Innovationsforum Energie. Dekarbonisierung | Dezentralisierung | Digitalisierung | Wertschöpfung. Zürich, 2.-3. Juni 2022

Illegale Fischereiprodukte aus Westafrika bahnen sich Weg in die EU

EJF-Bericht zeigt hohes Risiko, dass illegal gefangener Fisch aus Ghana auf dem europäischen Markt landet

EU-Verbraucher*innen unterstützen unbeabsichtigt illegale Praktiken und Überfischung in den Gewässern Ghanas. So lautet das Fazit eines neuen EJF-Berichts.

Industrielle Trawler, die nach Europa exportieren dürfen, wurden mit illegalen ausländischen Eigentümerstrukturen sowie mit dem illegalen „Saiko"-Handel in Verbindung gebracht. Gleichzeitig werden sie beschuldigt, in Sperrzonen gefischt, verbotene Netze verwendet sowie gezielt die Fänge lokaler Kanufischer gestohlen zu haben.

Industrielles Fischereifahrzeug © EJFWährend Thunfisch den Großteil der Exporte von Ghana in die EU bildet, überführt Ghanas industrielle Schleppnetz-Flotte jährlich zwischen 2.000 und 3.500 Tonnen Tintenfisch, Kraken und Kalmare nach Europa – vor allem nach Portugal, Italien und Spanien. Der Wert der Ware beläuft sich auf ca. 10 Millionen Euro. Genau diese besagte Flotte gibt Anlass zu großer Sorge, so EJF. 

Mithilfe von Daten aus Satellitenüberwachung und Beobachtungen auf See sowie der Zusammenführung von Daten anderer Organisationen konnte EJF mehrere Fälle belegen, in denen Trawler, die für EU-Exporte zugelassen sind, an illegalen Aktivitäten beteiligt waren.

Insbesondere die Verwicklung in den illegalen „Saiko"-Handel ist besorgniserregend. Dabei fangen industrielle Trawler gezielt den Fisch, der lokalen Kanufischern vorbehalten ist, und laden ihn auf See in speziell angepasste Boote um. Anschließend wird er auf lokalen Märkten an die Bevölkerung zurück verkauft. „Saiko" treibt den Zusammenbruch kleiner pelagischer Fischpopulationen in Ghana voran und bedroht die Existenzgrundlage von 2,7 Millionen Ghanaer*innen. 

Obwohl es gegen ghanaisches Recht verstößt, sind etwa 90% der industriellen Schleppnetz-Flotte Ghanas durch chinesische Eigentümerstrukturen geprägt. Schiffsbetreiber nutzen undurchsichtige Unternehmensstrukturen und „Scheinfirmen", um Fischerei-Lizenzen zu erhalten. Darüber hinaus deckt der neue EJF-Bericht mögliche Verstöße gegen das EU-Gesundheitsrecht auf: So werden Produkte offenbar über China umgeleitet und anschließend unter Angabe chinesischen – nicht ghanaischen – Ursprungs in die EU importiert.

EJF fordert die EU auf, alle im Rahmen ihrer Verordnung verfügbaren Instrumente zur Bekämpfung der illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten (IUU-)Fischerei zu nutzen, um Ghana zu helfen, „Saiko" zu beenden und die Transparenz innerhalb des Fischereisektors zu verbessern.

Alle EU-Mitgliedsstaaten – vor allem Portugal, Italien und Spanien, die den Großteil der Importe von Ghanas Schleppnetz-Flotte beziehen – sowie die großen Thunfisch-Importeure Frankreich, Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich sollten Importe von Fisch und Meeresfrüchten aus Ghana genau unter die Lupe nehmen und auf mögliche Umleitungen von Handelsströmen achten. Gleichzeitig sind Verarbeiter und Einzelhändler aufgefordert, ihre Lieferketten mit Ursprungsort in Ghana – insbesondere solche, die mit der ghanaischen Schleppnetz-Flotte in Verbindung stehen – zu überprüfen.

„Saiko führt sowohl zu einer ökologischen als auch zu einer humanitären Krise in Ghana", so EJF-Geschäftsführer Steve Trent. „Fischpopulationen stehen am Rande des Zusammenbruchs; Existenzen und Ernährungssicherheit sind bedroht. Die Tatsache, dass EU-Verbraucher*innen diese Situation unbeabsichtigt unterstützen könnten, ist eine beunruhigende Nachricht. Die Europäische Kommission kann viel tun, um Ghana zu helfen, diese illegalen Praktiken ein für alle Mal zu beenden."
 
Hintergrundinformationen:

Die Environmental Justice Foundation (EJF) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich weltweit für den Schutz der Umwelt und die Verteidigung der Menschenrechte einsetzt.
Kontakt:
Environmental Justice Foundation Deutschland
Osterstraße 58
20259 Hamburg
+49 (0) 40 228 64 929


Wirtschaft | Lieferkette & Produktion, 29.07.2020
     
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