. Zudem finden sich dort Empfehlungen zur Befüllung mitgebrachter Kaffeebecher für die Gastronomie. Auch C.A.R.M.E.N. e.V., im Straubinger Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe, berät Privatpersonen und Unternehmen hinsichtlich des nachhaltigen Einsatzes biobasierter Materialien im Lebensmittelbereich.
* Die Zahlen bzgl. Müllaufkommen und Ressourcenverbrauch beruhen auf Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe.
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