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Schwarze Schafe statt schwarzer Schwäne

Nur jedes sechste Unternehmen erreicht den oekom Prime Status

Skandale wie der Untergang der BP Ölplattform Deepwater Horizon oder die Selbstmorde zahlreicher Arbeitnehmer des taiwanesischen Elektronikzulieferers Foxconn haben 2010 die öffentliche Aufmerksamkeit verstärkt auf die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen weltweit gelenkt. Nur jedes sechste Unternehmen genügt aktuell den ökologischen und sozialen Anforderungen für den oekom Prime Status - so die Quintessenz des oekom Corporate Responsibility (CR) Review 2011. Ihren dritten Jahresbericht zur globalen Unternehmensverantwortung stellte die Nachhaltigkeits-Ratingagentur am 15. März 2011 in Frankfurt am Main vor.

Wenn man sich die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen anguckt, findet man viele schwarze Schafe.
Foto: © Hans Snoek - hs-buch.de / Pixelio.de
Die Geschehnisse im Golf von Mexiko oder in Taiwan, aber auch Diskussionen über Datenschutz im Zusammenhang mit durch Google Street View veröffentlichten Bildern zeigen nach Ansicht von Matthias Bönning, COO und Head of Research von oekom research, zweierlei: "Zum einen stehen die Unternehmen auf der ganzen Welt unter verstärkter Beobachtung der Zivilgesellschaft und der Investoren. Zum anderen kann kein Konzern mehr vorgeben, beispielsweise von menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Asien nichts gewusst zu haben." Denn solche Fakten seien keine 'schwarzen Schwäne' - also unvorhersehbare Ereignisse, so Bönning.

SAP, Henkel und BMW unter den DAX 30 Unternehmen führend

Dennoch waren auch 2010 zahlreiche Unternehmen aus den Industrienationen in Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen oder Umweltskandale involviert. Von den weltweit analysierten rund 3.100 Unternehmen aus 45 Branchen erreicht nur jedes sechste den oekom Prime Status. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) ist von einer nachhaltigen Wirtschaftsweise weit entfernt. Gut ein Viertel der Unternehmen (26 Prozent) hat zumindest die Basis für ein systematisches Nachhaltigkeitsmanagement gelegt. Unter den insgesamt etwa 550 Unternehmen (18 Prozent) mit oekom Prime Status sind rund 200 kleine und hoch spezialisierte Unternehmen aus Branchen mit sehr engem Bezug zum Thema Nachhaltigkeit wie beispielsweise erneuerbare Energien oder Wasseraufbereitung. Etwa 350 Unternehmen stammen aus konventionellen Branchen.

Unter den DAX 30 Unternehmen führen SAP mit einer Bewertung von 67,0 von 100 möglichen Punkten, Henkel (65,4) und BMW (64,9) die Rangliste an. Auch im Euro Stoxx 50 nehmen SAP und BMW Spitzenplätze ein, gefolgt von der Deutschen Telekom (61,8). Erstmals wurden auch alle Unternehmen aus dem MSCI Emerging Markets bewertet. Einige der darin enthaltenen Unternehmen brauchen hinsichtlich der Wahrnehmung ihrer unternehmerischen Verantwortung den Vergleich mit Unternehmen aus Industrieländern nicht zu scheuen: Dazu gehören beispielsweise der indische IT-Dienstleister Wipro (72,3) und der brasilianische Kosmetikhersteller Natura Cosméticos (63,1). Allerdings haben bisher lediglich rund zwei Prozent der analysierten Unternehmen in Schwellenländern den oekom Prime Status.

Verstöße gegen Sozial- und Wirtschaftsstandards weit verbreitet

Extensive Überstunden, schlechte Bezahlung, mangelhafte Arbeitssicherheit, massive Einschränkungen der Vereinigungsfreiheit - um die Rechte der Arbeitnehmer ist es häufig schlecht bestellt. Gerade Unternehmen, die im Zuge der Globalisierung mit Zulieferern aus Schwellenländern zusammenarbeiten, sehen sich häufig dem Vorwurf ausgesetzt, bei der Wahl ihrer Partner zu wenig auf international anerkannte Arbeitsstandards zu achten. So verstoßen rund 50 Prozent der Hersteller von Unterhaltungselektronik und Computern selbst oder in der Zulieferkette gegen derartige Rechte der Arbeitnehmer. Menschenrechtsverletzungen finden bei 40 Prozent der bewerteten Unternehmen der Bergbaubranche statt. Kartellrechtsverstöße waren gleich 75 Prozent der Hersteller von Unterhaltungselektronik nachzuweisen. "Bei der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung haben wir es nicht mehr mit schwarzen Schwänen, dafür aber immer noch mit vielen schwarzen Schafen zu tun", erklärt Bönning.

Druck durch nachhaltige Investoren wächst

Nicht nur bei der Globalisierung der Wertschöpfungsketten, auch bei der Kapitalanlage sind die Emerging Markets einer der wichtigsten Trends, für den sich auch nachhaltigkeitsorientierte Anleger interessieren. Der steigenden Nachfrage nach entsprechenden Titeln steht allerdings noch ein begrenztes Angebot geeigneter Emittenten gegenüber. oekom research geht davon aus, dass auch durch den Druck nachhaltiger Investoren die Unternehmen in Schwellenländern in den kommenden Jahren verbesserte Nachhaltigkeitsleistungen zeigen werden.

Insgesamt sind Marktanteil und Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen im Jahr 2010 weltweit gestiegen: Aktuell werden rund acht Billionen Euro unter Berücksichtigung sozialer, umwelt- und governancebezogener Kriterien angelegt, davon allein fünf Billionen Euro in Europa. Der überwiegende Anteil dieses Kapitals wird jedoch nach eher weichen Nachhaltigkeitskriterien verwaltet. "Nach dem beeindruckenden Volumenwachstum der vergangenen Jahre geht es nun darum, die nachhaltigen Kapitalanlagen qualitativ weiterzuentwickeln. Nur so lässt sich eines der Hauptanliegen des nachhaltigen Investments erreichen: die Umsteuerung der Unternehmen hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise", resümiert Bönning.

Der Jahresbericht 2011 sowie eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse stehen zum Download zur Verfügung.
Quelle: Silke Ladewig
Wirtschaft | CSR & Strategie, 15.03.2011

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