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Genozid unter dem Deckmantel der Krankheitsbekämpfung

Der aktuelle Kommentar von Christian Kreiß

In einer Ende Januar erschienenen Studie mit dem Titel „The Inequality Virus" [1] geht die Entwicklungsorganisation Oxfam auf die gravierenden negativen Auswirkungen der staatlichen Zwangs-Lockdown-Maßnahmen in den Entwicklungsländern ein.

Die Lockdown-Politik in den Entwicklungsländern
In seinen Sachbüchern kritisiert Prof. Christian Kreiß die Prämissen der neoliberalen Wirtschaftstheorie und warnt vor ihren sozialpolitischen Folgen. © privatDurch die Lockdowns verloren hunderte Millionen von Menschen ihre Arbeit und wurden in Entbehrung und Hunger gestürzt. Die Zahl der in Armut lebenden Menschen dürfte sich daher seit März 2020 laut Oxfam um 200 bis 500 Millionen erhöht haben. Die Zahl der akut Hunger leidenden Menschen soll sich 2020 um 82 Prozent auf 270 Millionen beinahe verdoppelt haben. Selbst in den USA wird die Zahl der Erwachsenen, die nicht ausreichend zu essen haben, mit 29 Millionen angegeben. Oxfam schätzt, dass durch die Pandemie Ende 2020 6.000 bis 12.000 Menschen zusätzlich pro Tag an Hunger sterben. Gleichzeitig habe das Vermögen der Milliardäre von März bis Ende 2020 um 3.900 Milliarden auf nun etwa 12.000 Milliarden US-Dollar zugenommen. Die zehn reichsten Menschen der Welt sind in diesem Zeitraum demnach um 540 Milliarden Dollar reicher geworden. Allein im zweiten Quartal 2020 schoss der Umsatz von Amazon im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf knapp 90 Milliarden Dollar nach oben; den Gewinn konnte das Unternehmen glatt verdoppeln.

Covid-Tote und Hunger-Tote
Ende Januar/Anfang Februar 2021 starben an oder mit Covid etwa 14.000 Menschen pro Tag [2]. Das Median- und Durchschnittsalter der Covid-Toten liegt bei etwa 80 Jahren oder darüber. Das entspricht grob der durchschnittlichen Lebenserwartung in den meisten Industrieländern. Unterstellt man, dass die an oder mit Covid Verstorbenen ohne das Corona-Virus zwei bis fünf Jahre länger gelebt hätten, so wurden durch das Virus Ende Januar etwa 28.000 bis 70.000 Lebensjahre pro Tag vernichtet. Die Hungertoten in den armen Ländern sind fast alle Kinder. Unterstellt man, dass das Durchschnittsalter der durch die Covid-Maßnahmen zusätzlich verhungernden Menschen fünf Jahre beträgt und deren Lebenserwartung 70 Jahre gewesen wäre, so werden durch die Covid-Maßnahmen pro Tag etwa 390.000 bis 780.000 Lebensjahre vernichtet. Durch die Lockdowns werden also etwa 6 bis 28 Mal so viele Lebensjahre vernichtet wie gerettet. Ich vermute, dass die tatsächliche Zahl am oberen Ende der Rechnung liegt. Die Kur ist also um ein Vielfaches schlimmer als die Krankheit. Dabei sind in diesen Zahlen noch nicht die ganzen Folgekosten des heutigen Elends enthalten.

Am Rande sei bemerkt, dass auch der Ökonom und Rentenexperte Bernd Raffelhüschen, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft und Sozialpolitik an der Uni Freiburg, für Deutschland zu einem ähnlichen Ergebnis kommt. Er errechnete, dass durch die Corona-Lockdowns in Deutschland sehr viel mehr Lebensjahre vernichtet als gerettet würden [3]. Die Kur sei auch in Deutschland sehr viel schlimmer als die Krankheit, es würden 10 bis 100 Mal mehr Lebensjahre vernichtet als gerettet.

Zurück zu den Entwicklungsländern. Der Blick auf die vielen elend verhungernden Kinder ist nicht alles. Das ganze Leid vor dem grausamen Hungertod, die hunderte Millionen Arbeitslosen, das Elend, die Verwahrlosung großer Bevölkerungsteile unserer Erde sind in diesen trockenen Zahlen nicht enthalten. Man kann die Lockdown-Politik der Entwicklungsländer fast schon als einen Genozid betrachten, einen Genozid an den Unterprivilegierten dieser Welt. Diese Lockdown-Politik hat System, ist nicht etwa Zufall. Geldzahlungen an Entwicklungsländer durch den IWF und Unterstützung durch die WHO sind stark an eine Bedingung geknüpft: Harte Lockdowns einzuführen. Das kommt in den armen Ländern einem Serienmord an den Unterprivilegierten gleich. Gleichzeit steigen die Vermögen der Reichen und Mächtigen in immer neue Höhen.

Im Namen der Rettung von Menschenleben werden in Wahrheit Menschenleben in ungeheurem Ausmaß vernichtet, unterprivilegierte Menschenleben, Leben der Schwachen. Gleichzeitig steigt die Macht der Mächtigen ungeheuer.

Das große Wegschauen und Irreführen
Die allererste Gegenmaßnahme, die man ergreifen müsste, wäre daher naheliegenderweise ein sofortiger Stopp der fatalen staatlichen Lockdown-Maßnahmen, die so viel mehr Leid, Elend und Tod in die Welt bringen als sie verhindern. Die politischen Zwangsmaßnahmen sind die Ursache dieser schlimmen Entwicklungen, nicht das Virus. 

Was dagegen predigt Oxfam? Die Organisation führt fünf Gegenmaßnahmen auf, aber was nicht darunter ist, ist der eigentliche Grund des Elends: Die vollkommen unverhältnismäßigen Anti-Corona-Maßnahmen. Dazu schweigt sich Oxfam aus. Das empfinde ich in ungeheurem Ausmaß als unseriös und heuchlerisch.

Oxfam ist mit dieser Heuchelei nicht allein. Das Gleiche macht beispielsweise die Süddeutsche Zeitung. Sie berichtete am 25.1.2021 über die Oxfam-Studie unter dem Titel: „Corona-Pandemie: Globale Armut steigt dramatisch an"[4]. Darin schildern die beiden SZ-Journalisten Brinkmann und Pfeifer mit Verweis auf Oxfam das dramatisch gestiegene Elend in den Entwicklungsländern. Was in dem Artikel vollkommen fehlt, ist die einzig sinnvolle Gegenmaßnahme: Der sofortige Stopp der staatlichen Zwangs-Lockdown-Maßnahmen. Daher ist auch dieser Artikel in meinen Augen ungeheuer heuchlerisch und ausweichend. Das beginnt bereits bei dem irreführenden Titel. Nicht die Corona-Pandemie ist an all dem Elend schuld, wie ständig geschrieben wird, sondern die unverhältnismäßigen staatlichen Lockdown-Maßnahmen. Ähnlich irreführend, ausweichend und heuchlerisch berichten in meinen Augen praktisch alle deutschen Mainstreammedien. Auch die Tatsache, dass die Corona-Inzidenzwerte bislang nicht mit den Lockdown-Maßnahmen korrelieren, wird kaum berücksichtigt.

Nicht nur die Medien, auch die Politiker gehen heuchlerisch mit dem Elend in der Dritten Welt um. Im September 2020 sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU): "An den Folgen der Lockdowns werden weit mehr Menschen sterben als am Virus"[5}. Ein wahrer Satz. Seine politischen Gegenmaßnahmen als Schlussfolgerungen: Ein Stabilisierungsprogramm über 50 Milliarden Euro und ein neues Afrika-Abkommen. Kein Wort über die einzig sinnvolle Sofortmaßnahme, die nach meiner Ansicht das Elend sofort kurieren würde: Stopp der staatlichen Lockdown-Maßnahmen. 

Solange so viel Unehrlichkeit und Heuchelei in unseren Leitmedien sowie bei den Politikern herrscht, ist keine Aussicht auf Besserung zu erwarten. Das Mephisto-Prinzip ist auf dem Vormarsch.

Prof. Dr. Christian Kreiß: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU München. Neun Jahre Berufstätigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor an der Hochschule Aalen für Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Autor von sieben Büchern: Gekaufte Wissenschaft (2020); Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft (2019); BWL Blenden Wuchern Lamentieren (2019, zusammen mit Heinz Siebenbrock); Werbung nein danke (2016); Gekaufte Forschung (2015); Geplanter Verschleiß (2014); Profitwahn (2013). Drei Einladungen in den Deutschen Bundestag als unabhängiger Experte (Grüne, Linke, SPD). Zahlreiche Fernseh-, Rundfunk- und Zeitschriften-Interviews, öffentliche Vorträge und Veröffentlichungen. Mitglied bei ver.di und Christen für gerechte Wirtschaftsordnung. Bundestagskandidat für die Basisdemokratische Partei Deutschland (dieBasis).  www.menschengerechtewirtschaft.de
 
Als Mitglied des Kuratoriums von forum Nachhaltig Wirtschaften skizziert Christian Kreiß Wege in eine menschlichere Wirtschaft.


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