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10 Traumfragen an

Philipp Freiherr von und zu Guttenberg

Philipp Freiherr von und zu Guttenberg ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW). Naturverbundenheit begleitet ihn seit Kindertagen: Vater Enoch ist Mitbegründer der Umweltschutzorganisation BUND; mit Bruder Karl-Theodor nutzte er den Wald als Kinderspielplatz.

  1. Welche (Öko-)Sünde bereitet Ihnen Albträume?
    Derer sind es leider viele. Allen voran ist es aber der sorglose, ja fast apathische Umgang mit dem Problem des Klimawandels und die Zerstörung unserer Umwelt durch einen globalen ungebremsten Konsum. Aber auch der Verlust unserer Landschaften und Heimat. Die grotesken und katastrophalen Auswüchse der damaligen Flurbereinigung, die immer noch ungebremste Versiegelung der Flächen, bis zur Verspargelung schützenswerter Landschaftsteile bereiten mir nach wie vor Albträume. Es gilt umgekehrt aber auch für die Reaktionen einer politisch und ökonomisch motivierten "Wohlfühlökologie" wie z.B. die willkürliche Stilllegung von Wäldern aus einer nachhaltigen Nutzung in Deutschland auf Kosten der Tropenwälder.

  2. Wie würde Ihre individuelle Traumlösung dafür aussehen?
    Ich denke, eine Lösung einen Ausweg aus dem ungebremsten Ressourcenverbrauch zu finden und der Weg zu einem verantwortlichen Umgang mit unserer Natur liegt in einer tatsächlich realistischen Inwertsetzung unserer Ressourcen, in der Berechnung der intertemporalen Veränderungen und in der mathematischen Einbeziehung des Wohlbefindens der nächsten Generation. Das heißt eine neue wirtschaftliche Berechnungsgrundlage als Ablöse der neoklassischen Zinstherorie und des BIP als Allheilmittel globaler Probleme. Wir Menschen benötigen wirtschaftliche Zwänge um Veränderungen herbeiführen. Die Vernunft siegt wohl leider nur als Ausnahme.

  3. Warum ist es so schwer, grüne Träume wahr werden zu lassen?
    Das liegt wohl an der Tatsache, dass es gerade im Hinblick auf die sog. Ökologie die unterschiedlichsten Definitionen derselben gibt und individuelle Träume den realen Notwendigkeiten oder auch natürlichen Gesetzen widersprechen.
    Viele dieser grünen Träume blenden die Realität aus und versuchen Symptome zu bekämpfen anstatt sich den Ursachen konsequent zuzuwenden.

  4. Wie sieht Ihr Traum aus, irgendwie irgendwo irgendwas neu anzufangen?
    Mit dieser Frage habe ich mich noch nie beschäftigt. Unsere Realität ist zu spannend und birgt zu viele Herausforderungen, als dass ich mir die Flucht in einen Traum leisten könnte. Ich bin auch sehr zufrieden mit meinem Wie, Wo und Was. Ein Traum wäre allerdings das "Wann": In der Vergangenheit an wichtigen Stellschrauben zu drehen um möglicherweise eine andere globale Entwicklung herbeiführen zu können oder zu verhindern ist natürlich manchmal Bestandteil meiner persönlichen Traumwelt.

  5. Was macht einen Beruf zum Traumberuf?
    Ein Traumberuf ist für mich jener, der es erlaubt, das machen zu dürfen, was einem Spaß macht, einen erfüllt und mit dem Sie sich uneingeschränkt identifizieren können. Wenn Sie sich jeden Morgen auf den neuen Tag freuen, dann haben Sie für sich alles richtig gemacht.

  6. Wie gehen Sie mit zerplatzen Träumen um?
    Ich versuche daraus zu lernen - jedenfalls nicht daran zu verzweifeln.

  7. Wer wäre Ihr Traumpartner, um über Sinn und Unsinn des Glaubens an das Gute zu philosophieren?
    Dietrich Bonhoeffer wäre sicher mein Traumpartner gewesen.

  8. Welcher personifizierte Albtraum bedarf einer nachhaltigen Gehirnwäsche?
    Dazu fallen mir viele ein. Es steht mir aber nicht zu, über einzelne Individuen öffentlich zu urteilen.

  9. Was für einen Zukunftstraum möchten Sie auf alle Fälle realisieren?
    Mein Dilemma ist: ich habe zu viele! Einer ist aber, unserer Gesellschaft und Politik die Bedeutung unserer Wälder und des Rohstoffes Holz als essentielle Teillösung für unsere Energiefragen, im Kampf gegen den Klimawandel und als Modell für den gesellschaftlichen Wandel zu einer nachhaltigen Entwicklung näherzubringen. Das ist sicherlich noch viel Arbeit. Auch im Naturschutz um einen Paradigmenwechsel für viele Ideologien aus den 1970er Jahren, wie z.B. statischer Schutz und Stilllegungsphantastereien herbeizuführen.

  10. Was sollte die gute "(Öko)-Fee" erfüllen, damit Sie wieder süße Träume haben?
    Jedem Menschen täglich einen kleinen Löffel Vernunft und gesunden Menschenverstand nach dem Aufstehen verabreichen.

Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 24.10.2011
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2011 - Stadt der Zukunft erschienen.
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