CR-Management für Praktiker. Weiterbildung für nachhaltiges Wirtschaften. Universität Bayreuth, 07.-11.10.2019

Rapunzel vergibt den 3. One World Award

Eine Welt in Legau

Ist der Bürgermeister der philippinischen Stadt Dumingag ein Beispiel dafür, dass Politiker durchaus den Verlockungen der Industrielobby widerstehen können und die breite Bevölkerung davon profitiert? Die Preisträger des One World Awards (OWA) zeichnen sich durch ihren beispielhaften Einsatz für den dauerhaften Erhalt unserer einen Welt aus und kämpfen mit Erfolg dafür, dass JEDER von ihr profitiert. forum hat die internationalen Finalisten des Jahres 2012 im beschaulichen Allgäu kennengelernt.

V.l.n.r.: Bernward Geier, Vorsitzender der OWA-Jury, Markus Arbenz, IFOAM-Geschäftsführer, stolze Ehegattin mit Preisträger Mayor Jun, Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises, Joseph Wilhelm, Gründer und Geschäftsführer von Rapunzel Naturkost.
Am 14. September 2012 lud Rapunzel Naturkost zur Verleihung des One World Awards (OWA) nach Legau im Allgäu ein. Joseph Wilhelm, Gründer und Geschäftsführer von Rapunzel, empfing dort etwa 500 Gäste aus aller Welt.

Humberto Rios (l.i.B.) beim Begutachten des Saatguts.
Wer die Wahl hat, hat die Qual

Bernward Geier, Vorsitzender der OWA-Jury, begab sich im Vorfeld der Verleihung auf eine spannende Reise in die jeweilige Heimat der Nominierten und dokumentierte seine Eindrücke in einem Kurzfilm. Dieses Erlebnis teilte er mit den Gästen der Preisverleihung und stellte die Finalisten mit der Dokumentation vor:

Humberto Rios aus Kuba musste feststellen, dass das industrielle Modell der Pflanzenzucht die Biodiversität in seinem Land rapide zerstörte. Deshalb lehrte er u.a. 2.000 Landwirten Saatgut zu züchten und zu vermehren. Bereits in seinen Pilotprojekten hat er Bauern in die Forschung miteinbezogen und sie gelehrt ihr eigenes Saatgut herzustellen.

Nazmi Ilicali aus der Türkei bietet tausenden Landsleuten durch die Interessenvertretung von Bio-Bauern in Verbänden und Organisationen Perspektiven auf dem Land, indem er bspw. Abnahmeverträge für Bio-Getreide mit der Stadt Istanbul erstellt. Er wirkt dadurch der Flucht von ländlichen in städtische Räume entgegen.

Premanjali Rao aus Indien kämpft aktiv gegen Armut durch ökologische und soziale Projekte wie Umwelterziehung für Schüler und die
Nazmi Ilicali in Ostanatolien - In der alpinen Region mit bis zu 9 Monaten Schnee ist Landwirtschaft ein ständiger Existenzkampf.
Ausbildung von Erwachsenen zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung auf Grundlage der biologischen Landwirtschaft. In Selbsthilfegruppen für Frauen lernen diese sich zu organisieren und können sich durch eigene kleine Unternehmen oder landwirtschaftliche Betriebe aus der Armutsfalle helfen.

Elba Rivera aus Nicaragua setzt sich für Gesellschaft und Umwelt mit Hilfe von Bildungsprojekten und weltweiter Vernetzung ein. Konfrontiert mit einem der schlechtesten Schulsysteme Lateinamerikas legt sie in ihrer Arbeit viel Wert auf qualitative Erziehung und lässt dabei den ökologischen Aspekt nie aus den Augen.

And the OWA goes to...

Vandana Shiva, Trägerin des alternativen Nobelpreises und Jury-Mitglied, verkündete den OWA-Gewinner Mayor Jun aus den Philippinen und lobte seine beispielhafte Regierungsführung und seine wegweisenden Erfolge in der Förderung des biologischen Landbaus und einer nachhaltigen und ländlichen Entwicklung. Der Film von Bernward Geier gab Einblick in den Kampf des Bürgermeisters für
Premanjali Rao übergibt einer Schülerin eine Urkunde.
eine nachhaltige Zukunft der Stadt Dumingag und den 44 zugehörigen Dörfern. Unter großem politischem Druck weigerte sich Mayor Jun ein Regierungsprogramm
Elba Rivera, Finalistin des One World Awards 2012. Mit 18 lernte sie Lesen und Schreiben, 5 Jahre später war sie die beste Abiturientin, danach studierte sie in Deutschland.
von mehreren Millionen Pesos zur Subvention von Kunstdünger und Hybridsaatgut umzusetzen. Da diese Entscheidung nicht im Interesse der Agrarchemie-Händler lag, erschwerten sie ihm seine Aufgabe als Bürgermeister. Auch im gefährlichen Kampf gegen Korruption blieb sich Mayor Jun treu. Trotz hohen Bestechungsangeboten weigerte er sich einer Goldminengesellschaft Konzessionen zu geben. Dass so ein Einsatz in den Philippinen auch eine Menge Mut verlangt, zeigt die Tatsache, dass die Bergregion nun von bewaffneten, organisierten Goldgräbern infiltriert wird.
Mayor Jun wurde für diesen Einsatz ausgezeichnet und bekam die OWA-Statue und einen Scheck über 25.000 Euro.

Die bronzene OWA-Statue wurde von Dao Droste, einer vietnamesisch-deutschen Künstlerin angefertigt. Die Verantwortlichen waren sich einig, dass eine gute Welt nicht ohne Frauen gelingen kann und gaben der Figur daher einen weiblichen Körper.

One World Award-Gewinner Major Jun in der Mitte seiner Bürger. Vermutlich wurde er so bei der Rückkehr aus dem Allgäu gefeiert.
Sichtlich berührt bedankte sich Mayor Jun im Namen aller seiner Mitstreiter aus Dumingag bei den Initiatoren des Preises und forderte alle Bürgermeister und Verantwortungsträger der Welt dazu auf diesen Erfolg als Inspiration und Motivation zu nehmen, um nachhaltigen Wohlstand für alle zu schaffen. "Diese Auszeichnung ist besonders, da sie für alle Menschen in der Welt ist, auch für Bauern und Bäuerinnen", so die Nominierte Elba Rivera. Wie ihre Finalisten-Kollegen erhielt sie eine Urkunde und ein Preisgeld von 2.000 Euro.

Boden - nicht Schmutz sondern Leben

Zur Gala reiste auch Ana Primavesi im stolzen Alter von 92 Jahren von Brasilien ins Allgäu und nahm dort den Lifetime Achievement Award, die OWA-Auszeichnung für lebenslanges Engagement, entgegen. Seit über 50 Jahren gibt die Wissenschaftlerin und Ökopionierin ihr Wissen zum ökologischen Landbau und besonders zur Bodenfruchtbarkeit sowohl an akademische Institutionen als auch direkt an die Bauern in ganz Lateinamerika weiter und publizierte wichtige Arbeiten zum Thema. Wenn Ana Primavesi über Boden spricht, macht sie deutlich, dass es sich dabei nicht um Schmutz handelt - sondern um unsere Lebensgrundlage. Sie freue sich nun darüber, dass dieses wichtige Element endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient hat.

Ana Primavesi - Trägerin des OWA Lifetime Achievement Award.
Hans Herren, der OWA-Preisträger 2010 und Träger des "World Food Preises", betonte in seiner Ansprache die Dringlichkeit der OWA-Ziele: Die Förderung einer Globalisierung, die sich an den drei Säulen der Nachhaltigkeit - Ökologie, soziale Aspekte und Ökonomie - orientiert. Das Engagement für Umweltschutz und faire Lebensbedingungen. Und schließlich die Ermutigung zum verstärkten Einsatz für eine glückliche, lebenswerte Zukunft und eine friedliche Gesellschaft. In den 1980er Jahren rettete Herren mit seiner biologischen Bekämpfung eines verheerenden Insektenschädlings im Maniok Millionen von Menschen in Afrika vor dem Hungertod und kämpft heute mit seiner Stiftung Biovision dafür die Lebenssituation der Menschen dort nachhaltig zu verbessern und die Natur als Grundlage allen Lebens zu erhalten. "Mein Leben und meine Arbeit sind geprägt von der Überzeugung, dass alle Menschen das Recht auf genügend Nahrung und eine gesunde Umwelt haben".

Sehen Sie demnächst beeindruckende Statements der Finalisten Humberto Rios, Elba Rivera, Nazmi Ilicali sowie der Preisträger Ana Primavesi und Major Jun auf www.99seconds.tv.
Außerdem stellen sich dort die Ökopioniere Hans Herren und Joseph Wilhelm vor.
Mehr Infos zum OWA finden Sie unter:
www.one-world-award.de

Sehen Sie hier die Highlights der OWA-Gala in einem Video.
 
 
Von Nadine Michelberger

Hier finden Sie weitere spannende Beiträge zum Thema:
Der Boden der Tatsachen - ein Beitrag zum Wert unter unseren Füßen
SusCon - vom Reden zum Handeln. Die Internationale Konferenz für eine nachhaltige Zukunft im November 2012
Videostatement von der Alternativen Nobelpreisträgerin Vandana Shiva
Quelle: Heike Kirsten
Umwelt | Umweltschutz, 18.09.2012

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