Nachhaltiger Tourismus für Entwicklung

IY2017 - was bleibt?

Sie wollen mehr über das Thema Tourismus und Nachhaltigkeit wissen? Lesen Sie dazu unser Special "Nachhaltiger Tourismus für Entwicklung" in der aktuellen Ausgabe von forum Nachhaltig Wirtschaften mit dem Schwerpunkt "Sustainable Development".
IY2017, wer kennt die Abkürzung noch? IY2017 - das Internationale Jahr des Nachhaltigen Tourismus für Entwicklung ist vorüber. Was bleibt? Trägt der Tourismus nach 2017 mehr und dauerhaft zur Erreichung der Sustainable Development Goals bei? Haben wir die Hinwendung zu mehr und wirklicher Nachhaltigkeit im Tourismus?
 
Eines vorneweg: Die UNWTO, oder zumindest ihr Generalsekretär, haben es ernst gemeint. In allen Gesprächen, Interviews und Statements von Taleb Rifai in den letzten Jahren war herauszuhören, dass er verstanden hat, dass Tourismus - auch im eigenen Interesse - nachhaltig werden muss.
 
Das war aber auch gleich das große Missverständnis des Jahres 2017. Es ging gar nicht um den Tourismus selbst, sondern um seine Funktion für Entwicklung. Das haben viele Akteure nicht verstanden. Sehr oft, zu oft, wurde vom Jahr des Nachhaltigen Tourismus gesprochen, selbst die Schweizer Staatssekretärin für Tourismus hat das in der Begrüßungsrede am Abschlussevent des IY2017 in Genf getan. Eigentlich sollte das Jahr aber einerseits Bewusstsein bei allen Stakeholdern schaffen, für die Möglichkeiten des Tourismus zu den Zielen der Agenda 2030 beizutragen. Und andererseits auch tatsächliche Fortschritte bei deren Umsetzung erzielen.
 
Vier Aktionslinien in fünf thematischen Bereichen hat sich die UNWTO vorgenommen: Bewusstseinsbildung und Anwaltschaft, Wissensgenese und -verbreitung, Politikbeeinflussung sowie Bildung und Kompetenzerweiterung. Das kurze Fazit wird zeigen, dass die beiden ersten intensiv angegangen wurden, die reale Politikbeeinflussung wohl eher gering geblieben ist - und bei dem Bildungsziel die Informationen fehlen.
 
Die Auswirkungen von Kreuzfahrtschiffen auf unsere Umwelt sind nur ein Teil der Diskussion darum, ob und wie Tourismus und Nachhaltige Entwicklung zusammenpassen. © Sarah_Loetscher, pixabayDie UNWTO ist recht offensiv und transparent in die internationale Diskussion gegangen. Ein Diskussionspapier zu 'Nachhaltiger Tourismus für Entwicklung' sowie ein Flagshipreport 'Tourism and the Sustainable Development Goals: Journey to 2030' thematisieren die Verbindungen zwischen Tourismus und den einzelnen SDGs. Eine Serie von an der HTW Chur betreuten Bachelorarbeiten zu den Bereichen Transport, Unterkunft und Destinationen bildeten dazu die Grundlage. Kritiker werden anmerken, dass der Fokus hier zu sehr auf den bestehenden positiven Beispielen war und zu wenig die negativen Auswirkungen des Tourismus thematisiert wurden. Das stimmt sicherlich, doch wenn man - geübt im Zwischen-den-Zeilen-lesen von internationalen Politikpapieren - die Ergebnisse studiert, findet man auch klare tourismuspolitische Forderungen verpackt.
 
Im Bildungsbereich war eine der Zielsetzungen die 'Unterstützung der Entwicklung von Curricula in der Umsetzung der Agenda 2030 und der SDGs'. Die HTW Chur hat 2017 im Tourismusstudium einen neuen Major 'Sustainable Tourism and International Development' eingerichtet, das aber wohl auch ohne das IY2017 gemacht. Einfach weil die Zeit dafür reif ist. Inwieweit andere Bildungseinrichtungen auf Grund des Internationalen Jahres ihre Curricula weiterentwickelt haben, ist nicht bekannt.
 
2017 hat die UNWTO erstmalig eine an Konsumenten orientierte Kampagne platziert. 'Travel. Enjoy. Respect' war technisch gut gemacht und optisch äußerst ansprechend, inwieweit die Kampagne ihre Zielgruppe gefunden hat, lässt sich schwer beurteilen. Eine UN Organisation ist kein Kampagnenprofi. Manches ging auch eher schwer daneben - wie etwa die Ernennung von Hello Kitty zu einem der 12 Botschafter des Jahres.
 
14 offizielle IY2017 Events mit etwa 5.600 TeilnehmerInnen wurden veranstaltet, 1 Million views auf der offiziellen Website, rund 750.000 erreichte Personen über die sozialen Medien ergibt 1,8 Millionen erreichte Menschen, wie das Fazit der UNWTO vorrechnet. Ob das viel ist, dürfen sich Marketingexperten selbst überlegen. Viele nationale Tourismusevents, Konferenzen und Workshops wurden 2017 unter das Motto des IY2017 gestellt. Auch wenn sie - damit sind wir wieder beim Eingangsstatement - gar nicht soviel mit der Rolle des Tourismus für Entwicklung zu tun hatten.
 
2017 dürfte aber nicht vorbei sein: Mit dem International Year Steering Committee, das aus 14 Regierungen, 13 privaten Stakeholdern, NGOs und Wissenschaft besteht, soll eine weitergehende Umsetzung begleitet werden. Von Datenbanken zu den einzelnen SDGs, Austauschplattformen und Motivation des Tourismus sich aktiv an der Agenda 2030 zu beteiligen ist die Rede. Für ein wirkliches Fazit der Erfolge des IY2017 ist es also noch zu früh.
 
Taleb Rifai hat mit Ende 2017 sein Amt an den Georgier Zurab Pololikashvili übergeben. Dieser tritt in recht große Fußstapfen. Hoffen wir, dass er die Ideen und das Verständnis des Vorgängers aufgreift, fortsetzt und intensiviert. Damit Tourismus wirklich zur Agenda 2030 und der Erreichung der Sustainable Development Goals beitragen wird. Noch tut er das zu punktuell.

Christian Baumgartner ist Leiter von response & ability und u.a. Leiter des Majors 'Sustainable Tourism and International Development' an der FH HTW Chur. Die HTW Chur war der einzige offizielle Partner des IY2017 aus dem Bildungsbereich.

 
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