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Aufstieg in die Bundesliga

Die Münchner Straßenfußballliga buntkicktgut nutzt die Begeisterung für das ­runde Leder, um Jugendlichen den Start ins Leben zu erleichtern.

Es ist früh am Samstagmorgen. Viele liegen noch im Bett oder gönnen sich ihren ersten Wochenend-Kaffee. Rüdiger Heid ist schon auf den Beinen. Der Gründer der Initiative buntkicktgut hat an diesem Tag für ein U13-Fußballturnier die Faganahalle im Norden Münchens angemietet. Es ist kalt, muffig und laut. Unten jagen zehn junge Ballkünstler dem runden Leder nach. Rüdiger steht am Ghettoblaster und lässt einen Torhymnen-Klassiker nach dem anderen aus der Lautsprecheranlage auf die Zuschauer los, während er die Namen der Torschützen ins Mikrofon brüllt.

Papa Rudi und sein Team
Er kennt alle Namen der ca. 1.000 Kinder und Jugendlichen, die er und sein Team betreuen. Jungen, Mädchen, Deutsche, Ausländer. Von ihnen wird Rüdiger Heid nur liebevoll Papa Rudi genannt. Einige Kinder stammen aus gutem Hause, andere haben schon schlimme Schicksalsschläge verkraften müssen. Eins haben sie alle gemein: die Liebe zum Fußball.
Wenn Rudi und sein Team keine Turniere ausrichten, gehen sie mit den Jugendlichen auf Ausflug, bereiten mit ihnen beim Teamcooking Spezialitäten aus deren Heimatländern zu und veranstalten Feste. Aber meistens trifft man sie im buntkicktgut-Büro in der Alten Feuerwache an der Schwan­thalerhöhe. Bilder und Pokale zieren die Räumlichkeiten. Sie dokumentieren die Erfolgsgeschichte einer Idee, mit der Ende 1997 in einer Flüchtlingsunterkunft im Münchner Stadtteil Sendling alles angefangen hat: eine interkulturelle Fußball-Liga als Instrument zur Integration und Vermittlung von Respekt, Toleranz, Identität und Fairness.

Zuerst wurde gerauft
Damals bildeten sich nach den ersten provisorischen Turnieren in den Asylantenheimen dicke Menschentrauben vor den Ergebnistafeln. Die Begeisterung der Jugendlichen war geweckt. Zu dieser Zeit kam es aber auch immer wieder zu Raufereien auf und neben dem Platz. Diebstahl, Beleidigungen und Konflikte mit der Polizei waren an der Tagesordnung.
Heute hat man viele Probleme in den Griff bekommen, mit einer Menge Geduld und Fingerspitzengefühl. Seit 1997 haben über 30.000 Münchner Kinder und Jugendliche aus über 100 Herkunftsländern bei buntkicktgut weit mehr als nur den Ball bewegt und sind zu einer großen Familie zusammengewachsen. Selbstorganisation, Mitbestimmung und Völkerverständigung werden aktiv gelebt. Die Kids sind im Liga-Rat aktiv, in der buntkicker-Redaktion, als Schiedsrichter, Ballartist oder Breakdancer und erlernen über das Spiel hinaus soziale Kompetenzen.

Verantwortung übernehmen
Der entscheidende Unterschied zu vergleichbaren Projekten liegt nicht nur in der Kontinuität der Liga, die durch regelmäßigen Kontakt zwischen den Teams eine kontinuierliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ermöglicht. Noch wichtiger ist, dass die Jugendlichen selbst Verantwortung übernehmen müssen und dadurch die Möglichkeit haben, dieses europaweit einzigartige Beispiel des organisierten Straßenfußballs aktiv mitzugestalten.
Das Engagement der Initiative geht mittlerweile weit über den Fußball hinaus. Junge Menschen werden ihren Talenten entsprechend gefördert, in ihrem Lebensentwurf unterstützt und auf eine gemeinsame Zukunft in Deutschland vorbereitet – fernab von Kriminalität und Gewalt. Die Initiative vermittelt Ausbildungsplätze im pädagogischen und kaufmännischen Bereich, die Möglichkeit, ein freiwilliges soziales Jahr zum Beispiel im Europäischen Freiwilligendienst zu absolvieren, und einiges mehr.

Talenteschmiede als Social Business
In den letzten 17 Jahren war die Organisation an der Förderung des friedlichen Miteinanders in München maßgeblich beteiligt. Seit 2012 gibt es auch in anderen Städten wie z.B. Berlin, Dortmund und Würzburg kontinuierliche buntkicktgut-Ligen. Und die Sozialunternehmer arbeiten fieberhaft an der Entwicklung entsprechender Qualitätssicherungs-Kriterien, um das Konzept von buntkicktgut an weiteren Standorten zu etablieren.
Doch für eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte benötigt buntkicktgut nicht nur den Doppelpass mit den vielen ehrenamtlichen Helfern, sondern auch den mit zukunftsorientierten Unternehmen. Denkbar wäre ein Förderbeirat aus Trägern der Jugendarbeit, Kommunen, Vereinen, Verbänden, aber auch Stiftungen und vor allem Unternehmen. Nur so kann ein Anpfiff für die Initiative auch auf weiteren Bolzplätzen der Republik ermöglicht werden.

Partner gesucht
Jeder Partner kann durch das Einbringen von Kernkompetenzen, finanzieller Mitarbeit und Kontakten die Entwicklung aktiv vorantreiben und dabei selbst profitieren. Firmen erwartet bei buntkicktgut ein authentisches CSR-Engagement und die Möglichkeit für eine frühzeitige Mitwirkung an der Skalierung eines bewährten Konzepts. Die geplante bundesweite Ausrichtung bietet ein flächendeckendes soziales Engagement mit hohem Bekanntheitsgrad, Imagegewinn und die Chance, individuelle CSR-Ansätze zu verfolgen.
Ob Werbebande, Spielmaterial, eigene Turniere mit der Beteiligung von Werbebotschaftern, Social Days für Mitarbeiter oder Catering bei Veranstaltungen – jedes Unternehmen kann hier einen Beitrag nach seinen Möglichkeiten leisten. Fakt ist: Ob klein oder umfassend, jede Kooperation hilft dabei, für den demographischen Wandel, den Fachkräftemangel, die Versorgungslücke im Rentenalter und den steigenden Ausländeranteil in Deutschland Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Damit sich die Scheiben also nicht nur im Ghettoblaster von Rudi und seinem Team, sondern auch in der deutschen Wirtschaft weiterdrehen, sind Projekte wie buntkicktgut auf das Engagement Dritter angewiesen. Um Wohlstand, Nachhaltigkeit und friedliches Zusammenleben für die Generation unserer Kinder und Enkel zu sichern. Denn: Deutschland braucht die jungen Wilden und jeder von ihnen hat die gleichen Voraussetzungen verdient.
www.buntkicktgut.de

 


 
Beispiel einer erfolgreichen Firmenkooperation
       
Migration spielt vor dem Hintergrund der Unternehmensintegration bei multinationalen Unternehmen und auch bei der voranschreitenden Globalisierung eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund sind die HypoVereinsbank und die Unternehmensstiftung UniCredit Foundation seit 2009 der strategische Partner von buntkicktgut und fördern deren Entwicklung im Rahmen der Initiative „Fußball integriert". Seitdem nahmen über 10.000 Kinder und Jugend­liche an der Straßenfußball-Liga teil. Für den Auf- und Ausbau der Initia­tive hat die UniCredit Foundation bereits über 500.000 EUR gespendet.

Über das finanzielle Engagement hinaus unterstützt die HypoVereinsbank mit Kontakten zu potenziellen weiteren Partnern sowie bei Aktionen und Veranstaltungen. Dazu zählt die Ausrichtung des buntkicktgut-open/UniCredit Cups, einem jährlich stattfindenden internationalen Straßenfußball-Turnier. Durch die Partnerschaft der HypoVereinsbank mit dem FC Bayern war es möglich, dass buntkicktgut 2012, 2013 und 2014 das Team Deutschland beim FC Bayern Youth Cup stellte und gegen internationale Jugend-Auswahlmannschaften aus Österreich, Italien, Indien, Thailand, Myanmar, USA oder China spielte. Die Ergebnisse sind nicht nur packende Fußballspiele, sondern eine erfolgreiche Integrationsarbeit und beeindruckende Karrieren junger Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Für die geplante Ausweitung werden erfahrene HVB-Experten vor Ort zu Mentoren für jeweilige Leiter neuer buntkicktgut-Standorte und unterstützen bei Fragen hinsichtlich Organisation, Finanzen und Kommunikation.

Durch ihr Engagement leistet die HypoVereinsbank, unterstützt von der Social Entrepreneurship Akademie, einen gesellschaftlichen Beitrag, Kinder und Jugendliche jeglicher Herkunft spielerisch an Themen wie Toleranz und Verantwortung heranzuführen – und somit die Basis für Chancengleichheit und Integration zu schaffen.
 
 

MARKUS GIESE
studierte Kommunikationswissenschaft in Salzburg und ist derzeit Volontär in der Onlineredaktion der Abendzeitung München.

RICO GÜTTICH

studierte BWL in München und arbeitet als Volontär bei München TV.

 
Beide begleiteten einen ehrenamtlichen Helfer bei buntkicktgut und lernten durch ihn die Philosophie der Initiative kennen und schätzen.
 

Lifestyle | Sport & Freizeit, Reisen, 01.07.2014
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2014 - Tooooor! 3:0 für Nachhaltigkeit erschienen.
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