ÖKOPROFIT

Wie sich ÖKOPROFIT für Betriebe und Klimaschutz bezahlt macht

Erster Vor-Ort-Termin in einem ÖKOPROFIT-Projekt: Der Betriebsleiter führt den Berater über das Gelände des metallverarbeitenden Betriebes. Der Blick fällt auf eine seit zehn Jahren stillgelegte Produktionshalle. Beim Blick in die Halle sieht man einige noch vor sich hin glimmende Leuchtstoffröhren. Der Erstverdacht erhärtet sich: Der Letzte hat vergessen, das Licht aus zu machen! Bilanz für den Betrieb: Mindestens 20.000 Euro Stromkosten verschenkt!



"Nicht möglich", denken Sie? Stimmt, normalerweise dürfte das nicht passieren. Nicht immer in diesem Umfang, aber in vielen Betrieben wird trotz hoher Energiekosten mit der Energie nachlässig umgegangen. Projekte wie ÖKOPROFIT helfen Betrieben, die Einsparpotenziale zu erkennen und die Energieeffizienz zu erhöhen. Wie das geht und wie hoch der Gewinn für den Klimaschutz ist, zeigt dieser Beitrag.

Den Schlüssel zur Energieeffizienz findet man beim Aufbau eines systematischen Umweltmanagements. Viele Betriebe sind, wenn sie über Energieeffizienz nachdenken, zu sehr auf die Anlagentechnik fixiert.
Natürlich spielt die Technik auch eine wichtige Rolle, sie muss aber eingebettet werden in eine Organisation, die bei Planung und Bau eines Gebäudes beginnt und im Betrieb das gesamte Versorgungssystem vom Energieeinkauf bis zum einzelnen Verbraucher einbezieht.

Transparenz von Mengen und Kosten
Bereits beim Sichten von Verträgen und Abrechnungen fallen erste Ansatzpunkte zur Kostensenkung auf. Dabei liegt das meist gar nicht an "schlechten" Verträgen. Viele Betriebe nutzen nur unzureichend die Möglichkeiten, die ihnen die Verträge bieten. So sparte die Wäscherei eines Seniorenzentrums über 4.000 Euro pro Jahr an Stromkosten, indem sie Waschvorgänge in den günstigeren Nachttarif legte. Und häufig ist die Analyse der Verbrauchsdaten Ausgangspunkt für weitergehende Überlegungen im Betrieb.

Anpassung an den aktuellen Bedarf
Brauche ich tatsächlich so viel Energie, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen? Dieses ist die Ausgangsfrage vieler ÖKOPROFIT-Maßnahmen. So senkte ein Betrieb seine Energiekosten um rund 2.500 Euro pro Jahr durch Reduzierung der durchschnittlichen Raumtemperatur von 22 auf 21 Grad Celsius - und niemand hat es bemerkt. EDV-Räume müssen nicht - wie oft behauptet - stets auf 18 Grad Celsius gekühlt werden. Es gibt zahllose Maßnahmen, mit denen sich ohne Komfortverlust Energie einsparen lässt.






Das Energiesystem








Stand der Technik
Viele Betriebe nutzen teilweise veraltete Technik. Bei Klimatisierung und Kühlung, Beheizung und Beleuchtung bleibt der Stand der Technik nicht stehen. Im Dortmunder SIGNAL IDUNA PARK, der Heimstätte des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, spielte sich die Investition in eine neue Beleuchtung in gut einem Jahr über reduzierte Energieverbräuche wieder ein.

Systematische Analyse
Letztlich geht es darum, das Energiesystem systematisch zu überprüfen, die Stellschrauben für Energieeffizienz zu finden und regelmäßig zu kontrollieren und zu optimieren.
Das Umweltteam eines Dienstleistungsbetriebes aus Dortmund überprüfte systematisch alle Energieverbraucher im Haus und ergriff eine Vielzahl von Maßnahmen: Von der Verbesserung der Heizungsregelung über den Einbau von Bewegungsmeldern in wenig genutzten Räumen bis zur Information der Beschäftigten über richtiges Lüftungsverhalten wurde kaum ein Bereich ausgespart. Der Erfolg: rund 30.000 Euro weniger Energiekosten pro Jahr.

Innovation
Und manchmal stößt ÖKOPROFIT auch Innovationen an. Ein Betrieb, der Autoglas herstellt, reinigt das fertige Produkt am Ende des Produktionsprozesses mit Druckluft, um das Glas nicht zu zerkratzen. Im Rahmen von ÖKOPROFIT fiel auf, dass dieser abschließende Prozessschritt für den größten Teil des Stromverbrauchs verantwortlich ist. Eine Recherche ergab, dass in den USA eine Druckluftlanze für genau diesen Einsatzzweck entwickelt worden ist, die nur ein Bruchteil des Stromverbrauchs der alten Düsen aufweist. Die Investition in Höhe von rund 1.500 Euro spielte sich allein durch den verringerten Stromverbrauch innerhalb von 14 Tagen (!) wieder ein.

ÖKOPROFIT im Neu-, Aus- und Umbau
Besonders sinnvoll sind ÖKOPROFIT-Maßnahmen, die nicht nachträglich Ineffizienzen korrigieren, sondern gleich bei Planung und Bau ansetzen.
Beispielsweise hat ein Kfz-Meisterbetrieb an ÖKOPROFIT teilgenommen, um Erkenntnisse aus der Überprüfung des alten Standortes in die Neubauplanung einfließen zu lassen. So konnten die Regenwassernutzung bei der Fahrzeugwäsche, eine möglichst effiziente Wärmedämmung sowie die Beheizung von Wasser und Räumen per Solaranlage gleich in die Baukonzeption integriert werden - was durch deutlich geringere Verbrauchskostenabrechnungen belohnt werden wird.

Bilanzierung für den Klimaschutz
Die Ergebnisse der ÖKOPROFIT-Projekte summieren sich zu einem ernst zu nehmenden Beitrag für den Klimaschutz. In Nordrhein-Westfalen haben mittlerweile fast 800 Betriebe ein ÖKOPROFIT-Projekt abgeschlossen. Diese weisen mit ihren Energieeffizienz-Maßnahmen Einsparungen in Höhe von 267 Millionen Kilowattstunden pro Jahr aus. Dieses entspricht einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes um mindestens 650.000 Tonnen pro Jahr.
Greifbarer wird der Beitrag der ÖKOPROFIT-Betriebe auf lokaler Ebene.

Beispiel Aachen:
Die Stadt Aachen hat im Zuge ihres EnergieEffizienzKonzeptes die Energieverbräuche in der Stadt bilanziert und in Anlehnung an die EU-Energieeffizienz-Richtlinie Reduktionsziele für die verschiedenen Verbrauchergruppen entwickelt. Demnach sollen Industrie und Gewerbe pro Jahr etwa 33,5 Millionen Kilowattstunden weniger Energie verbrauchen. Die Einsparungen, die die 50 seit 2001 in der Region Aachen an einem ÖKOPROFIT-Projekt beteiligten Betriebe erzielt haben, betragen bereits 27,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Beispiel Münster:
Das Klimaschutzkonzept der Stadt Münster sieht bis 2020 eine Reduktion des Treibhausgases CO2 um 40 Prozent vor. Dieses erfordert über alle Energieverbraucher (Haushalte, Industrie und Gewerbe, Verkehr) eine jährliche Reduktion um rund 30.000 Tonnen CO2. Die Entlastung, die die 62 ÖKOPROFIT-Betriebe aus Münster in ihren Umweltprogrammen bilanzieren, beträgt etwa 4.500 Tonnen CO2 pro Jahr.

Fazit
ÖKOPROFIT unterstützt Betriebe bei der Einführung eines systematischen Energiemanagements sowie bei der Senkung ihrer Energieverbräuche. Der Beitrag zu Klimaschutzzielen ist auf lokaler Ebene bereits deutlich.



ÖKOPROFIT - Private-Public-Partnership in Reinstform




Johannes Auge ist Geschäftsführer der B.A.U.M. Consult Hamm.



ÖKOPROFIT ist ein Beratungs- und Qualifizierungsprogramm, das mittlerweile in rund 2.000 deutschen Betrieben und Einrichtungen durchgeführt worden ist. Das Konzept wurde in Graz entwickelt und 1998 in München an deutsche Verhältnisse angepasst. Projektträger ist eine Kommune oder eine Region, die einer Gruppe von Unternehmen am Ort Unterstützung bei der Senkung von Betriebskosten und bei der Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes anbieten möchte.

ÖKOPROFIT spricht Unternehmen da an, wo sie besonders sensibel sind: auf der Kostenseite. Es verbindet - wie der Name sagt - Umweltschutz mit konkreten Spareffekten. Teilnehmende Firmen bekommen Berater an die Seite gestellt, die anhand von Betriebsbegehungen zunächst eine Bestandsaufnahme machen. Gemeinsam mit den Beauftragten der Unternehmen erstellen sie dann einen Maßnahmenplan, der während der einjährigen Projektlaufzeit schrittweise umgesetzt wird. In ergänzenden Workshops tauschen sich die Teilnehmer untereinander und mit dem Fachteam aus.

Bei ÖKOPROFIT geht es nicht allein um das Thema Energie. Aufgrund des prozessorientierten Ansatzes des Projektes stehen alle Ressourcen, also neben Energie auch Betriebsmittel und Wasser, sowie Abwässer und Abfälle auf dem Prüfstand. Vor allem wegen steigender Energiekosten steht für viele Betriebe die Erhöhung der Energieeffizienz ganz oben auf der Tagesordnung - und deshalb zielen circa 60 Prozent der Maßnahmen, die im Zuge von ÖKOPROFIT-Projekten umgesetzt werden, auf eine Verringerung des Strom- oder Wärmeeinsatzes.

B.A.U.M. Hamm ist Teil der bundesweiten B.A.U.M. Group mit Standorten in Hamburg, Berlin, München, Stuttgart und Hamm. Weitere Infos:
www.baumgroup.de

Quelle: Redaktion Nachhaltig Wirtschaften
Technik | Energie, 04.08.2008

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