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Weckruf für Unternehmen? PUMAs erste ökologische Gewinn- und Verlustrechnung

145 Millionen Euro Umweltkosten - und nun?

Nachdem im Mai 2011 bereits erste Ergebnisse von PUMA zu Wasserverbrauch und Treibhausgasemissionen bekannt gemacht wurden, wird die Gewinn- und Verlustrechnung nun mit den Einwirkungen durch Landnutzung, Abfall und Luftverschmutzung vervollständigt. Viele Fragen bleiben aber weiterhin offen. Der Global Nature Fund fordert eine Verpflichtung zur Berichterstattung über Umweltauswirkungen von Unternehmen.

Neben dem Wasserbrauch hat Puma nun auch den Landverbrauch als kostenintensivsten Faktor in die Umweltbilanz einbezogen
Foto: © Global Nature Fund
Mit 94 Millionen Euro wurden die Umweltauswirkungen durch Wasserverbrauch und Treibhausgase von PUMA im Mai 2011 beziffert. Das ist bereits die Hälfte des Profits des Unternehmens. Nach der Einbeziehung der drei neuen Umweltvariablen steigen die Kosten auf 145 Millionen Euro an. Wie bei den ersten Aspekten fallen auch bei Landnutzung, Abfall und Luftverschmutzung die Hauptkosten auf den untersten drei Produktionsstufen, insbesondere bei der Herstellung von Rohmaterialien an. Auf diese Stufen hat PUMA nach eigenen Angaben am wenigsten Einfluss, da die Produktion fast komplett ausgelagert wurde.

"PUMA hat einen guten ersten Schritt gemacht und sagt offen, dass die Ergebnisse weiter verfeinert werden müssen. Insbesondere ist PUMAs Rechnung aber begrüßenswert, weil die Umwelteinwirkungen gemessen werden, die monetäre Bewertung sollte nur das Sahnehäubchen sein", sagt Tobias Hartmann, Projektmanager bei der Umweltstiftung Global Nature Fund. Die Zahlen seien eher als Annäherungswerte zu sehen, so der Ökonom Hartmann. Dazu sind die Bewertungsmethoden noch nicht ausgereift genug und letztlich der Komplexität der Umwelt (noch) nicht gewachsen.

Mit 37 Millionen Euro verursacht der Landverbrauch etwas mehr als ein Viertel der Kosten. Die große Frage, ob die Effekte, die mit Landnutzung einhergehen, abgedeckt werden, kann allerdings nicht ganz geklärt werden. PUMA vertraut bei der Berechnung der Kosten auf eine ausgiebige Literaturrecherche. Die Studien, an denen sich PUMA orientiert sind - wo sie bekannt sind - renommiert. Damit werden aus den Werten pro Hektar die Kosten für den Anbau von Kautschuk und Baumwolle sowie die Lederproduktion berechnet. Die grundsätzliche Problematik der unzureichenden Bewertungsmethoden wird somit allerdings nicht umgangen. PUMA ist zugute zu halten, dass sie für ihre Vorprodukte die Kosten voll zurechnen und auch für Leder, das oftmals nur ein "Abfallprodukt" der Fleischproduktion ist, ebenfalls anteilsmäßig der Landnutzungseffekte berechnen. Auch ist es positiv zu vermerken, dass PUMA der Verknappung der Ökosysteme Rechnung trägt, die Nutzung von z.B. Grasland wird demnach umso teurer, je weniger Grasland es gibt. Die errechneten Werte pro Hektar erreichen so eine enorme Bandbreite. Sie reichen von 63 Euro bis 18.653 Euro.

Ähnlich große Bandbreiten ergeben sich auch für die Luftverschmutzung. Bei der Komplexität der Auswirkungen von Luftverschmutzung musste PUMA auf regionale Durchschnittswerte zurückgreifen. Auch hier bedient man sich bei der monetären Bewertung einer Vielzahl von Methoden von Reinigungskosten von Gewässern bis Studien zur Zahlungsbereitschaft. Auch wenn hier vorsichtig vorgegangen wird, bleibt weiterhin die Frage der Validität der Zahlen.

Die durch Abfall entstehenden Umweltkosten sind am geringsten. Interessant dabei ist vor allem auch, dass hier durch Energierückgewinnung und die damit einhergehende Minderung der Nutzung fossiler Brennstoffe auch Gewinne für die Umwelt von PUMA verbucht wurden.

Abschließend bleibt die größte Frage: Was nun? PUMA hat sich als Pionier der ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung positioniert. Doch was macht das Unternehmen nun mit den Ergebnissen? Puma kann die Ergebnisse zur weiteren Reduzierung der Umweltauswirkungen in der Produktion und Beschaffung nutzen. Ein nächster Schritt könnte die Berechnung der Umweltkosten einzelner Produkte sein. Wenn diese Kosten zumindest teilweise an die Kunden weitergegeben werden, bewirkt dies eine Änderung im Konsumverhalten.

"Eine Internalisierung der Kosten oder einen vollständiger Ausgleich der Umweltschäden wird es kaum geben. Kein Unternehmen wird hierbei einen Alleingang wagen", so Tobias Hartmann. Der Global Nature Fund fordert die Einführung einer verpflichtenden ökologischen Gewinn- und Verlustrechnungen für wesentliche Umweltaspekte wie Landverbrauch, Wasser oder CO2. Freiwillige Maßnahmen einzelner Unternehmen reichen nicht aus. Erst aus einer Verpflichtung können dann auch weitere Lenkungselemente wie Steuern auf den Verbrauch von Naturkapital eingeführt werden. Nur dadurch wird erreicht, dass nicht die umweltfreundlichen Produkte, sondern umweltschädliche Güter teurer werden und die Hersteller für die verursachten Schäden aufkommen müssen.

Hintergrundinformationen
Der Global Nature Fund (GNF) ist eine internationale Stiftung für Umwelt und Natur. Der GNF koordiniert aktuell die Europäische Business & Biodiversity Kampagne - ein Konsortium aus europäischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Zielsetzung ist es, die große - auch ökonomische - Bedeutung des Naturkapitals darzulegen und das Engagement der Wirtschaft für den aktiven Schutz und Erhalt von biologischer Vielfalt sowie für Ökosystemdienst?leistungen zu gewinnen. Die Kampagne unterstützt Unternehmen durch Biodiversity Checks, Workshops und regionale Biodiversitäts-Foren. In der Kampagnen-Community können Experten und Nicht-Experten ihr persönliches Profil, das Unternehmensprofil sowie Case Studies kostenlos präsentieren. Die Kampagne wird vom LIFE+Programm der Europäischen Union gefördert.


Weitere Informationen zu GNF und Kampagne: www.globalnature.org; www.business-biodiversity.eu
Quelle: Global Nature Fund, Büro Bonn
Umwelt | Biodiversität, 21.11.2011

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