BIOFACH 2023 into organic - Paving the path - Nürnberg, 14.-17.02.2023

„Bis 2023 sind unsere Lieferketten transparent“

Maximilian Peters, Expert Corporate Responsibility bei cosnova, im forum-Interview

Viele Beautyprodukte haben eine lange Reise hinter sich, bevor sie im Handel erhältlich sind. Damit auf diesem Weg faire, international gültige Arbeitsbedingungen herrschen und Umweltstandards eingehalten werden, beschloss der Deutsche Bundestag im Juni 2021 das „Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten". Es tritt überwiegend am 1. Januar 2023 in Kraft. Für das Kosmetikunternehmen cosnova – bekannt für Marken wie CATRICE und essence – sind diese Verpflichtungen selbstverständlich und Teil der DNA des Unternehmens. Der Beauty-Player mit Hauptsitz im hessischen Sulzbach geht seit langem freiwillig weit über die Gesetzesvorgaben hinaus. Wie das gelingt, beschreibt Maximilian Peters, Expert for Sustainability & Corporate Topics bei cosnova, im Interview. 


Herr Peters, Stichwort Lieferkette – das neue Gesetz scheint cosnova nicht zu beunruhigen?
Maximilian Peters ist Expert Corporate Responsibilty bei cosnova. Neben der Umsetzung sozialer Projekte und Initiativen, ist die Überprüfung fairer Arbeitsbedingungen und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette Teil seines Aufgabenbereichs. © cosnova
Maximilian Peters: Nein, denn cosnova überwacht schon seit Jahren die Einhaltung der Sozial- und Umweltstandards entlang der Lieferkette. Wir hätten dies bei der bisherigen Gesetzeslage genauso wenig tun müssen wie unter dem nun verabschiedeten Gesetz, das sich nach der Mitarbeiterzahl richtet, die wir bei Weitem nicht erreichen. Seit Langem erfüllt cosnova die Vorgabe des Gesetzes, Risikoanalysen zu Menschenrechtsverletzungen in unseren Lieferketten durchzuführen. Darüber hinaus engagieren wir uns in internationalen Kooperationen und in verschiedenen Initiativen. 

cosnova hat keine eigenen Produktionsstätten. Wie sieht denn die Kontrolle Ihrer Lieferketten grundsätzlich aus?
Maximilian Peters: Wir wählen ausschließlich Unternehmen, die unsere Werte teilen und denen wir vertrauen. Faire Arbeitsbedingungen sind die Grundlage jeder Zusammenarbeit. Alle direkten Lieferant*innen müssen unseren Verhaltenskodex (Code of Conduct, CoC) als Teil der allgemeinen Geschäftsbedingungen unterzeichnen. Damit verpflichten sich die Lieferant*innen z.B. die Kernarbeitsbedingungen der International Labor Organization (ILO) und die jeweiligen lokalen gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Zusätzlich durchlaufen Lieferant*innen ein Nachhaltigkeitsrating bei unserem Partner EcoVadis, dem weltweit größten und zuverlässigsten Anbieter von Nachhaltigkeitsbewertungen. Hier wird uns regelmäßig eine überdurchschnittliche Performance des Supplier-Portfolios bestätigt. Diese Analysen geben uns einen guten Einblick in die Prozesse und Ernsthaftigkeit, mit der das Thema Nachhaltigkeit im Allgemeinen in unserer Lieferkette behandelt wird. 

Was passiert, wenn Zweifel an dieser Ernsthaftigkeit entstehen?
Maximilian Peters: Allein durch den Standort der Fabriken, beispielsweise in Osteuropa und Asien, gibt es in der Kosmetikbranche sogenannte Risikolieferant*innen. Dort führen wir zusätzlich in regelmäßigen Abständen Social Compliance Audits mit unserem Partner ELEVATE Global durch. Dadurch werden mögliche Probleme schnell erkannt und gelöst. Sollte dies auch nach intensiven Diskussionen nicht gelingen, wird als Ultima Ratio die Geschäftsbeziehung beendet. Darüber hinaus ist cosnova Mitglied der Responsible Beauty Initiative, um gemeinsam mit anderen Kosmetikunternehmen Branchenstandards für eine nachhaltigere Lieferkette zu entwickeln und voranzutreiben. Wir sind stolz darauf, dass unsere Mica-Lieferketten aktuell bereits zu 99 Prozent transparent sind, bis 2023 werden es 100 Prozent sein. 

Verschaffen Sie sich denn auch ein eigenes Bild?
Maximilian Peters: Normalerweise sind einige Kolleg*innen aus verschiedenen Abteilungen und ich als Social Compliance Experte mindestens einmal im Jahr bei unseren wichtigsten Lieferant*innen zu Besuch. Dort begleite ich Audits und tausche mich über neue Entwicklungen im Bereich Nachhaltigkeit aus. Wegen der Pandemie konnte ich letztes Jahr lediglich in Polen vorbeischauen. In anderen Ländern, vor allem in Asien, verlassen wir uns derzeit auf unseren Audit-Dienstleister ELEVATE, dem weltweit führenden Anbieter von Lösungen für Unternehmensrisiken und Nachhaltigkeit. Hierbei werden die Lieferant*innen hinsichtlich Arbeitssicherheit, Arbeitszeiten, Transparenz oder Umweltaspekten begutachtet. ELEVATE führt im Rahmen der Audits sowohl Kontroll-Rundgänge als auch Interviews mit den Mitarbeiter*innen in den Fabriken durch. 

Arbeitsbedingungen sind die eine Seite. Wie sieht es bei den Rohstoffen aus?
Maximilian Peters: Da sind wir ebenfalls streng. Für unsere Lieferanten gibt es eine verbindliche Negativliste von Roh- und Inhaltsstoffen, die für die Entwicklung neuer Produkte verboten sind. Aktuell sind das 66 Substanzen. Wir haben also noch strengere Kriterien an die Rohstoffauswahl, als gesetzlich gefordert. Seit 2015 prüfen wir alle Rohstoffe auch sorgfältig auf zusätzliche gesundheitliche, ökologische und soziale Aspekte. Das übernimmt unsere Nachhaltigkeitsabteilung, die jeden Stoff nach einem Ampelsystem bewertet – inzwischen haben wir mehr als 1600 Substanzen untersucht. Ziel ist es, unser gesamtes Sortiment ganzheitlich zu verbessern und so nachhaltig wie möglich zu gestalten. So bestehen die Produkte von essence beispielsweise bereits zu 100 % aus veganen Inhaltsstoffen, dies wollen wir zeitnah auch für die Produkte von CATRICE erreichen. Und schon im kommenden Jahr wird unser Sortiment komplett frei von Mikroplastikpartikeln sein.

Am Ende einer nachhaltigen Lieferkette stehen Verpackung und Entsorgung …
Maximilian Peters: Genau, deshalb überlegen wir bei der Entwicklung neuer Produkte von Anfang an, welche Teile und Materialien wir wirklich brauchen. Am effektivsten schonen wir nämlich die Rohstoffe, die wir gar nicht erst verwenden. Unser Ziel ist es, bis 2025 bis zu 30 Prozent Material einzusparen und bis zu 75 Prozent unserer Verpackungen und Trade Marketing Materialien recyclingfähig zu designen. Außerdem nutzen wir Rezyklate, wo immer es möglich ist. Bis 2025 wollen wir mindestens 50 Prozent unserer Verpackungen und Trade Marketing Materialien aus recyceltem Material oder erneuerbaren Rohstoffen herstellen. Und wenn das Make-up leer ist, ist es uns enorm wichtig, dass die Verpackung richtig entsorgt wird. Hier klären wir unsere Konsument*innen fortwährend auf. Auch das verstehen wir unter Verantwortung.  
 
Kontakt: cosnova GmbH, Maximilian Peters | service@cosnova.eu | www.cosnova.com

Wirtschaft | Lieferkette & Produktion, 22.03.2022
     
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