Outdoor-Test: StatusCHECK Nachhaltigkeit 2012

Welche Rolle hat das Konzept der Nachhaltigkeit in der Outdoor-Branche in den letzten 12 Monaten eingenommen?

Etwas mehr als zwölf Monate ist es her, dass die Redaktion von Outdoor-Test das Themenspecial "Outdoor und Nachhaltigkeit" veröffentlicht hat. Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Outdoor-Branche nach wie vor aktuell. Während Stiftung Warentest den Status Quo konstatiert, hat Outdoor-Test interessiert, was sich in den vergangenen Monaten in der Branche getan hat.

Befragt wurden dazu sowohl Hersteller von Outdoor-Produkten als auch Organisationen wie die bluesign technologies ag (www.bluesign.com), die Christliche Initiative Romero (www.ci-romero.de) oder die Fair Wear Foundation (www.fairwear.org).

Die wichtigsten Nachhaltigkeitsentwicklungen in der Outdoor-Branche zusammengefasst:
  • Fakt ist, so Tanya Bascombe von der EOCA (www.outdoorconservation.eu/), dass die EOCA mittlerweile 80 Mitglieder umfasse. Fakt sei aber auch, dass sich auf der OutDoor in Friedrichshafen 900 Aussteller präsentiert haben. Das bedeute, dass weniger als 10 % der Outdoor-Industrie bislang in die brancheneigene Organisation EOCA involviert sei! Tanya Bascombe weist allerdings ausdrücklich daraufhin, dass dies aber nicht bedeute, dass diese Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit inaktiv seien.
  • Sophie Koers von der Fair Wear Foundation sieht als einen der Gründe für die massiven Überstunden in den Produktionsstätten der Outdoor-Industrie den hohen Druck, den Marken auf die Einhaltung bei den Lieferterminen ausüben. Designs würden in der letzten Minute finalisiert, was die Produktionsstätten dazu zwinge, ihre Arbeitskräfte bis zum Limit zu belasten - oder darüber hinaus.
  • Kirsten Clodius, Christliche Initiative Romero, stellt in Ihrer Antwort faire Löhne in den Mittelpunkt: "Vor kurzem startete ein Pilotprojekt der Fair Wear Foundation gemeinsam mit der European Outdoorgroup (EOG). Ziel ist es, für drei hochwertige Produktgruppen die Lohnkostenanteile zu analysieren, um - im nächsten Schritt - auf dieser gesicherten Basis zu versuchen, die Löhne anzuheben und sich an einen existenzsichernden Lohn anzunähern."
  • Sebastian Baumgartner, bluesign technologies ag, weist darauf hin, dass der EcoIndex in die Aktion Sustainable Apparel Coalition integriert worden sei.
    (www.ecoindexbeta.org, www.europeanoutdoorgroup.com/sustainability-csr/sustainability/ecosac-index) bluesign hebt des Weiteren das Potential im Bereich Recycling und Rücknahme von Produkten hervor. Dieses Thema sollte industrieübergreifend/ganzheitlich angegangen werden, erklärt Sebastian Baumgartner. "Die Outdoor-Industrie hat die richtige Größe für ein solches Projekt und könnte auch hier analog dem EcoIndex Pionierarbeit leisten."
  • Auch wenn schwarz-weiß-Malerei immer problematisch ist, lassen sich die Outdoor-Unternehmen aus Sicht von Outdoor-Test in zwei Gruppen gliedern: Die erste Gruppe besteht aus den Unternehmen, die im Segment der hochtechnischen Funktionsbekleidung angesiedelt sind. Hier wird in aller Regel mit synthetischen Stoffen und/oder bedampften/beschichteten Materialien gearbeitet, die in Hinblick auf Wiederverwertbarkeit und Recycling eine Herausforderung darstellen. Unternehmen aus diesem Bereich legen hohen Wert darauf, Produktion und Recycling durch Nachhaltigkeitssiegel - wie z.B. bluesign - zu zertifizieren.

    Die zweite Gruppe fokussiert ihre Bemühungen in Richtung innovativer Materialien: Durch neue Fertigungsprozesse werden altgediente, natürliche Materialien neu entdeckt: Wolle, Kokos und weitere Fasern erleben in der Branche eine Renaissance. Da das Recycling dieser Stoffe meist sogar auf dem heimischen Kompost erfolgen kann, ist für diese Unternehmen in erster Linie eine Zertifizierung der Anbaubedingungen und Fertigungsprozesse von hoher Wichtigkeit.

    Übergreifend lässt sich erkennen, dass die Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen und fast jedes Unternehmen entsprechende Anstrengungen verfolgt. Einige Unternehmen fordern konzernübergreifende Abkommen und Initiativen.
  • Vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang nicht die Dualität von Nachhaltigkeitssiegeln. Auf der einen Seite verfolgen diese glaubwürdig das Ziel, Konsumenten bei der nachhaltigen Kaufentscheidung zu unterstützen. Auf der anderen Seite sind sie aber auch immer ein Marketinginstrument. Ähnlich wie das Bio-Siegel im Supermarkt mittlerweile viele Lebensmittel kennzeichnet, finden sich heute Nachhaltigkeitssiegel an zahlreichen Outdoor-Produkten. Diese Entwicklung ist begrüßenswert, das steht außer Frage. Doch täuschen Siegel auch darüber hinweg, dass nachhaltige Produktion ein Prozess ist, der eigentlich kein Ende kennt. Auch deshalb hat Outdoor-Test den StatusCHECK Nachhaltigkeit initiiert, der abseits von Nachhaltigkeitssiegeln und Qualitätsversprechen darüber Aufschluss geben soll, was inhaltlich an Fortschritten erzielt wurde.



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Quelle: Outdoor-Test, Christian Dohm
Lifestyle | Sport & Freizeit, Reisen, 11.09.2012

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