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Ohne Schönheit wird das nichts

Der Holländer Jan Teunen ist ein Cultural Capital Producer, er entwickelt für seine Kunden eine neue bereichernde Unternehmenskultur.

Als Cultural Capital Producer unterstützt Jan Teunen Unternehmen darin, einen eigenen Kulturraum zu entwickeln. Denn nur eine intakte Unternehmenskultur kann nach seiner Erfahrung Menschen dazu inspirieren, das Beste aus sich herauszuholen und das in einer Firma schlummernde Potenzial zu entfalten. Die Instrumente, auf die der fröhliche Niederländer dabei vertraut, heißen Schönheit, Poesie und Weisheit. Zahlreiche Kunden aus ganz Europa schenken ihm dabei ihr Vertrauen.
 
Jan Teunen (1950) ist Cultural Capital Producer. © Sven NiederJetzt pass mal auf!«, sagt er, reißt das Lenkrad rum und rauscht mit Volldampf durch die große Regenpfütze. – Platsch! Die Scheibe ist nass, der Schreck klingt ab und der Fahrer neben mir lacht; ja, freut sich wie ein Kind, das sich an seinem Lieblingsspielzeug ergötzt. Irgendetwas dieser Art ist ihm wohl dieser stattliche schwarze Geländewagen, der nun – frisch geduscht – gemächlich durch die Hofeinfahrt zum Schloss Johannisberg rollt.
 
Denn hier, inmitten der Weinberge des Rheingaus, ist Jan Teunen zuhause. Schön ist es hier. Der Blick in die Weite hebt den Geist. Die ehrwürdigen Gebäude atmen eine souveräne Gelassenheit. Ein heiteres Lüftchen weht vom Rhein herauf und das schmucke Torhaus, zu dem mein Gastgeber uns führt, schaut so freundlich und gastfrei drein, dass ich mich umgehend heimisch fühle. All das scheint mir wie ein Echo – scheint, als wolle dieser besondere Ort das Wesen seines Bewohners spiegeln; als walte hier eine wunderbare Symbiose von Mensch, Kultur und Natur.
 
Kultur schaffen, Natur bewahren
Ich sage ihm das, und er freut sich sehr. Später wird er darauf zurückkommen, wenn er mir das kleine, feine Büchlein reicht, indem er für interessierte Kunden seine Firmenphilosophie darlegt: »Da der Mensch ein Wesen der Natur ist und zugleich ein Kulturwesen«, steht darin geschrieben, »besteht seine Aufgabe in der Welt darin, Kultur zu schaffen und Natur zu bewahren. Wir unterstützen Unternehmen dabei, diese Aufgabe zu meistern.«

So was liest man nicht alle Tage; vor allem nicht in der Selbstbeschreibung einer Kommunikationsagentur. Aber »Teunen Konzepte« ist ja auch nicht »eine« Kommunikationsagentur, schon gar nicht eine unter vielen. Nein, das ist etwas, was es sonst nicht gibt, etwas Einmaliges. Jan Teunen versteht sich als »Cultural Capital Producer« – als einer, der für Unternehmen Konzepte entwickelt, »die dazu beitragen, eine nachhaltige Unternehmenskultur zu entwickeln«. Das ist sein Ding. Und die Weise, wie er es dreht, ist eindrucksvoll.

Alles ist voller Kunst
So eindrucksvoll wie sein Haus. Eigentlich ist es gar kein Haus, sondern eine Wunderkammer. Alles ist voller Kunst – Gegenwartskunst, verrückte Sachen, schräge Sachen, schöne Sachen. Durch diese Räume zu schlendern ist wie ein Vollbad in schäumender Kreativität. Nicht nur seinen Wagen lässt Jan Teunen gern duschen – auch seine Gäste duscht er – mit schöpferischem Geist und Schönheit.
 
 
Gleichzeitig ist es wohnlich. Sicher auch das Verdienst seiner Frau Mieke, die uns mit köstlichem Espresso versorgt. Auf ihrer Visitenkarte steht »CBO«. »Weißt du, was das heißt?«, fragt Jan erwartungsvoll. »Keine Ahnung«, sage ich und er fülle seine Erwartung »Chief of Backoffice« verrät er lachend – wieder so ein Schelmenstreich von dem »verrückten Holländer«, wie er sich zuweilen nennt. Und gleichzeitig eine Ehrenbezeugung für seine Frau, die ihm seinen Laden schmeißt. Und das Haus mit Seele füllt. 
 
Womit ein weiteres Moment seiner Philosophie benannt wäre: das Haus mit Seele füllen. Das Haus – das heißt auf Griechisch Oikos: das Wort, von dem sich »Ökonomie« herleitet. Nur dass Oikos den Griechen mehr war als bloß Business. Oikos, sagt Jan Teunen, meine ein »Kulturhaus«. Und folglich hätten die alten Griechen unter Ökonomie auch nichts anderes verstanden als die Kunst des Hauswirtschaftens: »die Lehre von der ethisch-verantwortlichen Menschenführung unter dem Dach eines Hauses – ein Haus, das Modell war für Wirtschaftlichkeit, Schutz, Zusammengehörigkeit und Kulturpflege«. Und weiter: »An der Restauration dieses Modells arbeiten wir für unsere Kunden.«
 
Unternehmenskultur entfalten
Jan Teunen: 'Da der Mensch ein Wesen der Natur ist und zugleich ein Kulturwesen, besteht seine Aufgabe in der Welt darin, Kultur zu schaffen und Natur zu bewahren. Wir unterstützen Unternehmen dabei, diese Aufgabe zu meistern.' © Sven NiederDas ist, was Jan Teunen meint, wenn er sagt, er sei ein Cultural Capital Producer. Unternehmenskultur erzeugen, entfalten, entwickeln – darum geht es ihm als einem, der von außen in die Unternehmen kommt, um sich dort um all das zu kümmern,»was nicht in einer Bilanz steht: die Werte, das Wissen, das Wirken«. Es geht ihm darum, Firmen darin zu unterstützen, ihre Produkte oder Dienstleistungen so weiterzuentwickeln, dass sie an Bedeutsamkeit gewinnen; Kontexte zu entwickeln, die es den Firmen erlauben, eine »vollkommene Identität zu entfalten – eine Einheit von Gedanke, Wort, Tat und Ding«.
 
»Was bewegt einen Menschen dazu, solch eine Pionierarbeit zu leisten? Welche Vision leitet ihn auf seinem Weg?« Mit diesen Fragen bin ich zu ihm gekommen und mit ihnen beginne ich unser Gespräch an dem großen Tisch in seinem Arbeitszimmer. Vor mir liegt ein Aufzeichnungsgerät, daneben ein kleines lilafarbenes Notizbuch mit einem großen T darauf: T wie Teunen– ein Gastgeschenk, das nicht das einzige bleiben wird. Jan Teunen liebt es, Geschenke zu machen. Sein ganzes Wesen atmet das, was man in Italien generosità nennt: Großherzigkeit.
 
»Das schlechte Gewissen«, lautet seine Antwort. Nichts anderes habe ihn auf den Weg zum Cultural Capital Producer gebracht. Und nun erzählt er von den ersten Jahren, die er im Schloss Johannisberg zugebracht hat; davon, dass seine kleinen Kinder immer weinten, wenn draußen der Kies knirschte und der Wagen vorfuhr, der Papa zum Flughafen bringen sollte. »Schnapsverkäufer« sei er damals gewesen, verantwortlich für den Export einer großen Spirituosenfirma und deshalb viel auf Reisen. Doch jedesmal, wenn er dann im Flugzeug saß, habe er sich die Sinnfrage gestellt. »Was werden deine Kinder zu dir sagen, wenn sie achtzehn sind und dich fragen, wo du in all diesen Jahren gewesen bist?« Da sei ihm klar geworden, dass er darauf keine Antwort geben könnte, die ihn mit Stolz erfüllte.
 
Eine außergewöhnliche Begegnung
Um seinen Weg zu finden, erzählt er weiter, habe es allerdings eine außergewöhnliche Begegnung gebraucht. Es war in einer Hotelbar in Basel. An der Theke saß ein ihm unbekannter Mann in Begleitung einer schönen Frau. Mehr oder weniger unfreiwillig habe er dann einen Satz dieses Mannes aufgeschnappt
schnappt: »Ich verstehe das überhaupt nicht: Alle Menschen finden die aufgehende Sonne schön, aber so gut wie niemand findet meine Arbeit schön. Dabei hat beides die gleiche Intensität an Schönheit.«
 
»Ich bat den Barkeeper, dem Paar etwas auf meine Kosten anzubieten«, erzählt er, da habe sich der Mann umgedreht und verdutzt gesagt: »Nanu, ein Holländer, der spendabel ist, warum denn das?« Jan Teunens Antwort kam von Herzen: Er wisse wohl, dass es unhöflich gewesen sei, das Gespräch seines Nachbarn zu belauschen, doch habe er den Eindruck gewonnen, es handele sich bei ihm um einen unverstandenen Künstler: »Da ich versuche, für solche Künstler etwas zu bewirken, habe ich mich gefragt, ob ich auch für Sie etwas tun kann.«
 
Er konnte nicht. Denn der Mann an der Bar war in Kunstkreisen weltberühmt: Jean Tinguely, ein Schweizer Künstler, dem er zwar nicht helfen, der ihm später aber zu einem guten Freund werden sollte. Und zu einem Lehrer, der ihm eine wichtige Lektion erteilt habe: »dass wir alles Natürliche von innen nach außen, alles Kulturelle aber von außen nach innen wahrnehmen; und dass wir Information brauchen, um das Kulturelle zu verstehen.« Da sei ihm klar geworden, dass sich hier das Arbeitsfeld seiner Zukunft auftue: Menschen darin zu unterstützen, Kultur zu verstehen, Kultur zu leben, Kultur zu sein.
 
Nur das Beste
Er kündigte seinen Job – »was nicht besonders schlau war; so ganz ohne Produkte, Kunden und Eigenkapital«, wie er lächelnd gesteht – und begann ein neues Leben. Denn Jan Teunen war entflammt, erleuchtet, beseelt von der Idee, jungen niederländischen Künstlern, die er kannte, seine Marketing-Kenntnisse anzudienen und mit ihnen einen kleinen Designvertrieb zu gründen. Mit seiner Frau gründete er die Firma »Teunen und Teunen«, deren Stil und Unternehmenskultur andere Unternehmer so ansprach, dass sie um Hilfe und Beratung baten. »Sie kamen einfach auf uns zu«, erzählt er und zupft sich an seinem Markenzeichen, der Fliege, »und das ist bis heute so geblieben«.
 
»Was zieht die Unternehmen an?«, möchte ich von ihm wissen. »Welcher Sog geht von Teunen aus?« Die Antwort kommt ohne Zögern: »Unsere Kunden wollen, dass wir ihnen dabei helfen, sich weiter zu kultivieren. Wir entwickeln für sie Konzepte, für deren Umsetzung wir dann die besten Partner aus den jeweiligen Bereichen anheuern: die besten Philosophen, die besten Texter, die besten Gestalter«. Jan Teunen ist einer, dem nur das Beste genug ist.
 
Das klingt leichter als es ist. Denn die eigentliche Kunst besteht nach der Erfahrung von Jan Teunen darin, die passenden Menschen zusammenzubringen. »Ich bin meistens ein teuer bezahlter Lehrling«, sagt er, »der erst einmal die Unternehmen verstehen muss.« Dafür brauche es vor allem eines: Empathie. »Wir fühlen uns in die Unternehmen ein, bis wir dasjenige zu fassen bekommen, was bei Menschen ›Seele‹ heißt. Denn wir sind überzeugt, dass Unternehmen – ganz wie Menschen – beseelte Persönlichkeiten sind. Die Seele eines Unternehmens sichtbar zu machen: Das ist unser Anliegen, das ist unsere Besonderheit.«
 
Die Dinge ins Lot bringen
Für die Unternehmen bleibt das nicht folgenlos. »Sie kommen zu uns«, erklärt Jan, »weil sie spüren, dass ihnen etwas fehlt; und das, was ihnen fehlt, ist meistens die Gesellschaftsorientierung. Sie wissen nicht genau, warum sie eigentlich unternehmerisch tätig sind. Sie haben keine Sinnperspektive; und weil ihnen der Sinn fehlt, fehlen ihnen auch Kraft und Energie.«
 
Und dann sagt er einen Satz, den ich am liebsten in Stein meißeln würde: »Die wesentliche Aufgabe eines Unternehmens ist es, Gesellschaft zu gestalten.« Diesen eigentlichen Kern des unternehmerischen Tuns freizulegen, zu ent-wickeln oder auch zu ent-fesseln, das ist das Kernziel seiner Arbeit, denn – wie ich schon in seinem Büchlein gelesen hatte – der Mensch solle sowohl der Natur, die ihn erhält, als auch der Kultur, die ihn erhebt, verantwortungsvoll begegnen. – »Warum ›soll‹?«, frage ich, und erneut überrascht mich mein Gegenüber: »Mich begleitet ein Bild aus der alten vedischen Philosophie«, erklärt er, »jeder Mensch – und ich würde ebenso sagen: jedes Unternehmen –bringt mit seiner Geburt die kosmische Ordnung ein bisschen durcheinander. Und deshalb ist es die Aufgabe jedes Wesens, die durch die eigene Geburt gestörte Ordnung wieder ins ursprüngliche Gleichgewicht zu bringen.«
 
»Jetzt wird es spannend, denn jetzt verrät Jan Teunen mir sein Menschenbild. »Diese Aufgabe ist schwierig«, fängt er an, »aber um sie zu lösen, haben wir bei unserer Geburt drei Helfer bekommen, die seither in uns stecken: der Philosoph, der Mönch und der Künstler.« Oft aber seien diese kulturschaffenden Qualitäten in der Seele eines Unternehmens unterentwickelt oder blockiert. Deshalb komme es darauf an, sie zu stimulieren und ihre Wirkung zur Entfaltung kommen zu lassen.
 
Sehnsucht nach Schönheit
Jan Teunen zeigt Christoph Quarch das Buch, in dem die Firmenphilosophie von 'Teunen & Teunen' dargelegt wird. © Sven NiederDas möchte ich etwas genauer wissen: Was sind das für Typen, von denen er redet? »Der Philosoph stellt die Frage ›Warum‹? Ohne eine Antwort auf diese Frage bleiben Innovationsprozesse in Unternehmen richtungslos. Alles Tun, Sagen und Denken bleibt leer, wenn sie nicht an einer Perspektive orientiert sind, die mehr Lebendigkeit in die Welt trägt.« Da komme ich mit. Aber der Mönch, was ist mit dem? »Der Mönch ist einer, der sich in den Dienst einer größeren Sache zu stellen vermag. Er ist ganz wichtig. Ebenso wie der Künstler. Er ist derjenige, der etwas zur Darstellung bringen möchte, der ein Ganzes aus den vielen Teilen des Unternehmens machen möchte.«
 
»Und wo bleibt der Liebhaber?«, fällt mir spontan dazu ein. »Oh, der Liebhaber, sagt da mein Gegenüber mit jenem unverwechselbaren Funkeln in seinen blauen Augen, »der Liebhaber, der steckt in allen Dreien. Er steht für die Kraft ins uns, die sich nach Schönheit sehnt. Und Schönheit«, er macht eine kleine Pause, »Schönheit ist dasjenige, was Menschen motiviert. Schönheit ist dasjenige was uns beflügelt.« Auch dem kann ich folgen, denn das haben schon die alten Griechen gewusst, doch beruft Jan Teunen sich dieses Mal nicht auf sie, sondern auf die zeitgenössische Neurophysiologie, könne diese doch mittels ihrer bildgebenden Verfahren zeigen, dass die sinnliche Wahrnehmung von Qualität den Impuls in uns fördert, selbst kreativ tätig zu werden.
 
Mit Blick für den Raum
»Deshalb«, sagt er, »ist Schönheit unerlässlich«; und erklärt: »Wo Menschen in einem mittelmäßigen Umfeld arbeiten müssen, entstehen enorme Reibungsverluste.« Für Jan Teunen ist klar: Das ist der eigentliche Grund dafür, dass 60 Prozent der Beschäftigten voll Angst an ihrem Arbeitsplatz sitzen. »Es liegt daran«, erläutert er, »dass die zweite Natur, die Kultur, ihnen nicht antwortet. Menschen müssen gestimmt werden. Und Schönheit bringt Menschen in eine gute Stimmung« – sagt’s und zwinkert mir zu, weil er weiß, dass er den Satz in einem meiner Bücher gelesen hat. Dann aber legt sich seine Stirn in Falten. Ein Satz von Joseph Beuys kommt ihm in den Sinn. Der habe gesagt, die Menschen hätten nie so degeneriert gelebt wie heute, was sich daran zeige, wie sie ihre Appartements einrichten: Räume, in denen sie totunglücklich sind. Deshalb, meint Jan Teunen, müssten heute alle Kunstschaffenden ihre Energie darauf verwenden, den Menschen wieder einen Zugang zur Schönheit zu öffnen – ihnen ein Umfeld, einen Kontext zu weben, der sie inspiriert und motiviert. 
 
»Genau wie die Unternehmen«, werfe ich ein und ernte ein zu­stimmendes Nicken, dem jedoch ein stilles Seufzen folgt, weil Jan Teunen weiß, wie weit entfernt die meisten Business-Peo­ple davon sind. »Das große Drama liegt darin, dass die Mehr­zahl der Unternehmen total von einer ökonomischen Ratio­nalität dominiert sind, die nur nach Effizienz und Profit fragt. Deshalb neigen sie dazu, als Erstes am Umfeld der Menschen zu sparen – ohne jedes Bewusstsein dafür, dass dadurch circa 50 Prozent der in einen Mitarbeiter investierten Mittel verpuf­fen.« Da will er Abhilfe schaffen und wird deshalb nicht müde, bei seiner regen Vortragstätigkeit immer wieder das Thema ›Raum und Arbeit‹ zu traktieren – um einen ästhetischen, po­etischen, ja vielleicht sogar erotischen Geist in die Büros oder Fertigungsstätten seiner Kunden hineinzutragen.
 
In seinem eigenen Umfeld hat er diese Vision mit Virtuosi­tät verwirklicht. Wie wohltemperierte Energiewellen fließt die stille Schönheit der uns anblickenden Kunstobjekte durch das Gespräch. Sven, der gewohnt unmerklich seine Fotos schießt, wird später sagen, dass er sich bei keinem unserer gemeinsam wahrgenommenen Interviewtermine so inspiriert gefühlt habe wie hier. Mir geht es nicht anders. Fast wie in einer an­deren Zeit mutet mich unsere Zusammenkunft an und unwei­gerlich schweift mein Geist zur Renaissance.
 
reRenaissance
»Aber natürlich«, lacht da der fröhliche Holländer und prä­sentiert mir stolz ein eindrucksvolles lilafarbenes Buch: die Firmenfestschrift; ein Auftrag, den er sich selbst gegeben hat – das heißt, eigentlich steckt Mieke dahinter, die ihren Jan dazu brachte, anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Firma Teunen nun auch einmal für sich selbst so ein schönes Werk zu schaffen, wie er es sonst seinen Auftraggebern liefert. »reRe­naissance« steht darauf geschrieben – und wir lachen beide. »Die Renaissance war eine Zeit, zu der das Bewusstsein der Menschen einen großen Sprung machte«, erklärt er. »Das hat zu dieser einmaligen Bündelung von Humanismus, Kapi­talismus und Ästhetik geführt«. Kunst, Poesie, Spiritualität, Wissenschaft, Ökonomie – für einige Dekaden war alles auf den gleichen Ton gestimmt. Eine vergleichbare Anhebung des kollektiven Bewusstseins beobachtet er auch heute; was gut sei, denn so könne man darauf hoffen, dass eine ähnliche Bündelung der kulturschaffenden Kräfte möglich wird, in de­ren Folge die Fragmentierung von Mensch und Wissen durch einen neuen Blick aufs Ganze überwunden wird.
 
Nun nimmt er wieder Fahrt auf: »In der reRenaissance«, sagt er, »ist es nachgerade die Pflicht der Unternehmen, den Prozess der Globalisierung zu beschleunigen – hin zu einem Punkt, den man als ›Globalität‹ bezeichnen kann: ein Mehr an Zusammengehörigkeit, ein Mehr an Wohlstandsverteilung. Wenn ich sage, ein Unternehmen solle Gesellschaft gestalten, dann denke ich genau daran: dem Ungleichgewicht in der Welt konstruktiv zu begegnen.«
 
Aus der Mitte leben
Das Ungleichgewicht ins Gleichgewicht bringen – die Dis­harmonien der Welt aufheben, inspiriert von einem Geist der Schönheit. Stimuliert durch Kunst … »Ist Kunst eine Kraft­quelle für dich?«, lautet meine nächste, durchaus rhetorische Frage. »Für mich ist Kunst Horizonterweiterung«, verrät er, »eine ungeheure Inspirationsquelle, von der ich nicht genug bekommen kann.« Hinzu komme ein echtes Interesse an Künstlern, die er als Dialogpartner schätze. Beides zusam­men genommen, meint er, habe ihn wohl zum leidenschaft­lichen Kunstsammler werden lassen.
 
Wie weit diese Leidenschaft geht, habe ich beim Rundgang durchs T-Haus (T wie Teunen) eindrücklich erfahren. Selbst das Teunensche Meditationskissen findet sich im Kunstraum. Was hat es damit auf sich? – »Meditation ist für mich sehr wichtig«, sagt er und ergänzt, dass er sich gerne mehr Zeit dafür nehmen würde. Aber der Irrsinn des täglichen Lebens mache ihm das schwer. Trotzdem hält er an dem Vorsatz fest. Denn Meditation und Yoga sind für ihn große Hilfen, die eige­ne Balance, die Stimmigkeit der eigenen Seele zu entdecken. Und die brauche er, denn: »Wenn man selber nicht in seiner Mitte ist, kann man auch anderen Menschen und Unterneh­men nicht dazu verhelfen, in ihre Mitte zu finden.« 
 
Leben – Lieben – Arbeiten
Mit seiner Firma Teunen Konzepte GmbH hilft er seit über 30 Jahren seinen Kunden dabei, ihre Unternehmenskulturen zur größeren Entfaltung zu bringen, den Wert ihrer Unternehmen zu steigern und Gesellschaft zu gestalten. © Sven NiederDie eigene Mitte – das ist für Jan Teunen, wie sollte es anders sein bei einem kunstliebenden und sinnenfrohen Holländer? – aber beileibe nicht eine rein spirituelle Aufgabe, sondern immer auch ein sinnliches und leibliches Abenteuer. Davon können wir uns zuletzt im »Piccolo Mondo« im nahe gelege­nen Örtchen Eltville überzeugen. Dort scheint man ihn und seine Frau gut zu kennen. Denn dort weiß man, dass er Erkäl­tungskrankheiten vorzugsweise mit erlesenen Weißweinen zu bekämpfen pflegt … Der Mann ist auch noch ein Heiler! Und was für ein humorvoller!
 
Bei Tisch verrät er mir zuletzt – beinahe beiläufig – das Ge­heimnis seiner Fröhlichkeit: »Ich bin ein Glückskind«, sagt er, »denn ich liebe meine Arbeit. Das ist ganz wichtig: Leben, Lieben und Arbeiten müssen eine Einheit bilden. Das ist mehr als Work-Life-Balance. Das ist ein Sich-Durchdringen aller Lebensbereiche. Sieben Tage die Woche, von morgens früh bis abends spät. Tatsächlich machen wir kaum Urlaub, weil un­sere Arbeit wie Urlaub ist. Man sollte immer nur das tun, was der eigenen Neigung und Leidenschaft entspricht.« Spricht’s und hebt das Glas. Prosit! //
 
Jan Teunen
Jan Teunen (1950) ist Cultural Capital Producer. Mit seiner Teunen Konzepte GmbH hilft er seit über 30 Jahren seinen Kunden dabei, ihre Unternehmenskulturen zur größeren Entfaltung zu bringen, den Wert ihrer Unternehmen zu steigern und Gesellschaft zu gestalten. Er hat zahlreiche prämierte Bücher editiert, unter anderem für IKEA und zuletzt dm Drogeriemarkt. Teunen ist Honorarprofessor der Hochschule für Kunst und Design, Burg Giebichenstein in Halle a. d. Saale.

Gesellschaft | WIR - Menschen im Wandel, 01.04.2015
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2015 - Nachhaltige Mode erschienen.
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Der Mensch ist, was er isst

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