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Geld ist für die Menschen da!

Nachhaltigkeit im Finanzsektor

Welchen Beitrag kann der Finanzsektor zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft leisten? Welcher Rahmen muss dem Finanzsektor zu diesem Zweck gesteckt werden? Diese Fragen bedürfen zunächst einer anderen, grundlegenderen: Was ist Kernaufgabe einer Bank? Die Antwort ist denkbar einfach: Es ist die Versorgung und "Entsorgung" der sogenannten Realwirtschaft mit Geld. Dies geschieht z.B. durch Einlagen, Investments, Kredite, Beteiligungen und Absicherungsinstrumente (Derivate). Der Finanzmarkt muss dabei Fristen-, Risiko- sowie Liquiditätsausgleichsfunktion haben. Finanzdienstleister und deren "Medium" Geld haben keinen Selbstzweck. Sie haben nur eine unterstützende Dienstleistungsfunktion für die Realwirtschaft und damit für Menschen und ihre Bedürfnisse: sei es in privaten Haushalten, in Unternehmen, der öffentlichen Hand oder in gemeinnützigen Einrichtungen.

Nachhaltigkeit bedeutet für Banken mit einer sozial-ökologischen Zielsetzung: Geld als soziales Gestaltungsmittel einsetzen, um die Bedürfnisse der Menschen zu decken.
Foto: © GLS Bank
Die Auswirkungen der Finanzmarktrisiken haben sich vor allem in den großen Banken verstärkt, die sich von ihrer ursprünglichen Dienstleistungsfunktion entfernt haben: In der Rechtsform der Aktiengesellschaft bzw. in den Kapitalcasinos ihrer Investmentabteilungen. Auch die Spekulation in Rohstoffe, Währungen, Staatsanleihen und landwirtschaftliche Flächen geht munter und teilweise verstärkt weiter. Weil diese Banken aufgrund ihrer systemrelevanten Größe nicht pleitegehen "dürfen", müssen sie im Krisenfall nicht einmal die eigenen, direkten Risiken tragen, geschweige denn die indirekten Risiken in der Realwirtschaft. Letztere betreffen zum Beispiel Teile der Weltbevölkerung, die sich die spekulativ verteuerten Rohstoffe nicht mehr leisten können und Hunger leiden.

Vor diesem Hintergrund müssen bei der Bewertung die unterschiedlichen Produkte auf dem heutigen Finanzmarkt differenziert betrachtet werden:
  • Unmittelbar der Realwirtschaft dienende Produkte:
    Das klassische Bankgeschäft mit der direkten Kundenbeziehung zwischen Einleger und Bank auf der einen Seite und Kreditnehmern und Bank auf der anderen Seite zeigt sich als der eigentlich stabilisierende Faktor. Dieses Bankgeschäft ist in den letzten zehn Jahren strukturell und bei Betrachtung der Zinsspanne stark unter Druck geraten. Bei den Großbanken werden nur noch rund 30 Prozent der Gewinne in dem realwirtschaftlich sinnvollen Bereich erzielt. Rund 90 Prozent aller Finanzmarktregulierungen dürften sich dagegen auf diesen Bankbereich beziehen.
  • Mittelbar der Realwirtschaft dienende Produkte:
    Eine ganze Reihe derivativer Finanzinstrumente wie z.B. Swaps1 dienen mittelbar dem realwirtschaftlich orientierten Finanzgeschäft, etwa durch die Absicherung von Zinsänderungsrisiken, Laufzeitinkongruenzen und Währungsrisiken - also von Risiken, denen realwirtschaftliche Finanzgeschäfte zugrunde liegen. Diese derivativen Instrumente sind notwendig, um ungleichgewichtige Risiken der unterschiedlichen Finanzmarktteilnehmer auszugleichen und im einzelnen Institut steuerbar zu machen. Gleichzeitig ist eine Abgrenzung dieser sinnvollen Instrumente von rein abstrakten Produkten schwierig.
  • Nicht der Realwirtschaft dienende Finanzprodukte:
    Viele Finanzprodukte und Finanzunternehmen (z.B. Hedgefonds2 ) dienen nur dem Zweck, durch Spekulation Geld mit Geld zu verdienen. Diese Aktivitäten setzen auf tatsächliche, vermutete oder gar selbst beeinflusste Preisänderungen von Devisen, Aktien, Immobilien, Grundstücks- oder Rohstoffmärkten. Gerade in diesem Bereich hat es in den vergangenen zehn Jahren erhebliche Deregulierungen gegeben. Solche und andere rein abstrakte, spekulative Finanzinstrumente haben die größten monetären und möglicherweise auch realwirtschaftlichen Verluste der Geschichte verursacht.
Die Gesellschaft positiv gestalten...

Neben einer Veränderung der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen bedarf es einer breiten Aufklärungs- und Bildungskampagne zu finanzwirtschaftlichen Themen. Die Tatsache, dass die Art und Weise, wie wir Geld verwenden, in stärkerem Maße unsere Gesellschaft gestaltet als viele konsumtive oder politische Entscheidungen, muss stärker in das öffentliche Bewusstsein dringen. Schon heute sind nicht alle Banken nur auf den höchsten Profit aus. Im traditionellen Bankgewerbe gibt es bereits durchaus positive Alternativen. Die deutschen Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind eine davon. Sie sind nah an den Menschen vor Ort und decken den Bedarf kleiner und mittelständischer Wirtschaft. Durch ihre Verbundsinstitute sind sie - trotz der zu korrigierenden Fehlentwicklungen bei den Landesbanken - in der Lage, auch große und internationale Finanzgeschäfte abzuwickeln. Sie sind dezentrale, kleine und mittlere, selbstständige Institute und decken doch einen Marktanteil von rund 60 Prozent im Privatkundengeschäft ab. Daher sind sie durchaus in der Summe systemrelevant und zwar im Sinne einer Stabilisierung. Das zeigt zum Beispiel das Verbundrating A+ für die genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisen von der Ratingagentur Fitch.

...und dabei wirtschaftlich erfolgreich handeln!

Banken mit einer sozial-ökologischen Zielsetzung zeigen außerdem, dass Bankgeschäfte der Realwirtschaft und Gesellschaft wirklich dienen und bei langfristiger Ausrichtung erfolgreich wirtschaften können. Nachhaltigkeit bedeutet für sie: Geld als soziales Gestaltungsmittel einsetzen, um die Bedürfnisse der Menschen zu decken. Die Erhaltung oder bestenfalls Weiterentwicklung unserer Lebensgrundlage ist dabei zwingende Voraussetzung und ökonomischer Gewinn das Ergebnis wirtschaftlichen Handelns.

In einigen Ländern der Welt gibt es bereits Banken wie die GLS Bank, die erste sozial-ökonomische Universalbank der Welt. Sie prägt ein gemeinsames, wertebasiertes Geschäftsmodell. Einige Banken haben sich in der im Jahr 2009 gegründeten "Global Alliance for Banking on Values" (GABV) zusammengeschlossen. Das Netzwerk ist auch ein positiver Gegenentwurf als Reaktion auf die Finanzmarktkrise und nimmt als einzige weltweite Allianz von Mikrofinanz- und Nachhaltigkeitsbanken zu globalen Themen mit einer Stimme Stellung.

Sowohl die GLS Bank als auch die anderen Mitglieder der GABV sowie Genossenschaftsbanken und Sparkassen könnten als positives Modell von der Regulierung und Politik aufgegriffen werden, anstatt als exotisches Ausnahme-Phänomen an den Rand gedrängt zu werden. Eine grundlegende Veränderung zu erreichen, bedeutet jedoch für die "Besitzstandswahrer" aus Politik, Wirtschaft, Medien oder normale Bürger, ihre gewohnten Positionen zu verlassen. Die Barrieren für die notwendigen Veränderungen liegen letztendlich nicht in wirtschaftlichen oder systemischen Zwängen, sondern in den Köpfen und möglicherweise Herzen von uns allen.

1) Unter einem Swap (engl. (Aus-)Tausch) versteht man eine Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, an zukünftigen Zeitpunkten vertraglich definierte Zahlungsströme (Cash Flows) auszutauschen. Die Vereinbarung definiert dabei, wie die Zahlungen berechnet werden und wann sie fällig werden.

2) Hedgefonds sind eine spezielle Art von Investmentfonds, die durch eine spekulative Anlagestrategie gekennzeichnet sind. Hedgefonds bieten die Chance auf sehr hohe Renditen und tragen entsprechend ein hohes Risiko.
 
Von Thomas Jorberg, Vorstandsprecher der GLS Bank

Quelle: B.A.U.M.-Jahrbuch
Wirtschaft | Branchen & Verbände, 15.05.2012

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  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • Alfred Ritter GmbH & Co. KG
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Global Nature Fund (GNF)
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Bayer Aktiengesellschaft
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig


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