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Ohne Unternehmen kein Stopp des Artenverlusts

Eine Bewertung der EU-Biodiversitätsstrategie

Die Wirtschaft spielt eine maßgebliche Rolle beim Erhalt von biologischer Vielfalt, betonte die Europäische Kommission bei der Vorstellung der neuen EU- Biodiversitätsstrategie am 3. Mai 2011.

88 % der Fischbestände in der EU sind überfischt
Foto: © Fotolia/Rob Bouwman
Um den Verlust an Arten und Lebensräumen bis zum Jahr 2020 aufzuhalten, gibt sie sechs Ziele vor. Neben einem verbesserten Artenschutz, einer Wiederherstellung von Ökosystemen und ihren Leistungen soll eine Integration von Biodiversitätszielen in anderen Politikbereichen erreicht werden. Eine nachhaltige Gestaltung der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei zählen hier zu den Schwerpunkten. Außerdem will die EU invasive gebietsfremde Arten bekämpfen und einen stärkeren Beitrag zum globalen Erhalt der Biodiversität leisten.

Was sagt die Strategie zu Wirtschaft und Biodiversität?
In dem Strategiepapier betont die Kommission besonders die Bedeutung der Biodiversität für die Wirtschaft. Mit Verweis auf den TEEB-Bericht (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) wird empfohlen, den Wert von Ökosystemen und ihren Leistungen wie reine Luft und sauberes Wasser, bei unternehmerischen Entscheidungen und im betrieblichen Berichtswesen zu berücksichtigen. Die Wirtschaft nennt die Kommission an erster Stelle der wichtigsten Partnerschaften, die sie für die Zielerreichung ausbauen möchte. Die Strategie trage zur Ressourceneffizienz und der Schaffung neuer Jobs und Geschäftsmodelle bei, so die Kommission. Soweit liest sich die Strategie gut. Bei der Betrachtung der Maßnahmen bleibt allerdings einiges im Vagen.

Was bedeutet die Strategie konkret für Unternehmen?
In der EU soll es zukünftig keinen Netto-Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen geben, was von direkter Relevanz für Unternehmen ist, wenn es etwa um verpflichtende Ausgleichs?maßnahmen für Eingriffe in die Natur und die Nutzung natürlicher Ressourcen geht. Im Maßnahmenkatalog zur Strategie kündigt die Kommission bis zum Jahr 2015 eine Initiative zum "No Net Loss" an, ohne jedoch Details zu Inhalt oder Form zu liefern (Ziel 2, Maßnahme 7b).

Bis zum Jahr 2012 soll das Natura 2000 Schutzgebietsnetzwerk weitgehend eingerichtet sein. Der Schwerpunkt liegt auf einem optimierten Management von Natura-Gebieten und auf der besseren Umsetzung bestehender Naturschutz-Gesetzgebung. Konkrete Aussagen fehlen - etwa im Hinblick auf Genehmigungsverfahren. Allerdings wird für die Zukunft eine verbesserte Kommunikation mit den betroffenen Interessengruppen angekündigt.

Mögliche neue Rechtsprechung und politische Rahmensetzung, die die Kommission in dem Papier nennt, betreffen Vorgaben zur Eindämmung invasiver Arten und zum gerechten Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen, eine Strategie zur "Grünen Infrastruktur" und die Bodenschutz-Rahmenrichtlinie.

Steuern oder Abgaben für den Verbrauch von natürlichen Ressourcen bzw. neue Anreizsysteme zum Ressourcenschutz werden ebenso wie eine Reform zur Abschaffung umweltschädlicher Subventionen im Strategiepapier als mögliche Schritte zu einer biodiversitätsnahen Marktwirtschaft genannt. Fehlanzeige herrscht allerdings bei konkreten Aussagen über die inhaltliche Ausgestaltung und Umsetzung.

Richtige Richtung - verbesserungsfähige Maßnahmen
Insgesamt ist die Strategie ein Schritt in die richtige Richtung - für Umweltverbände wie Industrie jedoch (noch) keine wirkliche Erfolgsstory. Ohne klare Vorgaben und eine Einbettung in weitere Politikbereiche werden die Ziele schwer zu erreichen sein. Auch besteht noch keine Planung, wie die vorgesehenen Maßnahmen finanziert werden. Im Herbst beginnen hierzu die Verhandlungen.

Ein Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie: Lebensräume erhalten durch eine nachhaltige Forstwirtschaft
Foto: (c) Fotolia/abcmedia

Ein entscheidender Punkt wird sein, in wieweit es gelingt, den Erhalt der Biodiversität bei der Reformierung der EU-Landwirtschaft- und Fischereipolitik zu integrieren. Agrarsubventionen für den Schutz von Ökosystemen im ländlichen Raum und die Einschränkung des Fischfangs durch EU-Flotten auf ein natürliches Gleichgewicht bis zum Jahr 2015 sind wichtige Elemente der Strategie.

Für die Wirtschaft ist eine Präzisierung der politischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dringend nötig, um zukünftig Planungssicherheit und weitere Anreize zum Schutz des europäischen und globalen Naturkapitals zu erhalten. Dies entbindet den Privatsektor nicht davon, Biodiversitätsaspekte in das unternehmerische Management aufzunehmen. Angebote zur Unterstützung - beispielsweise der Biodiversity Check der European Business and Biodiversity Kampagne - existieren und werden bereits von Unternehmen wie dem Outdoorhersteller Vaude oder dem Flughafenbetreiber Fraport genutzt.

Verfasser: Stefan Hörmann, Projektleiter Europäische B+B Kampagne

Weiterführende Links:

  • Kurzinformation der Kommission zur Biodiversitätstrategie auf Deutsch
  • Vollständige Fassung der EU Biodiversitätsstrategie
  • EU-Biodiversity Strategy-Guide




    Über die Europäische Business & Biodiversity Kampagne


    Die Europäische Business & Biodiversity Kampagne wurde von einem Konsortium aus europäischen Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) unter Führung des Global Nature Fund (GNF) initiiert. Ihre Zielsetzung ist es, die große - auch ökonomische - Bedeutung der Biodiversität darzulegen und das Engagement der Wirtschaft für den aktiven Schutz und Erhalt von biologischer Vielfalt sowie für Ökosystemdienstleistungen zu gewinnen.
    Die Kampagne unterstützt Unternehmen durch Biodiversity Checks, Workshops und regionale Biodiversitäts-Foren. In der Kampagnen-Community können Experten und Nicht-Experten ihr persönliches Profil, das Unternehmensprofil sowie Case Studies kostenlos präsentieren. In einem monatlich erscheinenden Newsletter berichtet die Kampagne über die aktuellsten Ereignisse zur Biodiversität. Die Kampagne wird vom LIFE+ Programm der Europäischen Union kofinanziert.

    Mehr Informationen finden Sie hier .



  • Quelle: Stefan Hörmann, Global Nature Fund
    Umwelt | Biodiversität, 11.05.2011

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