B.A.U.M.-Jahrbuch: Jetzt kostenlos reinlesen

Blätterrauschen und Waldgeschichten

Warum investieren private Unternehmen in Waldklimaprojekte?

Bäume pflanzen ist "in" - auch bei Unternehmen. Über gute Taten lässt sich gut reden. Der Umwelt nutzt es dann, wenn wirklich ein Wald entsteht - und nicht nur eine gute Nachricht.

Ökologisch & sozial unterwegs auf dem Waldlehrpfad: Der erfahrene Waldarbeiter Don José zeigt einer Gruppe junger Naturschützer einen Affen in den Kronen der Aufforstung Los Monos, in der Provinz Chiriquí.
Foto: © Forest Finance Service GmbH
Von Andreas Schnall

Tortí, Panama: Karge Weideflächen inmitten von letzten Resten Primärwald.

Feldarbeiter schneiden Gräser, die von Viehzüchtern als Hochleistungsfutter gesät wurden. Anschließend graben sie Löcher und pflanzen Baumsetzlinge hinein. Ein neuer Wald entsteht. Musste dafür Regenwald weichen? Nein. Hier entsteht ein Klimawald, ein neuer, artenreicher Mischwald, der nicht geerntet werden soll, sondern als reine CO2-Senke dient. Doch wer bezahlt das - und warum?

Jedes Unternehmen belastet das Weltklima durch CO2-Emissionen, die bei der Produktion oder beim Versand von Waren, der Mobilität der Mitarbeiter etc. entstehen. Aber immer mehr Kunden, Shareholder und nicht zuletzt Mitarbeiter fordern von Unternehmen, ökologisch verträglich zu handeln. Das ist der Weg in eine erfolgreiche Zukunft: Wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen, indem sie beispielsweise den CO2-Fußabdruck reduzieren und ausgleichen.

Wald: die einzige Möglichkeit, der Atmosphäre CO2 zu entziehen

Klimaneutral wird ein Unternehmen, wenn die Klimabilanz neutral ausfällt. Möglich wird das durch die Reduktion des CO2-Ausstoßes sowie die Kompensation der nicht reduzierbaren Emissionen durch hochwertige Klimaschutzprojekte. Das machen bereits viele bekannte Firmen wie DELL, HSBC und LeasePlan. Aber auch viele kleine und mittelständische Unternehmen, Hotels, Handwerker und Künstler kompensieren auf freiwilliger Basis ihre Emissionen.

Die Förderung von Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen ist dabei ein Lösungsansatz. Ein anderer beschäftigt sich mit der natürlichen Funktion der Vegetation als CO2-Speicher. Wälder sind Kohlenstoffsenken und bieten derzeit die einzige Möglichkeit, der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid (CO2 ) zu entziehen.

Tue Gutes und rede darüber - Wald als Marketinginstrument

Unternehmen auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt agieren, wie der Name schon sagt, freiwillig. Warum sie gerne in Waldklimaprojekte investieren? Wälder sind für Menschen Orte der Kraft - ein Wald bietet Erholung, frische Luft und Ruhe. Eine "Neu"-Aufforstung von Wald bietet zudem ökologische Vorteile wie Erosionsschutz, Erhöhung des Grundwasserspiegels und neuen Lebensraum. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite erklärt ein Unternehmer folgendermaßen: "Ich investiere in Projekte, die mir am Herzen liegen. Wald hat zudem den Vorteil, dass er etwas Greifbares ist." Waldprojekte lassen sich gut kommunizieren und sind somit ein gutes Marketinginstrument, gerade weil das Thema Regenwald fast täglich in den Medien ist.

Beide Aspekte eines Waldprojektes können aber auch zum "Greenwashing" genutzt werden. Denn Wald ist nicht gleich Wald. Zwar binden alle Bäume CO2 - viele Bäume sind aber längst nicht ein Wald, sondern oft nur Monokulturwüsten aus Eukalyptus oder Teak. Diese Art der CO2-Bindung zerstört Boden und Landschaft und liefert dennoch die Grundlage für die gleiche gute "Story", wie ein aufwändiger biodiverser Mischwald.

Verbraucher müssen deshalb genau prüfen, ob auch wirklich nachhaltig Wald geschaffen wird. Hier sind verantwortungsbewusste Unternehmer gefordert. "Nachhaltiges Wirtschaften und angewandter Klima- und Ressourcenschutz sind seit Beginn als Grundsatz in unserem Unternehmensleitbild verankert", sagt zum Beispiel Anja Lindner, Geschäftsführerin des überregional tätigen Bio-Caterers tegut. bankett GmbH aus Fulda. Gemeinsam mit der Klimaschutzberatung CO2OL ermittelte das Unternehmen seinen CO2-Fußabdruck. Alle anfallenden und nicht vermeidbaren Emissionen werden mittels Klimaschutzzertifikaten aus dem Projekt CO2OL Tropical Mix, einem ökologischen Wiederaufforstungsprojekt in Panama, ausgeglichen. Je Mahlzeit wurden durchschnittliche Emissionen von 3,4 kg CO2 berechnet. Dies entspricht Kosten für die Kompensation von weniger als 6 Cent pro Mahlzeit - Klimaschutz muss also nicht teuer sein.




Im Profil

Andreas Schnall ist Manager bei Forest Finance. Der Geschäftsbereich CO2OL hat sich auf die Aufforstung von natürlichem tropischem Mischwald spezialisiert und betreibt seit 1998 eigene, nachhaltige und zertifizierte Projekte in Panama und seit 2008 auch in Vietnam. Die in diesen Wäldern gespeicherten Tonnen CO2 werden auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt Privatpersonen und Unternehmen zum Kauf angeboten.








Lesen Sie diesen und viele weitere interessante Beiträge im Magazin "forum Nachhaltig Wirtschaften" 1/2011 mit dem Schwerpunkt "Green Building" und dem Special Deutschlands nachhaltige Unternehmen.

Das Magazin umfasst 164 Seiten und ist zum Preis von 7,50 ? zzgl. 3,00 ? Porto & Versand (innerhalb von Deutschland) direkt hier zu bestellen.
Oder unterstützen Sie uns durch ein forum-Abonnement

Quelle: FORUM Nachhaltig Wirtschaften Büro Süd
Umwelt | Biodiversität, 16.03.2011

Cover des aktuellen Hefts

Time to eat the dog

forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2019

  • Kein Müll!
  • Fridays for the Future
  • Nachhaltigkeit kleidet!
  • Die Insel der Träume
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
12
SEP
2019
Zermatt Summit 2019
Humanizing Globalization
CH-3920 Zermatt


03
OKT
2019
Kongress Wirtschaft und Spiritualität
Unternehmerischer Erfolg und Mitmenschlichkeit
79199 Kirchzarten


Alle Veranstaltungen...

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!


Philosoph aus Leidenschaft

Angedacht...
Kunstgriff der Natur. Warum wir unsere Endlichkeit bejahen sollen




  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • Global Nature Fund (GNF)
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Alfred Ritter GmbH & Co. KG
  • Bayer Aktiengesellschaft
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Deutsche Telekom AG


Bundesweiter Pflanz-Wettbewerb. 1. April bis 31. Juli 2019. Jederzeit anmelden: Alle Flächen, alle Menschen können mitmachen!