„60 Prozent der Mitarbeitenden engagieren sich“

Im Interview erzählt Umut Savac, CSR-Manager bei Barclays in Hamburg, warum niedrigschwellige Angebote so erfolgreich sind – und was „sich engagieren“ bei den Mitarbeitenden bewirkt.

Corporate Volunteering ist bei der Direktbank Barclays (früher Barclaycard) fest in der Unternehmenskultur verankert – über 60 Prozent der Mitarbeitenden engagieren sich regelmäßig. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung junger Geflüchteter, damit sie erfolgreich in eine Berufsausbildung starten können. Im Interview erzählt Umut Savac, CSR-Manager bei Barclays in Hamburg, welche Formate besonders gut ankommen und welchen Rahmen es für das erfolgreiche Engagement braucht.

Barclays bildet selbst nicht aus. Warum engagiert ihr euch dennoch für mehr Ausbildungs- und Jobchancen für junge Menschen?
Umut Savac, CSR-Manager bei Barclays in Hamburg © Dirk Eisermann/BarclaysDas Engagement der Mitarbeitenden ist schon lange Teil unserer Unternehmenskultur und seit unserer Gründung zu Beginn der 1990er Jahre fest im beruflichen Alltag unserer Belegschaft verankert. Mit vielen positiven Effekten: Es macht Spaß, ist sinnvoll, schweißt Teams zusammen und vereint Menschen aus unterschiedlichen Abteilungen.

Für uns ist als Leitbild die „Hilfe zur Selbsthilfe" ganz wichtig: Wir möchten Menschen dazu befähigen, selbstständig am gesellschaftlichen Leben zu partizipieren. Und das geht nur, wenn man Arbeit hat. Daher muss man früh bei den Jugendlichen ansetzen. 

In der Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Initiative JOBLINGE liegt euer Schwerpunkt auf der Unterstützung junger Geflüchteter, die vor dem Ausbildungs- und Berufseinstieg stehen. Wie kam es zu der Kooperation?
Mit der Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 haben wir die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu unserem Fokus im Engagement gemacht. Arbeit ist ein großer Integrationsfaktor, sie schafft Perspektiven für die Menschen und ihre Familien. Auf der Suche nach Kooperationspartnern ist uns JOBLINGE aufgefallen, wir sind ins Gespräch gekommen – und haben die Partnerschaft gestartet.

Was uns besonders gut gefallen hat: Bei JOBLINGE ist das ehrenamtliche Mentoring und Volunteering ein fester Bestandteil des Programms. Gerade diese Verankerung macht es nicht nur für die Jugendlichen so wertvoll, sondern auch für die Unternehmen und Menschen, die sich bei JOBLINGE engagieren.
Dieser Ansatz passt optimal zu unserer Vorstellung von Engagement. Es ist unglaublich motivierend und zufriedenstellend, wenn die Kolleg*innen spüren, „das, was ich mache, ist relevant und wichtig und es bewirkt etwas". 

„Gemeinsam neue Formate entwickeln"

In welcher Form unterstützt ihr die jungen Geflüchteten bei JOBLINGE? 
Gestartet sind wir mit dem 1:1 Mentoring, das macht den Kolleg*innen viel Spaß, bringt aber auch ein großes Commitment mit sich. Schließlich treffen sich Mentor*in und Mentee einmal wöchentlich über sechs Monate.

Es gab damals viele interessierte Kolleg*innen, die sich engagieren wollten und ein niedrigschwelliges Angebot suchten. Aus diesem Bedarf heraus ist das Bewerbungstraining als neues Format entstanden, das wir mittlerweile schon seit vier Jahren mehrmals im Jahr für die Jugendlichen bei JOBLINGE anbieten.
 
Wie läuft das Bewerbungstraining ab?
Die Jugendlichen kommen zu uns ins Büro, sie müssen vorher selbstständig die Adresse heraussuchen, sich am Empfang anmelden und auf den oder die Gesprächspartner*in warten. Diese realitätsnahe Simulation bringt schon einmal Schweiß auf die Stirn, die Nervosität steigt – eine wichtige Lernerfahrung! Besonders für die jungen Geflüchteten, die vorher keine Berührungspunkte in größeren Unternehmen hatten. Sie bekommen ein Gefühl dafür: Wie trete ich auf? Wie kann ich selbstsicherer werden?

Die Teilnehmenden sind nach der Übung stolz auf sich, denn sie sehen: Wenn ich lerne und übe, bringt das etwas! Manchmal sagen sie sogar: „Das echte Bewerbungsgespräch war viel einfacher, als das Gespräch bei euch." Für die Kolleg*innen ist diese direkte Rückmeldung sehr bereichernd, weil sie somit die Wirkung ihres Engagements unmittelbar erleben und wahrnehmen.

Ihr bietet auch Konversationstrainings an. Was ist das Besondere daran? 
Wir bieten unseren Mitarbeitenden damit eine weitere niedrigschwellige Form des Engagements an, denn sie müssen das Gesprächstraining nicht groß vorbereiten. Im Konversationstraining geht es lediglich darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die jungen Geflüchteten trauen, Deutsch zu sprechen. Diese positiven Erfahrungen geben ihnen Sicherheit, im Praktikum oder beim Small-Talk in der Mittagspause mitzureden. Auf der anderen Seite lernen unsere Kolleg*innen von den Jugendlichen Spannendes über ihren kulturellen Hintergrund und ihre Heimatländer. Der Vorschlag zum Konversationstraining kam von uns – und es ist toll, dass JOBLINGE immer offen für Ideen von außen ist.

„Man muss einen Rahmen schaffen"

Welche weiteren Möglichkeiten für soziales Engagement bietet ihr euren Mitarbeitenden noch an?
Unsere Angebote fußen auf drei Säulen: Menschen in Jobs bringen, Nachhaltigkeitsprojekte und kollegeninitiierte Spendensammlungen, wie zuletzt für die Flutopfer in Deutschland. Die gesammelte Summe verdoppeln wir zum Schluss.

Stellt ihr die Mitarbeitenden für das Engagement frei?
Unsere Kolleg*innen können zwei Arbeitstage im Jahr für ihr Engagement nutzen, also 16 Arbeitsstunden. Für uns ist es wichtig, einen Rahmen für den ehrenamtlichen Einsatz zu schaffen, denn wer möchte, dass sich die Mitarbeitenden gesellschaftlich einbringen, sollte das auch ermöglichen.

Wir laden unsere Mitarbeitenden regelmäßig dazu ein – das ehrenamtliche Engagement ist auch Teil unserer Welcome Days – „die Neuen" können theoretisch schon ab Woche eins mitmachen. Und über 60 Prozent unserer Kolleg*innen engagieren sich auch bei einem unserer zahlreichen Projekte!

Was rätst du anderen Unternehmen, um das Ehrenamt in die Unternehmenskultur zu integrieren?
Das wichtigste ist, dass Führungskräfte und Geschäftsleitung mitmachen und selbst Vorbild sind. Damit Engagement Teil der Unternehmenskultur wird, sollte man wegkommen von einzelnen Social-Days und stattdessen kontinuierliche Angebote machen. 
 
Kontakt:
JOBLINGE, Victoria Scherff | victoria.scherff@joblinge.de | www.joblinge.de
Barclays, Umut Savac | umut.savac@barclays.com | barclays.de

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